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Tagesschau: Mubaraks Rücktritt

Samstag, den 12. Februar 2011
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FR 11.02.2011 | 17.00 Uhr | Das Erste

Eine große Stunde – und das Fernsehen war live dabei. Während in der “Tagesschau” am Freitagnachmittag Jörg Armbruster gerade aus Kairo zugeschaltet war, brach Jubel auf den Straßen unter ihm aus. Bald war klar: Ägypten steht am Wendepunkt, Mubarak ist zurückgetreten.
Es waren spannende Fernsehminuten voller Emotionen. Der Reporter trat aus seinem Studio auf den Balkon, die Kamera wurde abmontiert und ebenfalls rausgebracht – alles live auf Sendung. Dann konnte Armbruster schildern und zeigen, wie die Leute jubelten.

Für die ARD war es ein Glücksfall, dass die “Tagesschau” gerade auf Sendung war, spontan lief sie statt 15 ganze 54 Minuten lang.
Und das, um ausnahmsweise mal keine Katastrophen zu zeigen, sondern fröhliche Emotionen.

Schon der Abend davor war geprägt von den Ereignissen in Ägypten. Das Erste unterbrach sein “StarQuiz”, um in den “Tagesthemen extra” die Rede Mubaraks zu zeigen, in der er wider Erwarten nicht seinen Rücktritt erklärte. Das Bild des Abends hatte zeitgleich jedoch das ZDF im “heute journal”: links im Bild Mubarak und rechts die Menschenmassen in Kairo, die ihren Unmut zeigte, in dem sie ihre Schuh hochhielt. Ausdruck der Verachtung. Moderator Claus Kleber kommentierte und ordnete ein.
Echte Gänsehautmomente.

Die “Tagesschau” von Freitagnachmittag.
Das “heute journal” vom Donnerstag.

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ZDFinfo spezial: Al Arabiya live

Samstag, den 5. Februar 2011
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FR 04.02.2011 | 12.32 Uhr | ZDFinfokanal

Deutschlands Medienjournalisten sind in Aufruhr: Da erdreisten sich doch ARD und ZDF, in ihren Hauptprogrammen keine 24-Stunden-Ägypten-Berichterstattung anzubieten. Was für eine bodenlose Frechheit, was für eine Unfähigkeit, was für eine Gebührenverschwendung. Da zeigen sie doch lieber Kochshows und Telenovelas.
So ereifern sich seit ein paar Tagen die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Internetmediendienst DWDL und viele weitere Zeitungen und Internetdienste auf ihren Medienseiten.

Tja, schlimm! Da beschränkt sich Das Erste am Mittwoch doch glatt nur auf die Tagesschau. Um 5.30, 6.00, 6.30, 7.00, 7.30, 8.00, 8.30, 9.00, 10.00, 12.00, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00, 18.50, 20.00 und 2.25 Uhr. Und auf Berichte im Morgenmagazin, Mittagsmagazin, im “Brennpunkt”, bei “Hart aber fair”, in den Tagesthemen und dem Nachtmagazin. Außerdem stundenlang live bei Phoenix sowie immer wieder auf EinsExtra. Das ist einfach viel zu wenig. Da passiert doch so wahnsinnig viel in Ägypten, da muss auch schon mal laufende Programm im Ersten unterbrechen!

Aber interessiert sich die überwiegende Zahl der Deutschen tatsächlich übermäßig für die Ereignisse in Ägypten? Ein “Brennpunkt” am Donnerstag erreichte nicht übermäßige vier Millionen Zuschauer, ein “Kontraste extra” nicht mal drei Millionen. Für wen regen sich FAZ und DWDL so auf?
So lamentierte ein DWDL-Schreiber am Montag, dass viele, viele Leute die Nachrichtensendungen verfolgt hätten, und trotzdem keine Ägypten-Sondersendungen liefen. Tatsächlich hielten sich ARD und ZDF am Wochenende eher bedeckt. Das echte Interesse der Menschen galt da jedoch dem Zugunglück in Sachsen-Anhalt. Davon schien widerum bei DWDL niemand etwas mitbekommen zu haben.
Was steckt hinter dem hysterischen Aufruhr? Ein Egotrip der Medienschreiber? Themenmangel?

Am Freitag bot der ZDFinfokanal Live-Bilder des arabischen Nachrichtensenders Al Arabiya. Das Ganze wurde übersetzt und von Experten kommentiert. Im Grunde genau das, was die FAZ-Schreiber gern von ARD und ZDF wollen: Ägypten live. Und was war zu sehen? Ein verschwommenes Live-Bild von Menschen, die auf einem Platz stehen und demonstrieren. Das war wirklich sehr … na ja, das konnte man sich mal ein paar Minuten ansehen. Das “ZDFinfo spezial” ist in Wirklichkeit ein Angebot, das eher als Zusatz angesehen werden kann. Nicht ganz uninteressant, aber auch kein echter Mehrwert.

Die Berichterstattung von ARD und ZDF ist gut. Dass die Sender lange Live-Strecken am Nachmittag freihalten sollen, ist ein unsinniger Vorschlag. Die Revolution von Ägypten ist ein wichtiger Vorgang, aber nicht so einschneidend wie beispielweise der 11. September 2001.
Liebe FAZ- und DWDL-Kollegen, lasst doch mal die Kirche im Dorf!