Tagesarchiv für 21. Juni 2021

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Mats Schönauer / Moritz Tschermak: Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet

Montag, den 21. Juni 2021
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Die BILD-Zeitung steht seit Jahren unter Beobachtung. Im BILDblog kann jeder nachlesen, was bei BILD schiefläuft. Welche Kampagnen gefahren werden, welche journalistischen Standards mal wieder verletzt worden sind, welche Tabus gebrochen werden – und nicht zuletzt: Fehler, Fehler, Fehler.
Mats Schönauer und Moritz Tschermak haben ihr Wissen aus der Arbeit mit dem BILDblog nun zu einem Buch zusammengefasst: “Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.
Dass die BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet, steht dabei nicht zur Debatte, denn die beiden Autoren zeigen sehr gut, dass die BILD-Redaktion das tut und wie sie es tut.

Das wird mit rassistischen Klischees gespielt. Gegen die “Pleite-Griechen” gab es eine riesige Kampagne. BILD hetzt gegen Migranten, in dem aus Kleinigkeiten Mega-Storys gemacht werden, in dem Statistiken fehlinterpretiert werden. BILD positioniert sich zwar gegen den Rechtspopulismus wie von der Afd, bedient ihn aber ganz fleißig. BILD verurteilt zwar Unfallgaffer, will aber Leserfotos. BILD hetzt gegen die Justiz, in dem sie so tut, als würde zu milde gegen bestimmte Straftäter geurteilt. BILD hetzt Menschen gegen Institutionen auf. BILD macht Politik. BILD verbreitet haufenweise Fehlinformationen, insbesondere in Breaking-News-Situationen.
Und, und, und.

Sehr genau beschreiben Mats Schönauer und Moritz Tschermak, wie die BILD arbeitet, welche Strategien sie fährt, wie sie eigene Fehler vertuschen will.
Wer den BILDblog kennt, wird im Buch wenig Neues finden. Für alle anderen ist es eine sehr spannende und lehrreiche Lektüre. Das geballte BILD-Wissen in diesem Buch ist beeindruckend.

Mats Schönauer / Moritz Tschermak: Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet
Kiepenheuer & Witsch, 334 Seiten
8/10

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Schwarze Adler

Montag, den 21. Juni 2021
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FR 18.06.2021 | 23.30 Uhr | ZDF

Damals dachte sich dabei niemand etwas: 1976 wurde die Jamaikanerin Beverly Ranger von der “Sportschau” in der ARD für das „Tor des Monats“ ausgezeichnet. Eröffnet wurde das Ganze mit dem Lied “Schön und kaffeebraun sind die Jamaica-Frauen” von Vico Torriani. Fand man damals irgendwie lustig. Beverly Ranger sei “der lebende Beweis”, sagte Moderator Ernst Huberty. Ranger lächelt, ist beschämt.
Heute ginge so was gar nicht mehr. Heute ist es – völlig zurecht – ein Beispiel für Rassismus und Sexismus.

Wie rassistisch es im deutschen Fußball zuging (auch und auch noch manchmal zugeht) zeigte am Freitagabend im ZDF die Doku “Schwarze Adler”.
Für junge Fußball ist es das Größte, mal in der Nationalmannschaft des eigenen Landes spielen zu dürfen. Das gilt auch für schwarze und afrodeutsche Spieler wie Otto Addo, Gerald Asamoah, Anthony Baffoe, Cacau, Jimmy Hartwig, Steffi Jones, Patrick Owomoyela, Beverly Ranger oder Shary Reeves.
Sie mussten scheinbar völlig selbstverständlichen Rassismus über sich ergehen lassen. Schmährufe in den Stadien, Bananenwürfe oder die Fans, die in die Fernsehmikrofone sagten, dass die schwarzen Spieler doch gefälligst dahingehen sollen, wo sie herkommen.

Es ist Wut dabei, es sind viele Enttäuschungen, vieles was damals runtergeschluckt worden ist, aber für immer in Erinnerung bleibt.
Die Doku zeigt einerseits, dass früher eben nicht alles besser war. Aber auch, warum es so richtig und wichtig ist, auch heute noch gegen Rassismus zu kämpfen, gegen ihn anzutreten.
Deshalb ist es auch traurig, dass das ZDF die Doku am späten Abend versendete – zwar passend nach einem Fußball-EM-Übertragungstag, aber dennoch hätte dieser wichtige Doku noch mehr Aufmerksamkeit verdient.

-> Die Doku in der ZDF-Mediathek (bis 17. Juli 2021)

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