Tagesarchiv für 12. Oktober 2020

RT im Kino

Es ist zu deinem Besten

Montag, den 12. Oktober 2020

Väter in der Krise: Wenn ihre Töchter plötzlich einen Freund nach Hause bringen – womöglich das erste Mal -, dann ist es, nun ja, kompliziert. Vielleicht sogar so komplizoert, dass die Väter den jeweiligen Freund am liebsten…

Arthur (Heiner Lauterbach), Kalle (Jürgen Vogel) und Yus (Hilmi Sözer) erleben das Problem gerade hautnah. Arthurs Tochter Antonia (Janina Uhse) lässt ihre Hochzeit platzen, weil sie lieber mit dem Linksaktivisten Alex (Jacob Matschenz) zusammen sein will. Und das, wo doch Arthur ein reicher Anwalt ist und mit den Linken wenig anfangen kann. Kalles Tochter Luna (Lisa-Marie Koroll) hat sich in Ernesto (Andreas Pietschmann) verliebt. Der ist nicht nur Aktfotograf, sondern auch deutlich älter als sie – nämlich ein Schulfreund von Kalle. Yus‘ Tochter Sophie (Lara Aylin Winkler) schleppt Andi (Junis Marlon) mit nach Hause. Der hat nicht nur einen sabbernden Hund, sondern dealt auch mit Drogen.
Die drei Väter tun sich zusammen, nennen sich „Super-Schwäger“ und wollen ihre Töchter von diesen inakzeptablen Typen befreien – mit allen Mitteln.

Die Väter sagen: “Es ist zu deinem Besten”. Und so heißt auch die deutsche Komödie von Marc Rothemund. Für sie spricht, dass sie grundsätzlich nicht langweilig ist, dass der eine oder andere Gag vorkommt und dass die Darsteller fast durchweg sympathisch sind. Heiner Lauterbach als der griesgrämige Schnösel, Jürgen Vogel als leicht tölpeliger Typ, der bei seiner Frau gern einknickt, Jacob Matschenz als polternder Weltverbesserer
Gegen den Film spricht, dass er eine Sammlung von Klischees ist. Männer, die ihr Revier vollpinkeln und alles andere wegbeißen wollen. Es gibt durchaus Momente, wo man sich wünscht, dass die alten Herren jetzt aber mal halblang machen sollen, weil es irgendwann doch albern ist, wie sie sich verhalten. Zumal nicht wirklich ersichtlich ist, dass die Liebe der Väter zu ihren Töchtern besonders groß sei. Zudem fehlt es auch an echten Wendungen. Bis auf Kalles Frau (Lisa Maria Potthoff), die ihrem Mann Kontra gibt, bleiben gerade die Rollen der jungen Frauen extrem blass.
So ist am Ende der Film sehr leichte Unterhaltung, aber bei weitem kein Kracher.

-> Trailer auf Youtube

Es ist zu deinem Besten
D 2020, Regie: Marc Rothemund
StudioCanal, 91 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 146

RTelenovela

Überraschungsevent (42): Voll das Leben!

Montag, den 12. Oktober 2020
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(41) -> 19.9.2020

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte sie das Event planen, beim nächsten Mal bin ich dran.

Es hätte passieren können, dass wir gar nicht reingekommen wären. Unser Ziel war das “C/O Berlin” im Amerikahaus an der Hardenbergstraße in Berlin-Charlottenburg. Wenn man in die Ausstellungen will, muss man normalerweise vorher ein Onlineticket kaufen, und dann hat man ein bestimmtes Zeitfenster für den Besuch.
Wir hatten kein Ticket, aber zum Glück gab es noch Spontankontingente.
So konnten wir uns die Ausstellung “Voll das Leben!” anschauen. Es ging um den Fotografen Harald Hauswald. Er ist 1954 in Radebeul geboren worden. 1977 geriet er ins Visier der Stasi, die wegen seines “alternativen Aussehens” auf ihn aufmerksam geworden ist. Später auch, weil er auch in westlichen Medien seine Fotos veröffentlichte.

In der Ausstellung sind etwa 250 seiner Fotografien zu sehen. Sie zeigen das Alltagsleben in der DDR, aber auch etwas andere Blinkwinkel auf Demos der damaligen Zeit.
Man sieht Jugendliche, die sich treffen, triste Straßenzüge, leere Schaufenster, Menschen auf den Straßen.
Die Bilder sind durchaus interessant, wenn ich auch zugeben muss, dass sie mir wenig Neues zeigten. Aus eigener Erfahrung ist mir der DDR-Alltag noch bekannt, und in der Hinsicht zeigen die Bilder wenig Außergewöhnliches, was nicht schon bekannt sein dürfte.
Auffallend ist, dass die Menschen auf den Fotos fast ausnahmslos traurig oder teilnahmslos gucken. Das ist etwas, was auch der Stasi aufgefallen war. In der Tat finde ich zwar, dass das Leben in der DDR viele Widrigkeiten hatte, aber dennoch gab es für die Menschen im Alltag ja auch viele gute Momente.
Für mich ist es eine interessante Erfahrung, so eine Art der DDR-Schau zu sehen – Bilder von damals. Es ist wieder der Gedanke, wie alt man doch schon ist, dass das alles zwar 35 Jahre her ist, man es aber selbst schon erlebt hat. Da ist es fast spannender, zu sehen, wie sich jüngere Leute die Schau ansehen, und was sie denn aus diesen Bildern mitnehmen.

Krass sind die dort ausgestellten Stasi-Akten, die zeigen, wie umfassend Hauswald beobachtet worden ist. Seien es die Beobachtungsprotokolle oder die IM-Berichte von seinem Geburtstag. Rund 40 Inoffizielle Mitarbeiter waren auf ihn bis 1989 angesetzt.

Noch bis 23. Januar 2021 ist die Ausstellung im C/O Berlin, direkt am Bahnhof Zoo, zu sehen. Der Eintritt kostet 10 Euro, dafür kann man in alle Ausstellungen des Hauses.

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