Tagesarchiv für 28. Dezember 2020

RTZapper

Das Traumschiff: Kapstadt

Montag, den 28. Dezember 2020
Tags:

SA 26.12.2020 | 20.15 Uhr | ZDF

Das Traumschiff schipperte am 2. Weihnachtsfeiertag im ZDF nach Kapstadt, und es herrschte mal wieder die relativ heile Welt, die nur zwischendurch mal kurz ins Wanken gerät.
Der Schiffarzt verabschiedet sich, ein junges Paar kommt für ein Blind Date aufs Schiff, eine Schwester reist für Impfungen nach Kapstadt. Eine junge Frau will in Kapstadt ihre Heimat entdecken – und die leibliche Mutter finden.
Es sind unterhaltsame Geschichten, die erfreulich gut funktionieren. Die kreative Krise der Serie scheint überwunden zu sein, und Florian Silbereisen als Kapitän spielt auch nicht mehr so hölzern wie am Anfang.

Spannend an der “Kapstadt”-Folge sind auch eher die Umstände. Denn die Folge entstand im Winter und Frühjahr. Während des Kapstadt-Drehs herrschte noch einigermaßen Normalität. Doch die Szenen, die auf dem Schiff entstanden, standen schon unter dem Eindruck der Coronakrise und des ersten Lockdowns.
Harald Schmidt war nicht dabei, weil er nicht mehr aufs Schiff konnte. Und auch Florian Silbereisen konnte am Ende nicht mehr aufs Schiff, weshalb auch da Szenen umgeschrieben werden musste. Die Abschiedsrede musste der zweite Kapitän halten.
Crew und Passagiere waren tagelang auf dem Meer unterwegs, ohne zu wissen, wo anlegen können und wie lange das dauert – durch Corona geriet alles durcheinander.
Umso schöner die coronafreie heile Welt, die wir dann zu sehen bekommen haben.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 24. Dezember 2021)

Hits: 197

RTZapper

Unter Freunden stirbt man nicht

Montag, den 28. Dezember 2020
Tags:

FR 25.12.2020 | TV Now

Fünf Tage. So lange muss Hermann (Walter Sittler) noch leben. Das heißt, eigentlich ist er tot. Aber eben noch nicht offiziell. In fünf Tagen wird verkündet, wer den Wirtschaftsnobelpreis bekommt. Und weil es sich um eine zum Zeitpunkt der Verkündung lebende Person handeln muss, darf eben auch Hermann nicht sterben. Da sind sich seine Freunde ganz schnell einig. Und so wollen Annette (Adele Neuhauser), Joachim (Heiner Lauterbach), Ella (Iris Berben) und Friedrich (Michael Wittenborn) alles dafür tun, um Hermann am Leben zu halten – zumindest für die Öffentlichkeit. Immerhin gibt es ein Preisgeld.

Doch darüber hinaus haben sie auch ihre eigenen Probleme. So ist Annette einem Shitstorm ausgesetzt, weil es in ihrer Buchhandlung öffentlichkeitswirksam ein Zwischenfall passiert ist. Joachim möchte ein Lyrik-Buch rausbringen, weiß aber nicht wie.
Und natürlich lässt sich eine Leiche nicht so einfach tagelang verstecken – immerhin bekommt Hermann ständig Besuch…

“Unter Freunden stirbt man nicht” gehört zur kleinen Serien-Offensive des Streamingdienstes TV Now. Der Vierteiler läuft 2021 aber auch noch mal bei VOX.
Das Ensemble ist hochkarätig, die Story eher nicht so. Während die erste Folge spannend und lustig ist, geht der Serie aber schon bald vollkommen die Luft aus. Die Geschichte wird platt, die Gags sind es auch. In Spielfilmlänge hätte das eventuell gut funktioniert, aber über viermal 45 Minuten trägt sich das nicht. Erstaunlich, wo ja vier Folgen nicht mal viel sind.

-> Die Serie bei TV Now

Hits: 207

RT liest

Lutz van Dijk: Kampala – Hamburg. Roman einer Flucht

Montag, den 28. Dezember 2020

David ist 18 und lebt in Hamburg bei seiner Schwester und seinem kleinen Neffen. Bei seinen Eltern ist er ausgezogen. Sie kamen nicht damit klar, dass er schwul ist. Regelmäßig trifft er sich mit seinen Freunden und in Gruppen, in denen er viel über die Diskriminierung von queeren Menschen erfährt. So weiß er auch, dass die Situation in vielen Ländern Afrikas für queere Menschen sehr schwierig ist.
Der andere David ist 16, und er lebt in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Auch er steht auf Jungs, und seine Mutter weiß und es und seine Freunde auch. Allerdings werden queere Menschen in Uganda verfolgt, und auch David bekommt mehr und mehr Probleme. Als es richtig brenzlich wird, ist für ihn klar: Er muss das Land verlassen, sonst landet er im Knast.
David und David lernen sich auf einer Dating-App kennen. Sie schreiben miteinander, sie schildern ihre Situation, und David aus Kampala und will zu David aus Hamburg.

Das Thema des Romans ist spannend. Lutz van Dijk macht einerseits in “Kampala – Hamburg” den Gegensatz auf, wie ein schwuler Jugendlicher in Deutschland lebt und ein anderer in Uganda. Sehr schön beschreibt er den jeweiligen Alltag der beiden. Einer ist engagiert, muss aber an sich keine Angst haben. Der andere ist auch engagiert – sein Engagement sorgt jedoch für große Probleme. David will flüchten, und das nicht, weil Krieg herrscht, sondern weil er verfolgt wird, weil er ansonsten in den Knast muss wegen etwas, wofür er nichts kann.
Wenn es aber um die Flucht selbst geht, wird der Roman leider sehr viel oberflächlicher. Immerhin hat der komplette Roman gerade mal 146 Seiten. Da werden eigentlich spannende Dinge nur kurz erzählt, dass David aus Hamburg innerhalb von Stunden nach Istanbul aufbrechen kann, ist in drei Sätzen gesagt. Auch wäre es spannend gewesen, die Geschichte in Deutschland weiter zu erzählen, denn sie ist ja damit nicht vorbei.
Stilistisch blödsinnig ist es übrigens, dass die beiden Davids im Chat anfänglich vor jede noch so kurze Nachricht oder im im Chat “Hallo David” und “Hallo FF4” schreiben. Oder solche merkwürdigen Chat-Beschreibungen wie “Pause – Pause – Pause” oder “Abbruch – Abbruch – Abbruch”. Das ist wirklich albern und wirkt wie ein Walkie-Talkie-Spiel im Kindergarten. Dass so ein Quatsch nicht rausredigiert wird, ist schade.
Am Ende behandelt der Roman ein spannendes, wichtiges Thema. Aber der Roman erzählt die Geschichte leider nicht aus.

Lutz van Dijk: Kampala – Hamburg. Roman einer Flucht
Querverlag, 167 Seiten
6/10

Hits: 202