Tagesarchiv für 14. März 2018

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Treue Seele: Nur rumsitzen, das will sie nicht

Mittwoch, den 14. März 2018
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Helga Duchow kümmert sich seit gut 20 Jahren ehrenamtlich um die Senioren in Bötzow

MAZ Oberhavel, 14.3.2018

Bötzow.
Manchmal sitzt sie nachts um zwei zu Hause und brütet über den Abrechnungen. „Ich rechne so lange, bis alles stimmt“, sagt Helga Duchow. „Wenn auch nur zwei Cent fehlen – das gibt es bei mir nicht.“ Seit dem Jahr 2000 kümmert sich die 75-Jährige um die Seniorenarbeit in Bötzow – zunächst als bezahlte Kraft, seit 2005 ehrenamtlich.
Kommt im Gemeindezentrum die Skat-Runde zusammen – Helga Duchow ist schon vorher da und bereitet alles vor. Trifft sich nach dem Sport in der Turnhalle die Runde noch im Seniorenraum – Helga Duchow hat schon etwas vorbereitet. Findet der Spiele-Nachmittag statt – Helga Duchow hat schon Kaffee gekauft und gebrüht.

Ganz alleine ist sie nicht, wenn es darum geht, Veranstaltungen für Senioren in Bötzow zu organisieren. Aber sie gehört zu den treibenden Kräften. „Ich habe das immer gern gemacht“, sagt sie. „Bis auf wenige Momente, aber damit kann man leben. Ich will auch gerne, dass das, was ich mache, den anderen gefällt.“ Für sich selbst müsse sie nicht so viel schuften, fast jeden Tag ins Gemeindezentrum kommen, einkaufen, alles abrechnen und organisieren. Sie schreibt noch auf einer alten elektrischen Schreibmaschine, der Olympia, das Programm für das Quartal. Einmal verschrieben, fängt sie noch mal von vorn an. „Die gibt aber auch schon bald den Geist auf.“

Es ist einiges los in Bötzow. Einmal im Monat gehen die Senioren zum Kegeln, Sport steht jede Woche auf dem Plan, der Spiele-Nachmittag immer am letzten Mittwoch im Monat, Skat immer am zweiten und vierten Dienstag. Viermal im Jahr ist zudem Frauenfrühstück, organisiert von der Seniorenbeiratschefin Kerstin Laatsch.

Eigentlich wollte Helga Duchow längst aufhören mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit. „Eigentlich ist das körperlich kaum noch möglich“, sagt sie. „Aber ich kann nicht anders.“ Nur zu Hause rumsitzen – das kann und will sie auch nicht. Mit ihren Mitstreitern will sie bis 2019 erst mal weiter machen. „Ich hoffe, dass es dann jemand Jüngeres gibt, der das dann übernehmen kann.“

Eigentlich kommt Helga Duchow aus Leipzig. Das hört man auch. „Sachsenschnauze“, sagt sie und lächelt. „Ich bin in der Zweifelstraße geboren.“ Ganz in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals. „Das passt doch.“ 1961 hat sie geheiratet. In Bötzow fanden sie dann ein Grundstück. Sie lernte im Braunkohlekombinat Espenhain den Beruf der Laborantin, arbeitete dann sehr lange in einem Veltener Unternehmen. „Ich habe Büroarbeit gemacht und bin da reingewachsen in die Organisationsmaterie“, erzählt sie. 1996 wurde sie arbeitslos und hat sich erst mal um ihren Garten gekümmert. Später kam dann der Job in Bötzow.

Anfangs gab es im Ort den Seniorenclub als richtigen Verein. „Aber es hatte sich dann keiner mehr für den Vorstand gemeldet.“ Den Verein gibt es nun nicht mehr, die Senioren sind Teil der regulären Seniorenarbeit in Oberkrämer. Kauft Helga Duchow für die Feiern ein, streckt sie ihr privates Geld vor. dann reicht sie die Belege in der Gemeindeverwaltung ein. „Das klappt sehr gut.“ Manchmal herrsche unter den Senioren Skepsis, ob sie denn alles richtig abrechnen würde. „Aber das kann man alles genau nachprüfen.“

Einfach ist die Planung nicht immer. Denn viele Senioren würden sich zu den Festen nicht vorher anmelden. Kauft Helga Duchow dann 60 Stück Kuchen, und es kommen dann nur 20 Leute, sei das ärgerlich, sagt sie. Rechnet sie dann beim nächsten Fest nur mit 20 Leuten, kommen plötzlich 35, und es ist zu wenig Kuchen da. „Viele kommen lieber spontan“, sagt die 75-Jährige, „für uns ist das manchmal problematisch.“ 670 Senioren gibt es insgesamt in Bötzow. „Und es ziehen viele zu, die zu ihren Kindern kommen“, sagt Helga Duchow.
Wenn der kleine Rentnertreff um 14 Uhr im Gemeindezentrum beginnt, dann ist sie meist schon gegen halb eins dort. „Ich decke den Tisch ein und lege die Liederbücher aus. Der Zeitaufwand ist manchmal groß.“ Die Blumen kommen oft aus ihrem eigenen Garten. Mit ihrem Elektrofahrrad düst sie dann durch Bötzow, um alles von A nach B zu bringen.
Als Vertreterin für Bötzow ist sie auch Teil des Seniorenbeirates in Oberkrämer. „Wir kommen regelmäßig zusammen und planen gemeinsame Veranstaltungen.“ Der Frauentag in Marwitz sei eine sehr gelungene gewesen.
Zeit für Hobbys bleibt ihr da nicht mehr. Wobei: „Eigentlich ist das ja mein Hobby“, sagt Helga Duchow und lächelt wieder.

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Tempo 79 – Meditation

Mittwoch, den 14. März 2018
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Seit einiger Zeit gilt auf der Strecke zwischen Sachsenhausen, Teerofen, Hohenbruch und Sommerfeld fast durchgehend Tempo 70. Offenbar haben das noch nicht alle Gewohnheitsautofahrer mitbekommen. Erst gestern wieder, im Wald bei Teerofen.
Ich fahre so ziemlich akkurate 79 Sachen – was fast schon meditativen Charakter hat –, und der Fahrer hinter mir sieht im Rückspiegel sichtlich genervt aus. Dabei geht es mir ähnlich, ich würde auch lieber schneller fahren. Schließlich überholt er mich und ist fix weg.

Schon vor einiger Zeit haben sich die Leute im Sommerfelder Ortsbeirat über die neue Regelung beschwert, und tatsächlich wirkt sie willkürlich. Laut Beschilderung gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung wegen der Alleestraße. Aber so wirklich eng ist diese Allee nicht, streckenweise gibt es sogar noch einen Graben zwischen Fahrbahn und Baumreihe. Völlig irre wird es kurz vor Sommerfeld. Da wird plötzlich die 70er-Zone aufgehoben, obwohl sich an der Bepflanzung des Straßenrandes gar nichts ändert. Wer soll da noch durchsehen?

RTZapper

Werbung: Sixt

Mittwoch, den 14. März 2018
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MO 12.03.2018 | 0.01 Uhr (Di.) | ProSieben

Jan Böhmermann vs. Klaas Heufer-Umlauf. Während der Premiere von „Late Night Berlin“ am Montagabend auf ProSieben, gab es den besten Gag ausgerechnet in der Werbepause. Böhmermann hat sich gewissermaßen ins ProSieben-Programm gehackt.

Im Spot fragte er, warum er niemals eine Late-Night-Show im Privatfernsehen moderieren würde. Wegen der Werbeunterbrechungen, bei denen man als Moderator ja auch nicht beeinflussen könne, was denn da für Spots laufen. Aber so laufe es nun mal im Kapitalismus. Aber wenn Klaas das so wolle – und dabei macht Böhmermann die „Mit dem Zweiten sieht man besser“-Geste. Böhmermann würde sich nie verkaufen – woraufhin mehrere Schilder der Firma Sixt ins Bild gehalten werden.

Ein gelungener Gag und eine riesige Überraschung. Zum einen, weil sich Böhmermann indirekt mit seiner Show bei zdf neo ins Gespräch bringen konnte. Zum anderen schlicht, um mal den geschätzten Kollegen ein bisschen zu ärgern.

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Late Night Berlin

Mittwoch, den 14. März 2018
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MO 12.03.2018 | 23.00 Uhr | ProSieben

Dieser Druck. Der war Klaas Heufer-Umlauf am Montagabend deutlich anzumerken. Schluss mit Hallgalli. Dafür nun Late Night. Die Königsdisizplin. Auf ProSieben lief erstmals die “Late Night Berlin” aus Potsdam. Und die Erwartungen waren riesig.

Dabei hat Late Night ein relativ starres Konzept. Monolog zum aktuellen Geschehen. Einspieler und Aktion. Gast, vielleicht zwei Gäste, vielleicht Live-Musik.
Der erste, es er in Deutschland probiert hat, war einst Thomas Gottschalk bei RTL, wobei seine Late Night am Ende mehr eine Talkshow wie Markus Lanz war. Dann kam Thomas Koschwitz, auch bei RTL, mit der ersten echten klassischen Late Night. Es folgte Harald Schmidt, der sich das Konzept am besten zu eigen gemacht hatte. Stefan Raab wandelte es leicht ab, Anke Engelke scheiterte damit. Inzwischen gibt es mit Jan Böhmermann und Pierre M. Krause mehrere wöchentliche Shows. Nun also Klaas Heufer-Umlauf.

Das Studio ist edel. Viel Holz, viele Spiegel, viele Effekte. Letztere sind leider etwas störend, weil ständig irgendwelche Schriften durchs Bild flattern. Diese Unruhe tut der Show nicht gut.
In seinem Stand-up sprach Klaas über Trump, über Detlef Soost, über die GroKo. Eine gute Mischung aus Politik und Entertainment. Es folgte ein viel zu langer und dann auch noch zweiteiliger Einspielfilm darüber, wie die GroKo entstanden sein könnte – gespielt von Laien-Darstellern. Erinnerte stark an Halligalli-Zeiten. Der Talk mit Anne Will war nett, aber belanglos, der Auftritt von Casper okay.

Ein bisschen enttäuschend ist es schon, dass die 1. Ausgabe von “Late Night Berlin” ohne echten Knaller auskam. Andererseits war auch Ausgabe 1 der “Harald Schmidt Show” nicht mehr als solide. Klaas Heufer-Umlauf muss auch noch seinen Stil finden, das Team mehr Ideen haben. Eine Late Night braucht außerdem dringend mehr als einen Ausstrahlungstermin pro Woche. Sie braucht Routine. Und auch einen besseren Sidekick. Abgesehen davon, dass Jacob Lunds Lache nervt – die Idee, dass er als Bandleader gar kein Instrument spielen kann, ist irgendwie doof

Merkwürdigerweise wird übrigens das Publikum nur ganz am Anfang einmal gezeigt und ganz kurz während des Casper-Auftrittes. Das sollte überdacht werden. Wenn in einer Show schon Publikum sitzt, muss man es ab und zu auch mal zeigen. Sonst könnte man auch einfach Lacher einspielen – und das Ganze wirkt weniger steif.

Wirklich albern sind übrigens die Kritiken, die Heufer-Umlauf vorwerfen, er hätte bei Böhmermann abgekupfert. Dabei ist Late Night ein festes Konzept aus den USA. Hier ein bisschen Politik, da ein wenig Gesellschaftskritik, Entertainment und Musik. Schmidt hat sich da bedient, Böhmermann auch und nun eben Klaas. Das kann man keinem vorwerfen.

Fazit am Ende: An die Show könnte man sich gewöhnen. Aber es ist noch viel Luft nach oben. Um sich unverzichtbar zu machen, ist es noch ein Stückchen Weg.