Tagesarchiv für 4. April 2019

RT liest

Juli Zeh: Unterleuten

Donnerstag, den 4. April 2019

Irgendwo in der Ostprignitz in Brandenburg. Eigentlich ist der kleine Ort Unterleuten eine Idylle, irgendwo im Nirgendwo. Die Leute haben ihre Macken, manchmal gibt es Zoff, aber sie kommen miteinander klar.
Bis zur Gemeindevertretersitzung im Märkischen Landmann. Keiner weiß, worum es gehen soll. Es ist ein großes Geheimnis. In der Sitzung kommt es dann zum Knall: Ein Investor will am Ortskern einen Windpark erreichen. Zehn Windräder sollen es werden.
Alle fragen sich nun natürlich, auf wessem Grund die Dinger eigentlich errichtet werden sollen – wer ist der- oder diejenige, der oder die davon profitiert?
Es brechen alte Streitigkeiten wieder auf, und Ereignisse werden wieder ans Licht gezerrt, die längst vergessen waren.

“Unterleuten” könnte überall sein. Zumindest an vielen Stellen in Ostdeutschland. Denn die Autorin Juli Zeh, die selbst im Havelland lebt, hat sich in ihrem Roman damit beschäftigt, wie die Befindlichkeiten 20 Jahre nach der Wende sind. Die Geschichte spielt um Sommer 2010.
Das Buch hat ganz starke Momente. Wenn Juli Zeh in ihr Dorfuniversum eintaucht und die viele dort lebenden Menschen vorstellt, dann ist das durchaus fesselnd. Den Höhepunkt erreicht die Geschichte bei der Versammlung in der Dorfgaststätte, als die Windräder-Zukunft bekannt wird. Wie die Autorin da das Geschehnis beschreibt, ist toll.
Allerdings: Der Roman hat mehr als 600 Seiten, und diese Überlänge muss immer irgendwie gerechtfertigt sein. Aber auch “Unterleuten” hat leider Überlängen. An vielen Stellen hätte gerafft und gekürzt werden können, da überfliegt man schon mal stellenweise die Zeilen und Seiten.

Juli Zeh: Unterleuten
btb Verlag, 643 Seiten
6/10

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RT liest

RT Zapper: Wir sind empört! Sex, Politik und andere Skandale. Und wie das Fernsehen sie noch ein bisschen schlimmer macht – Kolumnen 2016 bis 2018

Donnerstag, den 4. April 2019
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(1) -> 12.6.2016

Das Fernsehen könnte so gut sein. Wenn es nicht so oft so schlecht wäre.
Wie war das eigentlich, als das ZDF aus Versehen einen Horrorfilm im Kinderprogramm sendete? Und als Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Zoffs plötzlich in der Tagesschau war? Als wir über den Nachbarn Boateng diskutierten? Und die Reporter plötzlich inmitten der G20-Krawalle in Hamburg standen?
Masturbierende Promis im Big-Brother-Haus, ein lieblos durch die Meere gleitendes Traumschiff und Nachrichten im Breaking-News-Modus. Es waren drei aufregende Medienjahre.

Nach dem 20-Jahre-Überblick kommt nun das zweite Buch mit weiteren Medienkolumnen von RT Zapper. Es sind 230 Texte aus den Jahren 2016 bis 2018.
Es geht um Fernsehskandale, um tolle Sendungen, um Sendungen zum Vergessen, um denkwürdige Augenblicke und darum, wie Themen von den Medien zunehmend skandalisiert werden. Und natürlich, wie Populisten das ausnutzen.
Diese 230 Texte sind auch so was wie ein Rückblick auf drei Medienjahre.

RT Zapper: Wir sind empört! Sex, Politik und andere Skandale. Und wie das Fernsehen sie noch ein bisschen schlimmer macht – Kolumnen 2016 bis 2018
Books on Demand, 312 Seiten
10000/10

Hits: 139

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10 Jahre Family.TV und tm3 – Der Abschied

Donnerstag, den 4. April 2019
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SO 31.03.2019 | 23.55 Uhr | tm3

tm3 ist tot. Schon wieder.
Dabei war es doch gerade so… ähm… übersichtlich.
Am Sonntagabend endete das Programm des Senders für immer. Zum Abschied gab es noch Höhepunkte aus zehn Jahren in Bildern.

tm3 hieß vorher Family.TV. 2009 ging das Programm als “Deutschlands erster Internetfernsehsender” an den Start. Wobei das Programm eher durch furchtbar dilettantische Shows auffiel – und durch ein Frühstücksfernsehen, das von 9 bis 13 Uhr lief und in dem Sendungen liefen, bei denen man über die Herkunft und Urheberrechte lieber nicht gesprochen hat. Später hieß es, der Sender habe eine Hollywoodproduktion ausgestrahlt, dessen Rechte man nicht hatte. Kann ja alles mal passieren.

Am Ende häuften sich wohl die Schulden, die Sendelizenz war in Gefahr – aber dass nun Schluss ist, hat natürlich nie nie nie damit zu tun, dass Prozesse liefen, Urteile gefällt wurden und Leute auf Löhne und Honorare warteten. Schluss ist, weil der Senderchef ein Burnout bekam. Und es einfach nicht mehr hinbekam. Sagt er. Über Eigenschuld natürlich kein Wort in seinem Statement.

Am Ende hatte tm3 – so hieß der Sender schließlich – kaum noch Programm. Stundenlang gab es Teleshopping und Reisedokus. tm3 hatte schlicht kein Material mehr.
Die Zahl der Leute, die Family.TV oder tm3 vermissen, liegt vermutlich im einstelligen Bereich.

Beiträge zu Family.TV und tm3 findet ihr hier.

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