Tagesarchiv für 2. Oktober 2021

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Der Deutsche Comedypreis 2021

Samstag, den 2. Oktober 2021
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FR 01.10.2021 | 20.15 Uhr | Sat.1

Es war einiges anders als sonst. Ernster. Kurz vor Schluss bekam “Der Deutsche Comedypreis 2021”, am Freitagabend live bei Sat.1, noch eine überraschende Wendung – mit Kritik in verschiedene Richtungen, auch an die Gala selbst.
Dafür zuständig war Maren Kroymann. Die große Maren Kroymann hatte vollkommen zurecht den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk bekommen. Und sie hatte einiges zu sagen.

“Jetzt bin ich doch froh, dass ich hergekommen bin”, so begann sie. Es schwebe eine Wolke über dem Saal. “Ein Kollege von uns hat Übergriffe gemacht, und eine junge Kollegin hat das gesagt. Ich werde dafür ausgezeichnet, dass ich lustige Geschichten erzähle und es gibt Frauen, die ihre Geschichte erzählen, die nicht lustig sind.” Maren Kroymann hält das für ein Missverständnis.
Sie spricht damit das Thema an, das tatsächlich ganzen Abend über allem schwebte. Die Akademie hatte vorher zusammen mit Netflix und Sat.1 entschieden, die Serie “Über Weihnachten” von der Nominiertenliste für die beste Comedyserie zu nehmen. Man wolle die Serie und den Cast schützen, so hieß es. Eine entsprechende Erklärung las auch Moderator Steven Gätjen vor. Konkret geht es um den Vorwurf von sexuellen Übergriffen seitens Mockridge.
“Ich hätte gerne gehabt, dass Verantwortliche hier für diesen Preis, von dem Sender, die Eier gehabt hätten zu sagen: Wir solidarisieren uns nicht nur mit unserem beliebten Künstler, sondern mit den Frauen die betroffen sind. Ich würde mir wünschen, dass ihre Geschichte gehört wird, dass diese Frauen ernst genommen werden, dass sie respektiert werden. Dass man ihnen glaubt.”
Was Sat.1 angeht, hat sie natürlich recht. Der Rest ist kritisch. Man sollte nämlich alle Menschen ernstnehmen, und bevor eine Sache nicht endgültig geklärt ist, jemanden an den Pranger zu stellen, ist schon mehrfach nach hinten losgegangen. Wobei Hazel Brugger mit ihrem “Konsequenzen für Comedian XY”-T-Shirt noch viel heuchlerischer war: Einerseits Dinge nicht konkret aussprechen, andererseits Konsequenzen für etwas fordern, wovon wir alle nicht wissen, wie es genau war. Zumal es immer auch darum gehen muss, ob wir von privaten oder auch beruflichen Konsequenzen sprechen – und ob das eine das andere immer bedingen muss.
Kroymann sprach auch über den langen Weg der Frauenemanzipation, und in dem Zusammenhang kritisierte sie auch die Macher der Gala – warum denn die Frauen, die die Preise bringen, solche Kleider tragen müssen. Um gut auszusehen?
Das wiederum saß, das waren wichtige Worte.

Für “Über Weihnachten” ist die Nicht-Nominierung übrigens bitter. Denn die Serie ist mehr als nur ihr Hauptdarsteller. Sie hätte recht sicher unter normalen Umständen den Titel der besten Serie gewonnen – aber eine normale Abstimmung – alle Preise wurden über Telefonvotings vergeben – war so kaum möglich.

Aber auch sonst war “Der Deutsche Comedypreis 2021” erstaunlich unlustig. Die Show wirkte, als ob man sich an Erfolgskonzepte aus den 00er-Jahren orientiert hat. Also, die, die damals schon unlustig waren.
Katrin Bauerfeind und Steven Gätjen moderieren fast ohne Witz die Show runter, und wehmütig erinnert man sich an Dieter Nuhr, Max Giermann oder Atze Schröder – als Comedyleute noch den Comedypreis moderierten. Platte Gags im Zwischenprogramm, eine ewig lange Quizshow mit einem schlecht gelaunten Faisal Kawusi und unfassbar blöden und lahmen Live-Schalten zu einer Familie, die von Ralf Schmitz besucht worden ist.
Angeblich war die Show die witzigste Gal des Jahres. Ähm, nein.

Dass die Menschen zu Hause in allen Kategorien voten konnten, ist einerseits eine demokratische Sache. Aber andererseits: Wie viel Bedeutung hat, was ein paar Sat.1-Zuschauer denken, wie gut bestimmte Sendungen sind? Noch dazu für 50 Cent pro Anruf? Und dass nur die gewinnen, die genügend Fans mobilisieren können, muss auch nicht immer für die Qualität einer Serie oder einer Show sprechen.
Und dass in der Kategorie beste/r Komiker/in Männer und Frauen gemeinsam antreten, könnte 2022 wohl auch wieder abgeschafft werden. Die Sache mit der Gleichberechtigung ist nämlich nach hinten losgegangen. Beide Komikerinnen sind nämlich schon vor dem Finale der besten 3 rausgeflogen – übrig blieben nur Männer. Dumm gelaufen.

-> Die Show bei Joyn

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RT im Kino

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

Samstag, den 2. Oktober 2021

(24) -> 5.11.2015

Bond 25! Jubiläum! Und wir mussten unglaubliche sechs Jahre darauf warten.
Das war so nicht geplant. Denn ursprünglich sollte “Keine Zeit zu sterben” schon im Herbst 2019 in die Kinos kommen. Wegen Verzögerungen (und Unfällen) beim Dreh wurde er aber auf den Februar, später auf den April 2020 verschoben. Dann kam das Coronavirus und die Verschiebung auf den Herbst 2020, dann auf das Frühjahr 2021, dann in den Herbst 2021. Fast wäre der Film nur bei einem Streamingdienstanbieter gelandet.
Besonders ist der Film nun nicht nur, weil es der erste Blockbuster nach sehr langer Zeit ist. Es ist auch der fünfte Bond-Film mit Daniel Craig – und es ist sein letzter.

Und eigentlich ist James Bond (Daniel Craig) schon im Ruhestand. Von seiner großen Liebe Madeleine Swann (Léa Seydoux) hat er sich getrennt, und er hat sich auf eine Insel zurückgezogen.
Doch der CIA-Agent, sein alter Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright), nimmt Kontakt mit ihm auf. Denn Bond hat noch was zu erledigen. Er soll den entführten Wissenschaftler Valdo Obruchev (David Dencik) retten. Doch das ist – nicht überraschend – alles andere als einfach.
Denn der heimtückische Safin (Rami Malek) ist der Strippenzieher. Seine neue Technologie ist für die Menschheit hochgefährlich, und könnte er sie einsetzen sogar tödlich. Zudem hat Safin auch mit Madeleine Swann noch eine Rechnung offen.
Mit der neuen 007, seine Nachfolgerin, der Doppel-Null-Agentin Nomi (Lashana Lynch), muss er in dieser Situation eine Lösung finden.

“James Bond 007: Keine Zeit zu sterben” zeigt, was das Kino ausmacht. Eine spannende Story, Action, Humor und Tragik – das alles in gut zweieinhalb Stunden.
Der fünfte Bond-Film mit Daniel Craig wird eine Ära beenden, weil auch einige Geschichten aus dieser Ära ein Ende finden werden. In diesem Abenteuer liebt er, er zweifelt, er trauert, er verstößt, er bangt, er beschützt, er kämpft, er schießt und erschießt, er rettet und… und am Ende weiß man nicht so genau, auch wenn es eindeutig scheint.
Bond ist Daniel Craig lange nicht mehr der coole Schnösel, der Frauen als schönes Beiwerk bekommt – Craig hat diesen Bond verändert. Er hat diese Figur geprägt und verändert.
Das lange Warten hat sich gelohnt. Auf tolle Weise in Szene gesetzt, durch eine mitreißende Kameraarbeit und fesselnde Actionszene lassen sich auch die wenigen Längen verschmerzen. Hervorzuheben ist auch der phantastische Titelsong “No Time to die” von Billie Eilish, der, wenn man den Filmkontext kennt, perfekt zur Situation passt und Gänsehaut erzeugt.

-> Trailer auf Youtube

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben
GB 2019, Regie: Cary Joji Fukunaga
Universal, 163 Minuten, ab 12
8/10

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