Tagesarchiv für 9. Mai 2019

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kulturMontag: Jan Böhmermann

Donnerstag, den 9. Mai 2019
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MO 06.05.2019 | 22.30 Uhr | ORF2

„Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Sender künstlerische Meinung wiedergeben.”
Clarissa Stadler, Moderatorin im “kulturMontag” im ORF2

Da muss etwas ganz Ungeheures passiert sein, dass sich die Moderatorin eines Kulturmagazins von Äußerungen eines Satirikers distanziert.
Vermutlich passiert im ORF genau das: Die Senderleute haben Schiss. Vor den Rechten.
In unserem Nachbarland Österreich sieht man momentan sehr gut, was passiert, wenn Rechtspopulisten an die Macht kommen. Da wird ein Journalist auf’s Schärfste angegriffen, wenn er seine Arbeit macht und Dinge kritisch hinterfragt. Da fordert Harald Vilimsky von der FPÖ – Mitglied im Aufsichtsgremium des ORF -, den Nachrichtenmoderator Armin Wolf abzusetzen, weil er ihm extrem unangenehme Fragen gestellt hat.
Beim ORF scheint blanke Angst zu herrschen. Deshalb macht es nun den Eindruck, dass die Leute dort sogar einen Kniefall machen, wo es nicht mal jemand verlangt hat.

In der Sendung “kulturMontag” auf ORF2 ging es um die Eröffnung der Böhmermann-Ausstellung “Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich” im Künstlerhaus in Graz. Filmen durfte der ORF dort nicht, aber Jan Böhmermann gab dem Kulturmagazin ein Interview.
Böhmermann ist ein Satiker. Aber was er im Interview sagte, war durchaus ernst. Mitunter lustig-munter rübergebracht, im Kern aber sehr ernst. Kanzler Sebastian Kurz sei ein 32-jähriger Versicherungsvertreter. Der österreichische Vizekanzler würde “volksverhetzende Scheiße” auf Facebook posten. Die acht Millionen Österreicher seien debil und der Ruf nach autoritärer Führung sei sehr laut.
Böhmermanns Gesprächspartner fühlte sich sichtbar gut unterhalten. Dazu Böhmermann: “Sie lachen, aber warum eigentlich? Sie sind doch beim ORF beschäftigt, gibt’s da noch was zu lachen?” Hintergrund ist das Wolf-Interview und die Folgen und das geplante neue ORF-Gesetz, das momentan von der Regierungskoalition verhandelt wird. Böhmermann sagte auch, man müsse sich nicht fragen, warum Wolf sich da hinstelle, sondern, warum man sich als Journalist nicht dazustelle. Und als ob er es geahnt hat: „Dürfen Sie das eigentlich senden, wenn ich das sage?”

Der ORF darf. Aber ein bisschen unwohl fühlte man sich in der Kulturredaktion dann doch. Aber dass der ORF ein Interview ausstrahlt, damit sich die Moderatorin danach davon distanzieren muss, das ist mindestens erstaunlich. Denn während des Interviews hat sich der ORF-Frager ja noch köstlich amüsiert – aber vielleicht wird man ihn deshalb ja auch bald feuern.
Wovon wird sich der ORF bald noch distanzieren? Wird der ORF demnächst gar keine Satire mehr ausstrahlen, weil sich irgendjemand beleidigt fühlen könnte? Wird der ORF überhaupt noch Interviews führen, weil Angst herrscht, jemand könnte was Schlimmes sagen?
Schon am Dienstag griffen das Stermann und Grissemann in ihrer ORF1-Late-Night-Show “Willkommen Österreich” auf. Während ihres Stand-Ups mit politischen Gags, lief diese Schrift durchs Bild: “Achtung! Der ORF distanziert sich laufend von den müden Witzen und schalen Gags von Stermann und Grissemann. Aber wie Sie wissen darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben.” Na hoffentlich wird “Willkommen Österreich” nicht abgesetzt. Weil sich Rechtspopulisten gestört fühlen könnten.

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RTelenovela

Besoffen in Kiel

Donnerstag, den 9. Mai 2019
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Wie besoffen kann man eigentlich sein, dass man es nicht mehr mitbekommen würde, wenn man vom Auto überfahren wird? Wie besoffen kann man eigentlich sein, dass die Leute von einem Abstand halten?

Wir laufen gerade vom Kieler Hafen zum Hauptbahnhof. Dazu muss über eine Ampelkreuzung. Ein paar Meter vor uns laufen zwei Männer – sturzbetrunken. Einer von ihnen konnte nicht mal mehr im Ansatz geradeaus laufen. Er lief Schlangenlinien, und immer wieder sprach er Leute an. Schnorren. Vielleicht Zigaretten, vielleicht Geld. Die Hose hing halb überm Hintern. Dazu ein ranziger Rucksack.

Wir hielten Abstand, und es tut mir Leid zu sagen: Auch wenn vielleicht jemand arm ist, vielleicht auf der Straße lebt. Fürs Besoffensein habe ich kein Verständnis, damit kann und will ich nicht umgehen. Solche Leute sollen mich bitte in Ruhe lassen.

Die rote Ampel ignorierend – und vermutlich hat er sie gar nicht registriert – lief er über die Kreuzung. Autos mussten bremsen. Und auch sein nur etwas weniger besoffener Begleiter torkelte über die Straße.
Wir verloren sie aus den Augen, während wir auf Grün warteten.

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