Tagesarchiv für 23. Februar 2019

RTelenovela

Arcaden-Krise

Samstag, den 23. Februar 2019
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Das kommt am Potsdamer Platz in Berlin immer öfter vor: Man läuft zu einem Geschäft, um dann vor Ort festzustellen, dass es nicht mehr da ist.
Erst heute wieder: Ich lief zur Deutschen Bank. Oder besser: zu dem Ort, wo die Deutsche Bank mal eine Filiale hatte. Sie ist nicht mehr da, ist jetzt irgendwo am Leipziger Platz – wo ich aber keine Lust habe, extra hinzulatschen.

Irgendwie steckt der Potsdamer Platz in einer Krise. Wenn man durch die Arcaden läuft, sieht man immer öfter zugenagelte Geschäfte. Der Elektronikladen ist schon lange weg, stattdessen ist das jetzt eine Hier-gibt-es-alles-Kette drin. Der schöne Buchladen ist auch schon lange weg.
Stattdessen gibt es jetzt im Erdgeschoss einen dieser neumodischen Imbissläden, in dem hinter dem Tresen zwei gelangweilte Gestalten stehen. Andererseits reicht ein Blick auf das Geschäft nicht aus, um zu erfassen, was es denn da geben könnte. Da setzt bei mir schon mal eine Bocklosigkeit ein, da überhaupt reinzugehen.

Klamottenläden locken mit Prozenten, irgendein anderer Dingsbums-Laden kündigt die Schließung an. Vor dem Blumenladen steht eine irritierte Dame, weil da offenbar bei ihrem letzten Besuch noch was ganz anderes verkauft worden ist.

Es ist schade, dass der Potsdamer Platz scheinbar so verkommt. Denn der Leipziger Platz nebenan mit dem neuen Shoppingcenter ist keine Alternative. Das Ding ist rummelig, und die vielen, vielen Läden sind üppig vertreten, aber meist so klein, dass da kaum was zu holen ist. Ich habe noch nie so eine kleine C&A-Filiale gesehen wie dort.

Hoffentlich hält in den Potsdamer-Platz-Arcaden wenigstens der Asia-Imbiss im Obergeschoss durch. Ansonsten hat sich das Center komplett erledigt.

Hits: 141

RTZapper

Eurovision Song Contest 2019: Unser Lied für Israel

Samstag, den 23. Februar 2019
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FR 22.02.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die S!sters treten mit ihrem Song “Sister” für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv an. Wie dieser Song in Israel und beim internationalen Fernsehpublikum, müssen wir natürlich erst noch abwarten – aber wir hätten es wirklich schlechter treffen können. Der Refrain ist letztlich recht eingängig, dass wir mal mit einem Frauenduo antreten, ist auch mal was Neues.

Dennoch gibt es ein großes Aber. Denn die Show “Unser Lied für Israel” am Freitagabend im Ersten zeigte auch recht deutlich, wie mutlos wir eigentlich geworden sind.
Im Bestreben bloß alles richtig zu machen, setzten wir auf Plastikpop. Fast jeder der sieben vorgestellten Songs hätten zum Event nach Israel ohne Weiteres fahren können. Keiner der sieben Songs war wirklich schlecht, sie waren alle okay, aber eben auch nicht mehr.
Nicht einer der Songs war auf Deutsch. Nicht falsch verstehen: Es ist kein Muss, dass wir deutschsprachig beim ESC antreten. Aber man kann doch wenigstens mal einen Song antesten und schauen, wie und ob der funktioniert. Nicht einer der Songs kam aus einer ungewöhnlichen musikalischen Richtung. Man hat sich nichts trauen wollen. Kein Rock, kein Schlager – nichts, was irgendwie herausstechen konnte.

Siebenmal erlebten wir glatten Pop, und am Ende schien es irgendwie egal, wer da eigentlich gewinnt. Wenn es das ist, was rauskommt, wenn man monatelang castet, Songs schreiben lässt, Leute zu Umfragen einlädt – das ist das ziemlich dünn. Dass mit “Sister” übrigens der Song gewonnen hat, der gar nicht aus diesem Findungsprozess stammt, sondern vom NDR nachnominiert worden ist, ist mindestens bemerkenswert. Dass die S!sters gar keine Schwester sind, sondern vor einem Monat überhaupt das erste Mal extra für den ESC aufeinandertrafen, ist da auch schon fast wieder wurscht.

Bei aller Meckerei: Mit “Sister” müssen wir uns vermutlich nicht verstecken, und bis Mai wird sicherlich noch an einer guten Performance gearbeitet.

Hits: 175

RT im Kino

Der verlorene Sohn

Samstag, den 23. Februar 2019

Es darf nicht sein, was einfach nicht sein kann. Es ist nicht gottgewollt. Aber Gott hilft, um wieder auf den rechten Weg zu gelangen. Und wenn man sich auf den rechten Weg zurückbringen lässt, dann ist die Beziehung zu Gott noch viel gefestigter.
So sieht das jedenfalls der Baptistenprediger Marshall Eamons (Russell Crowe). Sein Sohn Jared (Lucas Hedges) fühlt sich von Männern angezogen. Er ist ziemlich brutal vergewaltigt worden, von einem jungen Mann. Das schmerzt. Es ändert aber nichts daran, dass Jared immer wieder an Männer denkt. Dass er schwul ist.
Marshall redet auf seinen Sohn ein, damit Jared an einem Programm teilnimmt, das seine bösen Gedanken, seine Sünden austreiben soll. Danach soll er als gesunder Mensch wiederkehren.
Begleitet von seiner Mutter Nancy (Nicole Kidman) reist er also zum “Love in Action”-Zentrum. Doch diese Therapie verläuft anders als erwartet.

Das gibt es in den USA noch immer: Schwule Jugendliche sollen umgepolt werden. Auf sie wird eingeredet, psychischer Druck ausgeübt – wochenlang, auch monatelang. Davon erzählt der Film von Joel Edgerton. “Der verlorene Sohn” fühlt sich von seinen Eltern im Stich gelassen. Auch, weil seine Homosexualität in dem Moment ans Licht kommt, wo es ihm sehr schlecht geht. Obwohl er das Opfer ist, wird ihm Sünde vorgeworfen.
Es ist beklemmend zu beobachten, wie der Glaube, wie Gott missbraucht wird, um auf Menschen einzuwirken. Es sind Szenen, die verstören, die wütend machen.
Lucas Hedges spielt den Jugendlichen, der seine Identität eigentlich selbst erst noch finden muss, faszinierend gut. Aber auch Nicole Kidman als sorgenvolle Mutter, die erst im Hintergrund bleibt, dann aber zu einer zentralen Figur wird, zeigt ein nachdrückliches Schauspiel.
Dieser Film zeigt, dass in der Aufklärung über den Umgang mit Homosexualität noch längst nicht alles in Butter ist.

Der verlorene Sohn
USA 2018, Regie: Joel Edgerton
Universal, 115 Minuten, ab 12
9/10

Hits: 151