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Ein Kloß im Hals – aber wirklich nur einen!

Montag, den 2. Dezember 2019
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Gutes Essen muss einem auch was wert sein. Aber oft hat man ja den Eindruck, umso teuer ein Essen oder ein Menü ist, umso weniger befindet sich auf dem Teller. Das sieht ja übersichtlich aus – ein Ausdruck, den Loriot mal in einem Film dafür gebraucht hat.

Unser vorweihnachtlicher Ausflug führte aus auf ein Gut bei Fürstenberg. Ein gemütlicher Abend und ein gutes Essen. Ich kam ein bisschen später, und wenn man in dieses Haus kommt, ist man erst mal ein wenig ratlos. Keiner, der am Empfangstresen steht und kein Hinweis darauf, wo man denn jetzt hin muss.
Irgendwann bekomme ich dann aber doch einen Tipp, wo es hingehen soll.

Es gibt mehrere Räume, in denen man sitzen kann, in der Ecke steht ein Kamin, und eigentlich ist es ziemlich gemütlich.
Wir wissen schon, dass unser Menü 45,50 Euro pro Person kostet. Das ist nicht wenig, und wir sind gespannt, was es dafür gibt. Los geht es entweder mit einem Salat oder einer Suppe. Für den Preis hätte es auch gern beides sein können, zumal der Salat auf dem Teller schön angerichtet, aber auch nicht üppig ist. In der Suppe war irgendwas mit Sellerie, und die war wirklich lecker.

Der Hauptgang: Brust und Keule von der Gans, dazu Rotkohl, eine Creme und ein Kloß. Als der Teller auf den Tisch kam, fehlte darauf die Gans, und ich begann ganz ernsthaft, das Fleisch zu suchen. Vor meinem Auge waberte die 45,50 Euro, und mich macht so was eher aggressiv, dass etwas unfassbar teuer ist, schön aussieht, aber auch ganz schön wenig ist.
Ganz so schlimm kam es nicht, denn es kamen noch Teller und Schüsseln mit Brust und Keule, weiterem Rotkohl und Creme (dessen Name mir entfallen ist).
Aber es gab jeweils nur genau einen Kloß, der auch nicht sonderlich groß war. Der wurde im Laufe des Abend zum Running-Gag.
Ich finde, für diesen Preis sollte …. aber na ja, davon hat man ja als Kunde eh keine Ahnung. Auch wenn man die Gans als Sologericht bestellt, zahlt man fast atemstockende 35 Euro.
Zum Schluss gab es ein Küchlein und einem warmflüssigen Schokokern – lecker!

Am Ende hat das alles sehr gut geschmeckt – die Sache mit dem Kloß wird am Ende dennoch von diesem Abend in Erinnerung bleiben.

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Rügen 2019 (16): Erdbeerduft

Samstag, den 23. November 2019
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(15) -> 22.11.2019

Ein grauer Novembertag auf Rügen. An solchen Tagen ist ein Ausflug zu Karls Erdbeerhof eine gute Alternative. In Zirkow dreht sich alles um die Erdbeere.
Außer erstaunlicherweise im Restaurantbereich gar nicht so sehr. Wer dort isst, zahlt pro 100 Gramm 1,90 Euro. Das klingt wenig, aber wer sich den Teller ordentlich vollknallt, zahlt auch ordentlich.
Die Entenkeule hat mich sehr angelächelt, dazu Soße, Kartoffeln und – weil das auch so toll aussah – noch Möhren und Erbsen in weißer Soße. Da ist man dann aber auch mit knapp 14 Euro dabei. Andererseits würde das im normalen Restaurant vermutlich ähnlich viel kosten.

Erdbeeren spielen dafür auf dem Klo auch eine große Rolle. Die Toilettenauflage sind in Erdbeerform. Und wer sich draußen nach dem Hänsewaschen die Hände desinfiziert, bekommt auch einen Erdbeerduft gratis dazu.

Eigentlich wollte ich zu Karls, weil ich eventuell noch ein bisschen Weihnachtsdeko kaufen wollte. Da aber wird man dort eher nicht fündig. Die Weihnachtsmänner sind selten hässlich, die schneeweißen Plastiktannen sehen doof aus, und ich werde wohl woanders noch mal schauen müssen. Oder nächstes Jahr, wenn keine Saison ist.

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Rügen 2019 (15): Und für Sie war jetzt genau was?

Freitag, den 22. November 2019
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(14) -> 21.11.2019

Und da steht er nun an unserem Tisch. In der einen Hand eine Pizza, in der anderen die Bandnudeln. Er sieht mich an. Fragend. Er weiß nicht mehr, wer von uns was bestellt hat. Ich zeige auf die Nudeln. Das sind meine, sage ich.

Nun ja. Es ist ja nicht so, dass wir nur zwei sind. Und dass derselbe Mann vor ein paar Minuten unsere Bestellung aufgenommen hatte. Aber das Gedächtnis des Kellners scheint nicht oder noch nicht so gut zu funktionieren. Schon bei der Cola und der Cola Light stand er ratlos da.

Dabei ist das Restaurant in Glowe ganz schick. Es ist wohl noch ziemlich neu, es steht in einem Neubau-Ensemble mit diversen Läden und Ferienwohnungen darüber. Was wohl im Ort nicht unumstritten war, weil dieses Areal durchaus wie ein Fremdkörper an dieser Stelle aussieht.
Weil es so neu und schick ist, ist vermutlich auch diese Gaststätte besonders teuer. Selbst Spaghetti kosten mehr als 10 Euro, die Lachs-Bandnudeln liegen bei fast 17 Euro, ein Beilagensalat kostet fast 6 Euro. Das ist schon ordentlich.

Dennoch war der Abend gut, das Essen war lecker, und am Ende gab es sogar die Frage.
Nämlich die Frage, ob es noch etwas aufs Haus sein darf. Ich hatte kurz überlegt, nach einem fetten Eisbecher zu fragen, begnügte mich dann aber mit einem Amaretto. Meine Begleitung wollte einen Sambuca.
Eine Minute später stand der Kellner neben uns und schaute uns wieder fragend an. Wieder vergessen. Ein bisschen lustig war das ja schon…

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Rügen 2019 (13): Vermisst – Binzer Bierstuben

Mittwoch, den 20. November 2019
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(12) -> 31.8.2019

Böse Überraschung beim herbstlichen Rügen-Trip. Eigentlich sollte der erste Tag mit einem Essen in den “Binzer Bierstuben” enden. Ein Besuch dort ist Pflicht. Die Scholle dort ist eine Wucht, dazu die leckeren Bratkartoffeln und der richtig leckere Krautsalat mit dem selbstgemachten Dressing.

Vergangenheit.
Die “Binzer Bierstuben” sind geschlossen.

Ein Moment des Schocks. Ich hatte mich schon gewundert, dass am späten Nachmittag alles duster ist. Aber ich dachte noch, am Abend wird das Ding dann schon geöffnet sein.
Falsch gedacht.
Stattdessen klebt ein Zettel am Eingang. Darauf steht, dass das Hotel “Granitz” mit den “Binzer Bierstuben seit dem 21. Oktober 2019 geschlossen seien. Man bedanke sich für die jahrelange Treue und wünsche alles Gute.

Was war da bloß passiert? Dass die pleite waren, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, gerade im Sommer geht am Abend nichts ohne Vorbestellung.
Also hörte ich mich in Binz mal um.
Übereinstimmend hieß es, dass die Betreiber die Pacht nicht verlängert hätten. Dass die wohl zu teuer geworden wäre, beziehungsweise erhöht worden sei. Vermutlich ist da was dran, aber genau weiß man es nicht.
Wenn man durchs Fenster schaut, ist die Einrichtung noch drin. Ob irgendjemand anderes das Haus übernimmt, ist unklar. Mindestens in den Hotelteil müsste allerdings investiert werden, was ich schon festgestellt hatte, als ich da mal gewohnt habe.
Aber in Binz wird befürchtet, dass das Ding nun stattdessen erst mal leersteht. Und das ist einfach nur ein riesiger Jammer.

An der Strandpromenade, wo ich die Ersatzscholle essen wollte, war übrigens auch geschlossen – aber nur bis Weihnachten. Und die Ersatz-Ersatzscholle im Lokal an der Hauptstraße war ganz okay, aber an die in der Binzer Bierstuben reichte sie bei weitem nicht ran.

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Martini und der bunte Turm

Sonntag, den 3. November 2019
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2018 -> 4.11.2018

Martinimarkt 2019! Die größte Attraktion auf der Neuruppiner Kirmes in diesem Jahr ist der View-Tower. Das Ding ist fast 80 Meter hoch, wird bunt angestrahlt, und die Plattform fährt hoch und runter. Ganz langsam. Das Ding ist auch für die geeignet, die vielleicht für das Riesenrad zu ängstlich sind. Das allerdings gibt es auch in diesem Jahr.
Der Andrang am Sonnabend war groß. Die Schlange ist nicht kleiner geworden, was auch daran liegt, dass erstaunlich wenige Leute pro Durchlauf auf die Plattform gelassen worden sind.
Wir hatten zu wenig Geduld, auch weil plötzlich gar nichts mehr ging – scheinbar gab es technische Probleme, denn die Türen schlossen sich und öffneten sich auch nicht wieder. Stattdessen drehte sich irgendwann die Plattform einmal rum, woraufhin wieder gar nichts passierte.
Das Beste in solchen Situationen ist übrigens immer: Information. Statt der überlauten Musik aus den Lausprechern wäre eine kurze Ansage nicht ganz unnett gewesen.
Wir verzichteten dann doch, was aber jetzt unsere Stimmung auch nicht unbedingt schmälerte.

Noch ein neues Highlight: Flammlachs! Flammlachs ist leider sehr lecker, und auch ein bisschen teuer. Auf dem Martinimarkt kostet ein Brötchen mit Flammlachs, Salat und Soße 7 Euro. Wobei das Brötchen auch gut gefüllt ist. Überhaupt ist es immer wieder erstaunlich, was für eine Bandbreite an Speisen auf dem Martinimarkt angeboten wird: Bratwurst, Bouletten, Hot Dogs, Pizza, Nudeln, Baguettes, Sandwiches, Pferdefleisch, Fisch, Waffeln, Schoko-Obst, Crepes – und ich habe ganz sicher noch sehr viel nicht genannt.
Als ich 2009 beruflich in Neuruppin war und jeden Tag auf den Martinimarkt konnte, da konnte ich im Laufe der Tage alles probieren, was ich wollte. Wenn man nur drei Stunden dort ist, muss man sich natürlich entscheiden, und diese Entscheidung fällt nicht immer einfach.

PS: Manche finden ja die weißen Schokobananen eklig, die ich mir gerne kaufe. Für die Leute die gute Nachricht: Ich bin umgeschwenkt – zur weißen Schoko-Ananas. Lecker!

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aRTikel

Letzte Ehre für Mike Bollig

Montag, den 28. Oktober 2019
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Die Familie des verstorbenen Bäckermeisters begrüßt noch einmal zum Abschied die Kunden in ihrem Laden in der Beetzer Chausseestraße

MAZ Oranienburg, 28.10.2019

Beetz.
Schon als der Laden um 7 Uhr öffnete, standen viele Menschen davor. Sie wollten Abschied nehmen. Am Sonnabend öffnete die Bäckerei Bollig im Kremmener Ortsteil Beetz nach drei Wochen Pause – aber das zum letzten Mal. Am 5. Oktober war der Chef des Hauses, Bäckermeister Mike Bollig, unerwartet im Alter von nur 55 Jahren gestorben. „Wir haben alle Kunden persönlich begrüßt“, erzählte Lucas Penther, der Sohn des Verstorbenen. „Manche Kunden haben sogar Blumen mitgebracht.“

Der Tag für ihn und seine Schwester Vivienne Bollig begann bereits um 1.30 Uhr in der Nacht. „Da sind wir aufgestanden, um 2.30 Uhr waren wir hier“, so Lucas Penther. Sie standen dann in der Backstube – aber nicht allein. Hilfe kam unter anderen vom Oranienburger Bäckermeister Roland Schulz. Auch der Teschendorfer Bäcker Fred Plessow kam mit seiner Frau nach Beetz. „Als Papa vor drei Wochen ins Krankenhaus kam, hatten wir ihn auch schon angerufen“, so Lucas Penther. Er hatte die Lieferung für die Sommerfelder Klinik spontan übernommen.

Dass der Laden noch einmal öffnet, „das war unser Herzenswunsch“, sagte Vivienne Bollig. Und ihr Bruder ergänzte: „Die Arbeit, die Backstube, das war seine große Liebe. Er hat diesen würdigen Abschluss verdient.“ Er sei dort großgeworden, erzählte er außerdem. „Die Backstube hat unser Leben begleitet.“ Beide haben in den vergangenen Jahren auch regelmäßig in der Backstube geholfen, erzählten sie. „Als ich 14 Jahre alt war, begann ich, dort zu helfen.“ Später war sie jeden Sonnabend dabei, als auch Sohn Lucas mithalf, wechselten sie sich am Sonnabend immer ab.

Nicht alle Bollig-Spezialitäten konnten am Sonnabend angeboten werden. „Ein paar Sachen konnten wir nicht machen, er hatte ja viele Rezepte nur in seinem Kopf“, so seine Tochter. „Wir konnten nur darauf zurückgreifen, was wir gelernt haben“, sagte die 30-jährige Kremmenerin. Die anderen Bäcker lieferten dazu. „Aber da sieht man auch mal, was unser Vater geleistet hat. Wir haben es gerade mal geschafft, bis 7 Uhr die Brötchen zu backen.“ Die Theke war trotzdem voll, weil so viele geholfen haben: Nicht nur Brote und Brötchen lagen da zum Verkauf, auch verschiedene Sorten Pfannkuchen, Streuselkuchen, Bienenstich und vieles mehr.

Nach 7 Uhr gab es im Laden eine lange Schlange, die bis weit nach draußen reichte. Selbst am Vormittag strömten die Kunden weiter in den Laden. Gabi Weiß aus Alt Ruppin kam extra nach Beetz, nachdem sie aus der MAZ vom letzten Öffnungstag gelesen hatte. Auf dem Weg zur Arbeit musste sie mal einen Umweg fahren und stieß so auf die Bäckerei in Beetz. Sie sei noch einmal gekommen, „weil Kuchen glücklich macht, und er konnte das.“ Der Kuchen von Mike Bollig habe wie früher bei Oma geschmeckt. „Man hat gemerkt, dass er da viel Herz reingesteckt hat und es gerne gemacht hat.“ Deshalb hatte sie sich entschlossen, auch noch mal nach Beetz zu kommen.

Heike Schauer stand 24 Jahre lang im Beetzer Bäckerladen. „Ja, das ist schon komisch“, sagte sie über die Stimmung am Sonnabend. „Die Kunden waren oft betroffen, viele waren sehr traurig, manche haben sogar geweint.“ Sie sagt, sie sei am längsten im Laden gewesen.

Wie es mit dem Laden nun weiter geht, ist noch offen. „Eine richtig finale Entscheidung ist noch nicht getroffen“, sagte Lucas Penther. „Es wäre schön, wenn es eine Bäckerei bleiben kann, das liegt uns am Herzen, auch für die Beetzer. Aber wie eine Lösung aussehen kann, wissen wir noch nicht.“ Für so eine Entscheidung sei es auch noch viel zu früh. Nach diesem Sonnabend bleibt die Bäckerei erst mal geschlossen. Es seien aber Gespräche mit Interessenten geführt worden. „Wir wollen das Geschäft aber natürlich nicht an irgendjemanden abgeben“, so Lucas Penther. Sie wollen den Schatz in guten Händen wissen.

Die Familie muss die Geschäfte nun abwickeln. Generell sei es nicht einfach, mit den Büchern, die jemand anderes geführt hat, zurechtzukommen. „Aber wir haben Hilfe von einem Freund“, so der 19-Jährige Sommerfelder. „Der hat einen klaren Kopf.“ Ansonsten ist die Familie über jede Ablenkung dankbar. „Selbst Freunde, die nur mit uns reden, lenken uns ab.“ Immer wieder kämpfen alle mit den Tränen, und als sie den Laden dann abschlossen, da ging in Beetz eine Ära zu Ende – die von Bäckermeister Mike Bollig.

(Onlinefassung)

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Angeblich unverpackt

Dienstag, den 15. Oktober 2019
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Immerhin: Wir denken inzwischen öfter mal an die Umwelt. Selbst wenn wir unsere guten Vorsätze nicht immer umsetzen (können) – das Thema ist im Hinterkopf. Und auch in der Wirtschaft.
Bei Netto in Oranienburg stand ich in der kleinen Gemüseabteilung. Ein riesiges Schild wies darauf hin: “Bis zu 100 unverpackte Obst- und Gemüse-Artikel”. Ja, die denken auch an die Umwelt. Das ist sehr löblich. Allerdings: Blick man sich dann in der Abteilung um, stellt man ernüchtert fest: Eigentlich hat sich nichts geändert. Also, außer das große Schild.

Direkt davor liegt Rosenkohl. In großen Plastiktüten verpackt. Links daneben sind die Bohnen. In großen Plastiktüten verpackt. Darunter die Möhren. Unverpackt, immerhin. Die Tomaten: verpackt, mit viel Plastik. Daneben der Rettich, unverpackt. Auf der anderen Seite liegen die Eisbergsalate – in Plastik verpackt. Darüber Weintrauben – in einer Plastikkiste. Links daneben Johannisbeeren, auch in Plastikbehältern. Immerhin: Um die Gurken war keine Plastikhülle, daneben lagen auch lose Tomaten.
Fazit: Einzig bei den Gurken sah ich eine Veränderung, denn auch die waren sonst immer eingepackt.

Im Großen und Ganzen ist die Werbebotschaft aber durchaus eine Blendung der Kunden. Denn in Wirklichkeit scheint sich in der Obst- und Gemüseabteilung kaum was verändert zu haben.

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