Tagesarchiv für 20. Juli 2018

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Katharina Weiß: Sommernachtsjugendewigkeit

Freitag, den 20. Juli 2018

Eines muss man der jungen Autorin Katharina Weiß (17) lassen: Beim sperrigen Buchtitel bleibt man erst mal hängen. Sommernachtsjugendewigkeit. Ein bisschen schaurig.

Aber es ist eben Sommer. Eine Gruppe Jugendlicher reist durch Deutschland – nach Hamburg, dann nach Berlin. Sie wollen etwas erleben, ihre Ferien oder die Zeit nach dem Abschluss genießen. Spontan suchen sie sich ihre Nachtstätten, sie erleben das Hamburger Partyleben, versacken auf einer Privatparty.
Und immer wieder sitzen sie zusammen und machen sich Gedanken über das Leben, die Liebe, die Gesellschaft ujnd über das, was sie eigentlich ausmacht.

Die Handlung in diesem Roman mit dem Wortungetüm ist erstaunlich dünn. Es gibt viele Leerläufe in dieser Geschichte, die irgendwie selten bis nie auf irgendetwas zusteuert. Es passiert halt immer irgendwas.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Buch überaus langweilig ist. Das ist es auch nicht. In den Beziehungen der Jugendlichen gibt es dann doch immerhin noch den einen oder anderen spannenden Aspekt, ansonsten fliegt man aber eher über die Seiten.
So sparsam wie die Handlung war der Verlag auch bei der Gestaltung des Covers – vorn und hinten ist genau dasselbe Foto zu sehen – wie auch auf der ersten und letzten Buchseite dieselbe Bilder-Kombination abgedruckt ist. Da hat man sich leider auch nur wenige Mühe gegeben.
“Sommernachtsjugendewigkeit” kommt mit einer interessanten Grundidee daher, aber in der Umsetzung ist es dann doch eher enttäuschend.

Katharina Weiß: Sommernachtsjugendewigkeit
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 213 Seiten
5/10

Hits: 4

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Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Freitag, den 20. Juli 2018
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DI 17.07.2018 | 20.15 Uhr | RTL

Bei RTL ist man am Dienstagabend scheinbar aus Versehen aus dem Sommerschlaf erwacht. Statt der einschläfernden Vier-Folgen-am-Stück-Dosis von “Bones – Die Knochenjägerin” lief ein deutscher Sozialporno: “Zahltag! Ein Koffer voller Chancen”.
In der dreiteiligen Reihe geht es um zwei Familien, die von Hartz IV leben. RTL stellt ihnen einen Koffer mit dem Geldbeitrag vor die Haustür, den sie im ganzen Jahr bislang als Hartz-IV-Satz ausgezahlt bekommen haben. Also um die 25.000 Euro.
Im Studio sitzen unterdessen Felix Thönnessen, Ilka Bessin (Ex-Cindy aus Marzahn) und Heinz Buschkowsky und schauen sich an, was die beiden Familien mit der Kohle machen.

“Zahltag!” ist genauso interessant wie unangenehm. Denn was RTL als Sozialexperiment betitelt, ist in Wirklichkeit eine Vorführung von Menschen, die das nicht mal bemerken, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Beide Familien melden sich erst mal beim Jobcenter ab – und beide Familien machen dabei den Eindruck, als sei so ein Jobcenter grundsätzlich das allerletzte. Dass der Ex-Politiker Buschkowsky an der Stelle anmerkt, dass man das ja bittesehr auch anders sehen könnte – weil ja Menschen dafür Steuern zahlen, dass anderen Menschen geholfen werden kann, und dass in anderen Ländern niemand da sei, der sie finanziell unterstützt -, ist durchaus richtig. Aber den “Kandidaten” dieser Hartz-IV-Show tut man damit keinen Gefallen, denn man setzt sie einer Öffentlichkeit aus, die in solchen Fällen gern alles andere als zimperlich ist.

Während die eine Familie aus Niedersachsen – allein erziehende Frau mit fünf Kindern – das beste draus macht und einen Imbiss eröffnen will, gibt es da noch die Familie aus Sachsen. Eigentlich wollten sie einen Second-Hand-Shop eröffnen. Aber die Hälfte der 25.000 Euro verdonnern sie in drei Wochen erst mal für Fressorgien, für Einläufe im Bau- und Möbelmarkt. Erstmal neue Möbel. Ganz toll. Der Mann in der Familie findet es einfach geil, mit so viel Kohle rumzulaufen und alles auszugeben. Er schnallt es einfach nicht.

Aber was ist nun schlimmer? Dass die sächsische Familie die Klischees der ach so faulen Hartz-IVer bedient, die ihr gewonnenes Geld kopflos ausgeben? Dass man das bei RTL geschehen lässt? Dass die Experten sich das wasserschlürfend und kopfschüttelnd ansieht? Dass man diese Familie so der Öffentlichkeit aussetzt?
Das ist es, was einen Sozialporno ausmacht. Wenn sich Menschen daran ergötzen und erregen, wie bestimmte Leute handeln. Wenn Menschen eigentlich Hilfe brauchen, man sie aber wurschteln lässt – weil es ja die perfiden Regeln sind.

Und nächste Woche: Klappt das mit dem gebraucht gekauften Imbisswagen bei der niedersächsischen Familie? Bekommt der faule Sachse noch die Kurve – und vor allem: Was wird aus dem sächsischen Ehekrach, der ja auch noch ausgebrochen ist. Das sehen wir nächste Woche beim RTL. “Zahltag!” ist nämlich auch eine Seifenoper – und wir die Voyeure.

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