Tagesarchiv für 3. Juli 2019

RTelenovela

Köln (5): Pssst, bitte nicht über die Philharmonie latschen!

Mittwoch, den 3. Juli 2019
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(4) -> 2.7.2019

Als wir in Köln die Domplatte erreichen, läuten die Glocken des Doms unentwegt. Natürlich müssen wir, wenn wir schon dort sind, auch in den Dom rein. Offenbar findet ein Gottesdienst statt, aber wir sagen, dass wir dabei sein möchten. Wir setzen uns auf eine Bank, und schon geht es los.
Die Orgel spielt, ein Chor singt. Der Pfarrer und die Ministranten kommen Weihrauch schwenkend durch die Kirche zur Kanzel gelaufen.
Ohne Mikro wäre niemand zu verstehen, zumal das Domradio den Gottesdienst überträgt. Immer wieder stehen wir auf, um zu beten oder irgendeinen Segen oder Spruch in Empfang zu nehmen – oder um zu singen.
Nach etwa 20 Minuten schleichen wir uns raus.

Direkt neben dem ist die Kölner Philharmonie. Unterirdisch. Die Decke der Philharmonie ist gleichzeitig der Fußboden des Heinrich-Böll-Platzes. Blöderweise muss der seit einigen Jahren etwa 1000-mal im Jahr gesperrt werden. Wegen Tritt- und Rollgeräuschen, die unten im Saal gehört werden. Ob die Planer wenigstens eine schallende Ohrfeige bekommen haben, ist nicht bekannt. Ein paar Ordner standen auch wieder auf dem Platz, als wir drüber laufen wollten.
Wir liefen dran vorbei – auf die Hohenzollernbrücke. Die ist dafür bekannt, dass Liebespaare ihre Schlösser daran befestigen. Inzwischen aber sind da so viele Schlösser dran, dass kein Platz mehr ist. Das wirkt dann leider ziemlich albern, weil man die einzelnen Schlösser gar nicht mehr wahrnimmt. Einfach nur noch bekloppt, und hoffentlich bricht die Brücke nicht irgendwann mal ein…

Wer in eine Kneipe in Köln geht, kann gar nicht anders, als ein Kölsch zu trinken. Wenn die Kellnerin kommt, fragt sie zwar, aber wenn man was anderes will, überhört sie das und stellt einem trotzdem ein Kölsch hin. Was man dann auch trinkt, und das eigentlich auch gar nicht so schlecht schmeckt. Und noch eins nimmt. Prost!

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RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Lindenstraße

Mittwoch, den 3. Juli 2019
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SA 29.06.2019 | WDR-Produktionsgelände Bocklemünd

Ende Dezember 2019 ist Schluss. Dann wird in Köln-Bocklemünd die allerletzte Szene für die “Lindenstraße” gedreht. Im März 2020 soll sie im Ersten ausgestrahlt werden. Im 35. Jahr der Serie zieht die ARD den Stecker. Dass das ein gewaltiger Fehler ist, sei mal dahingestellt.
Bevor es aber vorbeigeht, wollte ich endlich mal hin. Ich habe jede Folge gesehen, seit Anfang an bin ich dabei. Die Serie hat mich ein Leben lang begleitet. Sonntag für Sonntag war ich in dieser Lindenstraße – aber nur am Fernseher. Aber ich wollte sie mal real sehen.
Dazu muss man sich für eine Führung anmelden – sie führt über das WDR-Produktionsgelände, die Außenkulisse der “Lindenstraße” ist ein Teil davon.

Die Illusion ist ziemlich perfekt. Wer in der Mitte der Lindenstraße steht, könnte meinen, die Straße sei wirklich echt. Auf einer Seite stehen die beiden Mehrfamilienhäuser Nummer 1 und 3. Letzteres mit freundlicher blauer Farbe, die Nummer 1 eher noch oldschool. An der Ecke steht das Arztpraxis-Gebäude, in dem oben Dr. Dressler lebt und unten Dr. Brooks praktiziert. Das Gebäude sieht schon ein bisschen abgewrackt aus – aber so ist das ja auch im wahren Leben, dass Sanierungsbedarf besteht.

Auf der anderen Seite ist der Naro-Supermarkt, der aber, wenn man durch die Scheiben sieht, nur eine Fototapete ist. Am anderen Seite ist das Akropolis, das ehrlicherweise eher nicht so einladend aussieht, weil die Kneipe gar keine offenen Fenster hat. Der Biergarten sieht erstaunlich klein aus. Die Kneipe ist eingerüstet – da scheint sich noch mal was zu tun.

In den Querstraßen vorn und hinten sind die bespielbaren Kulissen – das Café Beyer, die Bar von Murat, das ehemalige Reisebüro. Auf der anderen Seite das Bistro und der Friseur. Daneben ist das Astor-Kino, hinter der Fassade befinden sich aber in Wirklichkeit die Studios.
Denn die Straße ist ansonsten tatsächlich nur Kulisse. Wer ins Haus Nr. 3 treten will, tritt ins Nichts. Hinter den Fenstern ist nicht wirklich was.

Interessant ist die Kulisse Lindenstraße 5: Das Haus ist eingerüstet und verhüllt. Dahinter soll ein neues Hotel entstehen, über das auch in den aktuelle Folgen diskutiert wird. Im Sommer 2020 soll der Bau fertig sein. So steht es auf einem Schild. Das bedeutet, dass wir die Fertigstellung wohl nicht mehr erleben werden.
Es gibt noch mehr interessante Details: So steht vor dem Supermarkt eine Zeitungsbox. Die Zeitungen darin sind aber allesamt von 2015. Die Filmplakate am Kino sind auch schon ein bisschen älter.
Der Tomatensalat XXL kostet im Akropolis 12,30 Euro, der Hirtensalat 12,90 Euro. Nicht gerade preiswert.
Das Klingelschild an Haus Nr. 3 ist immer auf dem neuesten Stand, und ich glaube, es ist eine Herausforderung für den Postboten, wenn in drei der zehn Wohnungen Beimers wohnen.

Bespielbar ist auch der Hinterhof des Hauses Nr. 3. Dort steht jetzt eine Holzsauna. Was es damit auf sich hat, wissen wir allerdings noch nicht. Man sieht dort aber auch, dass außerhalb der Kameraperspektiven der Blick auf das Hinterhaus offenbart, dass es sich wirklich nur um eine Kulisse handelt.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich so richtig in dieser Kulisse, in dieser Straße steht. Deshalb hat mich natürlich eine Frage ganz besonders interessiert: Was passiert eigentlich 2020 mit der Außenkulisse, mit der Lindenstraße? Dazu könne sie nichts sagen, meinte die junge Frau, die uns über das WDR-Gelände führte. Sie dürfe dazu nichts sagen.
Abriss? Ohne die Lindenstraße sieht es in Bocklemünd so oder so ziemlich düster aus. Aber vielleicht kann man ja damit noch was anfangen…

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