Tagesarchiv für 22. Oktober 2020

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Staffeldes historisches Plumpsklo

Donnerstag, den 22. Oktober 2020
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Dorfgeschichte: An der Bergstraße steht ein altes Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert

MAZ Oberhavel, 22.10.2020

Staffelde.
Ein Blick durchs Herz in der Holztür. Drinnen ist es dunkel. Helmut Glanzer schüttelt den Kopf: Nichts zu erkennen. Es sind genau acht solcher Holztüren mit einem Herzchen drin, und hinter jeder müsste sich eine Trockentoilette befinden – im Volksmund: Plumpsklo.

Das kleine Gebäude mit den Herzchen in den Türen befindet sich mitten in Staffelde, zwischen der Flatower Straße und der Bergstraße. Es gehört zu einem kleinen Grundstücksensemble, das heute fast schon einen geschichtlichen Wert hat. Helmut Glanzer, der ehemalige Ortsvorsteher von Staffelde, und Ingrid Zache von der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit der Historie des Dorfes.

Das Gebäudeensemble besteht aus einem Mehrfamilienhaus, dem kleinen Gebäude mit den acht Toiletten und einem größeren Gebäude mit acht Kellern und Abstellräumen im oberen Teil.
Das Mehrfamilienhaus müsste nach 1850 gebaut worden sein, schätzt Ingrid Zache. „Dafür spricht die massive Bauweise.“ Ende des 19. Jahrhunderts war Staffelde die größte Gutswirtschaft des damaligen Kreises Osthavelland. Dafür sind Arbeitskräfte benötigt worden. „Die lockte man mit diesen Maßnahmen an. In dem sie sagten: Ihr kriegt Wohnungen.“ In den Häusern gab es eine Stube, eine Kammer, eine Küche. Damals lebten acht Familien in dem Haus – demzufolge mussten auch acht Toiletten gebaut werden, dazu acht Schuppen. Für beides war im Haus selbst kein Platz, und so entstanden die Nebengebäude, die noch heute in Staffelde zu sehen sind. „Jeder hat seinen kleinen Keller gehabt“, sagt Helmut Glanzer. Dazu führte eine kleine Treppe runter. Hinter der Tür daneben ging es dagegen ein paar Stufen rauf. „Da wurde vermutlich Holz gelagert.“ Der grüne Holzschuppen am Wohnhaus sei erst später dazu gebaut worden.
Die Plumpsklos sind vermutlich seit gut 40 Jahren außer Betrieb, schätzt Helmut Glanzer. „der Anschluss wurde zu DDR-Zeiten gelegt.“

1881 gab es in Staffelde eine neue Gemeindeordnung, berichtet Ingrid Zache. „Darin hieß es, man solle sich um die Armen im Dorf kümmern.“ Das Mehrfamilienhaus an der Bergstraße könnte daraufhin zum „Dorfarmenhaus“ umfunktioniert worden sein. „Das Dorf hatte diese Leistung zu erbringen und musste Unterkünfte bereitstellen“, sagt Ingrid Zache. Dass das Haus dafür genutzt worden sei, sei jedoch nur eine Vermutung, betont sie weiter. Zu DDR-Zeiten gehörte das Gebäudeensemble der Gemeinde Staffelde. Das Dach des Schuppengebäudes ist damals neu gedeckt worden. „Sonst wäre es damals schon eingefallen“, sagt Helmut Glanzer. Das Mehrfamilienhaus ging mit der Eingemeindung Staffeldes nach Kremmen in deren Besitz über, jetzt gehört es zur Wohnungsbaugesellschaft, der Woba in Kremmen.

Die gerade musealen Schuppen- und Toilettengebäude stehen seit Jahrzehnten ungenutzt auf dem Gelände. „Ich denke mal, wir müssen uns damit mal befassen, um das hier erhalten zu können“, sagt Helmut Glanzer, der auch Mitglied des Ortsbeirates ist. „Aber die jüngere Generation sieht das vielleicht anders als wir Alten. Abreißen und etwas Neues bauen, sagen die Jungen.“ Er ergänzt: „So lange, wie ich lebe, bleibt das stehen.“ Helmut Glanzer wünscht sich, dass die Gebäude wenigstens grundinstandgesetzt werden. „Es zeigt ein Stück Geschichte in Staffelde.“ Es gehe auch darum, die steinernden Zeugen der verschiedenen Geschichtsepochen im Dorf zu erhalten, ergänzt Ingrid Zache.

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ORA aktuell

Coronavirus: Bundeswehr unterstützt Gesundheitsamt

Donnerstag, den 22. Oktober 2020

Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberhavel in Oranienburg bekommt seit Dienstag personelle Unterstützung durch fünf weitere Bundeswehrangehörige. Zuvor war beim Land Brandenburg ein entsprechender Bedarf angemeldet worden. Durch die steigenden Infektionszahlen beim Coronavirus und die damit verbundene Ermittlung von Kontaktpersonen sei der Arbeitsaufwand im Amt sehr hoch.
Laut Kreisverwaltung arbeiten nun zehn Bundeswehrangehörige im Fachbereich Gesundheit.

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Parlament

Donnerstag, den 22. Oktober 2020
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DI 20.10.2020 | 20.15 Uhr | one

Noch nie sind so viele Serien produziert worden wie heutzutage. Da sind schon viele Themen dargestellt worden, aber das europäische Parlament war da wahrscheinlich noch nicht dabei.
Dienstags läuft bei one zur besten Sendezeit die neue Serie über das “Parlament”, und wer der Meinung war, dass in Brüssel scheinbar nur Dep…, äh, seltsame Menschen im Plenarsaal sitzen, der könnte zumindest anhand dieser Serie meinen, dass er gar nicht so unrecht hat.

Samy (Xavier Lacaille) ist neu in Brüssel. Er ist Assistent von Michel Specklin (Philippe Duquesne), Mitglied des Europäischen Parlaments. Und schon am ersten Tag muss Samy feststellen, dass er viel lernen muss. Über das Verhältnis zwischen den verschiedenen Fraktion, über Lobbyisten, die tatsächlich in der Lobby rumlungern und dass gewisse Themen besser nicht angesprochen werden, weil dann die Spanier sauer werden. Oder die Briten. Oder die Deutschen. Oder wer auch immer. Irgendwer ist immer sauer.
Specklin sitzt im Ausschuss für Fischerei, hat aber keinen blassen Schimmer vom Thema – und frei reden kann er schon gar nicht. Samy soll sich kümmern. Gerade geht es um das Shark-Finning, um den Handel mit Hai-Flossen. Beraterin Ingeborg (Christiane Paul) aus Deutschland und ihr Assistent Torsten (Lucas Englander) machen ordentlich Druck auf Samy.

Klingt einerseits ein bisschen dämlich, andererseits thematisch dröge. Aber “Parlament” ist erfreulich gute Unterhaltung. Denn die 10-teilige Serie – eine Co-Produktion mit Frankreich, Belgien und Deutschland – zeigt den Wahnsinn des EU-Parlaments. Wie schwierig es ist, dort Gehör zu bekommen und Themen einzubringen. Samy muss sich mit Irrungen, Wirrungen und seltsamen Menschen auseinandersetzen.

In Deutschland scheint man sich allerdings unsicher gewesen zu sein, ob man die Serie synchronisiert. Was schwierig ist, weil das EU-Parlament mehrsprachig ist und eine deutsche Synchro dies dann nicht mehr zeigen würde.
So läuft alles im Original mit Untertiteln. Nur Christiane Paul als Ingeborg spricht Deutsch – und wird auch deutsch untertitelt. Ist das schon seltsam, so spricht Ingeborg im Original auch Französisch. Sie ist die Einzige, die synchronisiert wurde – selbst in Situationen, in denen sie definitiv nicht deutsch spricht, weil in einer Szene Samy ihr immer auf Französisch antwortet. Ergibt keinen Sinn. Dann lieber gleich das Original schauen, wenn die Synchro eh nur aus drei nachgesprochenen Sätzen besteht.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 10. November 2020)

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