Tagesarchiv für 1. September 2018

RT im Kino

Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon

Samstag, den 1. September 2018

Der Golfplatz bricht Gärtner Schorsch (Elmar Wepper) das Genick. Der Rasen ist nicht grün genug. Angeblich. Zumindest deshalb bekommt er sein Geld nicht, mehr als 60.000 Euro. Für die Gartenbaufirma bedeutet es das Aus.
Zu Hause gibt es Streit deswegen, seine Ehe mit Monika (Monika Baumgartner) ist sowieso nicht die beste, und als auch noch Schorschs Flugzeug gepfändet werden soll, beschließt er: einfach wegzufliegen.
Während sich zu Hause am Tegernsee alles auflöst, unternimmt er eine Deutschlandreise. Er trifft die junge Philomena (Emma Bading), die sich nicht abwimmeln lässt. Sie fliegen nach Sylt und weiter ins Oderbruch – und bekommen ganz neue Erkenntnisse über sich und das Leben.

„Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ – so heißt der Film von Florian Gallenberger, und er beschreibt die Situation sehr gut. Ein Mann kommt an einen Punkt an seinem Leben, wo es nicht weiter geht – und er macht was. Radikal.
Die Reise, die er erlebt, erfährt zwar manchmal ein paar Zufälle, die ein wenig an den Haaren herbeigezogen sind – aber das ist letztlich zweitrangig. Was zählt, ist die Warmherzigkeit dieser Geschichte. Es geht sich darum, sich seinem Leben und seinen Lieben zu stellen. Was ist wichtig? Was muss ich ändern? Und es ist nicht nur sein Leben, das Schorsch ändert.
Elmar Wepper spielt toll, aber auch die junge Emma Bading – das Mädchen, das aufbegehrt und dass bei der Reise mit dem alten Mann aufblüht. Ebenfalls bemerkenswert ist die Geschichte im Oderbruch – von Hannah, die nach der Wende einen Flughafen im Nirgendwo gekauft hat und jetzt versucht, über die Runden zu kommen.
Florian Gallenberger hat einen Film geschaffen, in dem die Welt alles andere als heil ist, aber die Menschen versuchen, das Beste aus allem zu machen.

Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
D 2018, Regie: Florian Gallenberger
Majestic, 116 Minuten, ab 0
8/10

RT liest

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik

Samstag, den 1. September 2018
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Was man manchmal gern vergisst: Die Machtergreifung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 erfolgte nicht durch eine Wahl. Der Beginn des Dritten Reiches konnte passieren, weil in Berlin viele politische Akteure skrupellos um die Macht kämpften, anderen die Macht zuschob – oder einfach zu müde waren, um irgendwie noch andere Lösungen zu finden.

Rüdiger Barth und Hauke Friederichs haben ein sehr spannendes Buch zusammengestellt, das den letzten Winter der Weimarer Republik beleuchtet.
Vom 17. November 1932 bis zum 30. Januar 1933 erzählten sie Tag für Tag, was genau passiert ist. Wer traf sich mit wem, was passierte im Reichstag, welche Entscheidungen traf der Reichspräsident Hindenburg? Wer intrigierte mit wem, wer verhandelte und wer nicht. Und was war ganz allgemein in Berlin los, wie war die Stimmung?
Entstanden ist ein Krimi, ein politisches Drama – das leider keine Fiktion ist, aber dennoch so aufwühlend wie ein Thriller ist.

Mitunter gibt es erhellende Momente in den Erzählungen. Da ist zum Beispiel die SPD, die mahnt, die bangt – die aber nichts unternimmt, die einfach nur zuschaut. Kommt einem bekannt vor. Erschreckend sind auch die Parallelen zu heute: Die Rechtsextremen erstarken, ihre politische Macht wird 1932 immer stärker. Heute kündigen Mitglieder gewisser Parteien an, dass sie im Falle eines Wahlsieges gleich mal die Pressehäuser stürmen werden – am 30. Januar 1933 ist genau das passiert.

„Die Totengräber“ – ein wichtiges, hochinteressantes und lehrreiches Buch.

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs: Die Totengräber – Der letzte Winter der Weimarer Republik
S.Fischer, 410 Seiten
9/10

ORA aktuell

Oranienburger Bibliotheksleiterin Katharina Bölke in Rente

Samstag, den 1. September 2018
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Nach 36 Jahren als Leiterin der Oranienburger Bibliothek ist Katharina Bölke am Freitag in Rente gegangen. Es sei ein luxuriöser Arbeitsplatz gewesen, sagte sie der Märkischen Allgemeinen. „Ich war immer sehr gern hier.“
1982 war sie die Nachfolgerin von Hanna Spiegel, damals noch als Kreisbibliothek, 1993 ging die Einrichtung an die Stadt über.

Schon am 1. Juli ist die stellvertretende Leiterin Angelika Raback in Rente gegangen – seit 1975 haben Bölke und Raback zusammengearbeitet.

Nachfolger von Katharina Bölke wird der 29-jährige Bibliothekswissenschaftler Daniel Fehlauer, seine Stellvertreterin ist Kristin Schulz (37).

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (50): Schlüssel aus

Samstag, den 1. September 2018
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(49) -> 11.7.2018

Ja, so was gibt’s: dass der Schlüssel aus ist. Aus – im Sinne von: Kaputt. Keine Batterie mehr. Die neumodischen Autos haben keine Schlüssel mehr, sondern so Dinger, bei denen man auf ein Knöpfchen drückt, und dann ist das Auto auf oder zu.
So lange das Ding Saft hat.

Da stand mein Auto auf dem Grundstück eines Freundes, und ich stand daneben und drückte auf meinen Schlüssel. Und es passierte: nichts. Akku alle.
So ganz überraschend war das nicht, denn schon am Vortag zeigte mir der Bordcomputer des Autos, dass die Batterie fast leer ist. Aber dass das dann so fix geht.

Zum Glück stand das Auto so, dass wir mit dem anderen Auto gerade noch drumherum fahren konnten. Ansonsten hätten wir mein Auto nicht mal wegschieben können. Es wäre nichts gegangen.
Und so fuhren wir zum Autohaus, ich legte meinen Schlüssel auf den Tresen, der Akku wurde gewechselt, ich legte 7 Euro und ein paar Zerquetschte hin, und wir konnten wieder fahren.
Der Schlüssel hat wieder Saft, und ich konnte wieder losfahren.

Erst später erfuhr ich, dass auch der „Drücker“ auch eine Vorrichtung hat, dass man zur Not doch noch irgendwie ins Auto kommt. Aber zum Autohaus hätte ich ja sowieso fahren müssen.

RTZapper

Brennpunkt: Wut, Protest, Gewalt – Chemnitz und die Folgen

Samstag, den 1. September 2018
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DO 30.08.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die Geschehnisse von Chemnitz sind seit Tagen das beherrschende Thema in Deutschland. Der zwischenfall beim Stadtfest. Die Demos am Tag danach. Die Hetzjagden. Hitlergrüße. Die vor allem von Rechts instrumentalisierte Trauer, die mehr Hass ist.

Am Donnerstagabend gab es dazu im Ersten einen “Brennpunkt”: “Wut, Protest, Gewalt – Chemnitz und die Folgen”. Das war bemerkenswert. Nicht, weil es das Thema nicht hergibt. Sondern eher, weil es den “Brennpunkt” nicht früher gab.
Natürlich kann man grundsätzlich über den Sinn oder Unsinn dieser Primetime-Sondersendung streiten. Vermutlich ist Deutschland das einzige Land, das eine solche Tradition betreibt, mit solchen außergewöhnlichen Themen noch mal extra ins Hauptabendprogramm zu gehen.

Unklar ist, nach welchen Kriterien festgelegt wird, ob ein “Brennpunkt” gezeigt wird oder nicht. Als es in Chemnitz wirklich hoch herging, das verzichtete man bei der ARD darauf. Begründung: Es würde ja in allen Nachrichtensendungen berichtet, und auch “Maischberger” mache eine Sendung dazu.
Was natürlich Unsinn ist. Denn dann brauchte es den “Brennpunkt” im Ersten nie. Denn auch bei Hochwasser oder Super-Gaus wird auch sonst berichtet.

Und so stand am Donnerstagabend der mdr-Reporter in Chemnitz, um zu sagen, dass heute Abend eigentlich alles entspannt sei. trotzdem musste der merkwürdig nervöse Moderator Robert Burdy noch mal nachhaken.
Am Dienstag oder Mittwoch hätte es garantiert mehr zu berichten gegeben in einer solchen Sondersendung.