Tagesarchiv für 10. März 2020

RTZapper

Late Night Berlin

Dienstag, den 10. März 2020
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MO 09.03.2020 | 23.10 Uhr | ProSieben

“Natürlich war unser erster Reflex zu sagen: ‘Ja, wir machen wir hier ja nur Quatschfernsehen. Um Gottes Willen, wir sind ja keine Journalisten, die ausschließlich der Wahrheit verpflichtet sind.”

Nach der Recherche des Funk-Magazins “STRG_F”, dass bei Joko und Klaas Beiträge gefaked worden sind, dass bei “Late Night Berlin” der Fahrraddieb gar kein Fahrraddieb war, obwohl behauptet worden ist, dass alles so abgelaufen sei.
Die Aufregung war – völlig zurecht – groß. Auch in einem Unterhaltungsformat sollte man schauen, wie weit man die Wahrheit sich hinbiegen darf. An welcher Stelle die Wahrheit vielleicht doch eine Rolle spielen könnte.
Deshalb ist mit Spannung erwartet worden, ob Klaas Heufer-Umlauf am Montagabend in der neuen Ausgabe von “Late Night Berlin” ein Statement abgeben wird.

Und tatsächlich frotzelte er ein wenig rum, aber im Kern hatte er dennoch ernte Worte zu sagen.
“Trotzdem – und das will ich hier klar und deutlich sagen – sind wir in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen. So zum Beispiel beim Fahrraddieb. Alles war so schön geplant, so schön vorbereitet. Nur eines, das konnten wir wirklich nicht ahnen, dass ausgerechnet in dieser Nacht in Berlin keiner kommt, um ein Fahrrad zu klauen. (…) In dem Fall haben wir deutlich so anders dargestellt, dass man es auch nicht so einfach mit einem ‘Ist ja nur Unterhaltung’ wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich – ernst gemeint und ohne jede Ironie – entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen.”

Zum “Duell um die Welt” hat er nichts gesagt. Und Klaas Heufer-Umlauf hat auch deutlich gemacht, dass man unterhalten wolle, es sei Entertainment, dass er und seine Leute das Fernsehen lieben.
Dass er den Fake so zugegeben hat, dass er deutlich macht, dass es so nicht in Ordnung war, das ist gut.
So gut und richtig es ist, dass Medien so etwas aufdecken, so gut und richtig ist es auch, um Entschuldigung zu bitten und es danach besser zu machen.

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RT im Kino

Die Känguru-Chroniken

Dienstag, den 10. März 2020

Das haben wir ja alle schon mal erlebt: Es klingelt an der Tür, wir öffnen, und ein Känguru (Stimme: Marc-Uwe Kling) fragt, ob es mal Mehl haben kann. Und Eier. Und Milch. Und so weiter.
Das Problem, das Marc-Uwe (Dimitrj Schaad): Er wird das Känguru nicht los. Es kommt immer wieder. Und zieht plötzlich ein. Ein Widerspruch steht nicht zur Debatte.
Das Vieh ist sehr vorlaut, und die beiden liefern sich immer wieder Wortgefechte. Aber sie haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen es mit dem rechtspopulistischen Immobilienhai Dwigs (Henry Hübchen) aufnehmen. Der will nämlich ihr Viertel in Kreuzberg mit einem Hochhauskomplex verschandeln. Das antikapitalistische Känguru kann das nicht hinnehmen. Und Marc-Uwe fürchtet um seine Wohnung…

“Die Känguru-Chroniken” funktionieren als Buch, als Hörbücher, als Live-Shows – und nun auch als Film. Marc-Uwe Kling hat das Känguru geschaffen, im Hörbuch spricht er sich selbst und das Känguru. Im Film gibt es den Marc-Uwe ebenfalls, wird aber von Dimitrj Schaad dargestellt, Kling spricht aber das Känguru. Das wiederum ist erfreulich gut animiert, und so bilden Schaad und das Vieh ein ziemlich gutes Duo.
Der Film beginnt schon sehr unkonventionell, nämlich wenn Marc-Uwe und das Känguru den Anfang kommentieren und sich über das Geschehen lustig machen. Auch sonst hat der Film einen sehr schönen Humor. Es macht Spaß, das Treiben zu verfolgen.
Bemerkenswert und gut ist die eindeutige Positionierung gegen Rechtspopulismus und gegen rechte Hetze. Das Känguru ist da eindeutig, und wenn es darum geht, Dwigs zur Strecke zu bringen – Henry Hübchen spielt herrlich -, sind die Methoden durchaus aberwitzig.
Ein bisschen muss man sich auf den schrägen Humor einlassen – aber “Die Känguru-Chroniken” machen es einem – der die Serie bislang nicht kannte – durchaus einfach.

-> Trailer auf Youtube

Die Känguru-Chroniken
D 2019, Regie: Dani Levy
X-Verleih, 92 Minuten, ab 0
8/10

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