Tagesarchiv für 31. März 2018

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Rügen 2018 (5): KdF – Geschichte wird ausgelöscht

Samstag, den 31. März 2018
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Viele Jahre lag der Komplex des ehemaligen KdF-Bades in Prora im Dornröschen-Schlaf. Immer da war in den vergangenen Jahren das Museum mit Erinnerungen an die DDR-Zeit, die NVA und die NS-Zeit, als der Megabau tatsächlich ein Koloss für Urlauber werden sollte.

Inzwischen wird das Gelände entwickelt und saniert. Investoren haben dort schon ein Luxushotel eröffnet, man kann dort Wohnungen kaufen oder Apartments mieten.
Der Komplex wird nach und nach saniert – und mittendrin ist immer noch das Museum. Und der nichtsanierte Teil des Kolosses.
Das scheint den Investoren ein Dorn im Auge zu sein.

Am 30. September 2018 schließt das Museum, und ich halte das für einen Skandal. Petionen haben nichts gebracht, Verhandlungen liefen ins Leere. Man will das Museum da nicht haben. Wieder will man Geschichte auslöschen.
Wir brauchen dieses Museum, und wir brauchen es genau dort, wo es jetzt ist. Man kann Prora umbauen, man kann die Fassaden aufhübschen – aber es wird immer der KdF-Koloss bleiben. Und wir brauchen dort eine Stelle, die an das Original erinnert. Einen Gebäudetrakt, in dem an das Alte erinnert wird, der so bleibt, wieder war. Der erzählt, was diesen Ort mal ausgemacht hat und auch immer ausmachen wird. Es ist ein Fehler, diese Geschichte auslöschen zu wollen. Es darf nicht immer nur darum gehen, jeden Zentimeter dort zu Geld zu machen. In Prora ist vom Betongold die Rede.
Dass in der Politik in Binz, im Landkreis Vorpommern-Rügen, in Schwerin und Berlin darauf niemand wert zu legen scheint, ist ein echter Frevel.

Wir haben uns in diesem Museum noch mal umgesehen, auch weil ein Teil unserer kleinen Reisegruppe in den 80ern in Prora bei der NVA war. Der sich erinnerte, wo der Appellplatz war, wie es drinnen in den Fluren aussah (und im Museum sind Teile der Flure und Räume im Originalzustand), der sich den Waschraum ansah und erzählte, wie sich Soldaten damals “schüsselten”. Diese Erinnerungen wird es bald in dieser Form nicht mehr geben.