Tagesarchiv für 10. März 2018

aRTikel

Goethe wird vermisst

Samstag, den 10. März 2018
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Büste an Kremmener Schule gestohlen

MAZ Oranienburg, 10.3.2018

Kremmen.
An der Goetheschule in Kremmen wird Goethe vermisst. Die Büste aus Beton steht seit vielen Jahren im Eingangsbereich des Hauses an der Straße der Einheit. Nun ist der Sockel leer. Wie die Polizei gestern meldete, ist die dort ausgestellte und eigentlich verschraubte Büste verschwunden.

Die Leiterin der Oberschule, Elke Schwabe, bestätigte gestern Mittag den Vermisstenfall. Allerdings ist der Goethe-Kopf schon seit dem vergangenen Mittwoch nicht mehr an seinem Platz. Dass die Anzeige nicht schon schneller erstattet worden sei, habe damit zu tun, dass die Kremmener Revierpolizei zunächst nicht erreichbar gewesen sei, so Elke Schwabe. Erst in dieser Woche habe ein Termin vereinbart werden können.
Sie hat eine Theorie, was mit dem Abbild von Johann Wolfgang von Goethe passiert sei. „Ich vermute, dass Kinder daran rumgespielt haben“, sagte sie gestern. Die Büste sei zwar befestigt gewesen, aber es hätten sich immer mal wieder Schrauben gelockert. Es könne sein, dass die sich gelöst hätten und die Büste dann vielleicht runtergefallen sei. Elke Schwabe glaubt, dass die Kinder die Büste dann in ihrer Hilflosigkeit mitgenommen haben und verschwinden ließen. „Den Sockel haben wir im Gebüsch gefunden.“ Von Goethe selbst fehle aber jede Spur.
Eine Anzeige bei der Polizei wäre aus ihrer Sicht nicht nötig gewesen, wenn die Kinder mit dem kaputten Dichterkopf zur Schulleitung gekommen wären. „Das hätten wir geregelt, so aber ist es Diebstahl.“ Es gibt allerdings noch einen schweren Marmor-Goethe in ihrem Büro. „Das müssen wir uns mal ansehen, ob der ins Foyer kann.“

An Stelle der Büste sind jetzt vorerst Grünpflanzen – damit der Platz nicht so leer aussieht.

ORA aktuell

Oranienburger Takakhaus Merz schließt

Samstag, den 10. März 2018
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Am 28. April schließt das Tabakhaus Merz in der Oranienburger Lehnitzstraße. Rosemarie Merz, die Inhaberin, die das Geschäft in dritter Generation führte, will kürzer treten. Das berichtet der Oranienburger Generalanzeiger.

Der Rückzug kam schrittweise. Das Geschäft in der Stralsunder Straße schloss schon 2002, der Laden an der Bernauer Straße war um die Ecke gezogen, in die Lehnitzstraße. Dort gab es zuletzt schon keine Zeitschriften mehr, auch der verkauf von Tabakprodukten ging zurück.

Was aus dem Ladenlokal wird, ist noch offen.

RTZapper

Gladbeck

Samstag, den 10. März 2018
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DO 08.03.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Wie die Fliegen um einen Scheißhaufen. So klebte Mitte August 1988 die Journalistenmeute an den Entführern und ihren Opfern. Immer wieder zog es sie zu ihnen hin, sie folgen ihnen überall hin und immer wieder streckten sie ihre Fühler aus. Bei Fliegen am Scheißhaufen finden wir das eklig. Bei den Journalisten und den Entführern… auch.

Im Ersten lief am Mittwoch- und Donnerstagabend der Zweiteiler über die Ereignisse in Gladbeck. Zwei Männer überfallen eine Bank, sie nehmen Geiseln und fliehen. Die Polizei greift nicht ein, so überfallen die Gangster einen Bus, nehmen noch mehr Geiseln. Immer dabei: Reporter mit Mikrofonen und Kameras.

Für die Älteren, die diese Geschichte kennen, bietet “Gladbeck” an sich nichts Neues. Aber insbesondere der zweite Teil des Films schockiert dann doch: Wie mies die Entscheider bei der Polizei arbeiten. Wie die Chefs die Hose voll haben, die Verantwortung am liebsten von sich wegschieben, keine Entscheidung treffen, es laufen lassen – und hoffen, dass die Gangster bald in einem anderen Bundesland ankommen, wo sie nicht mehr zuständig sind. Ganz armselig.
Aber auch das Verhalten der Medienteams ist mehr als bemerkenswert. Hans Meiser kam damaligen RTL plus ruft mal fix in der Bank an, um mit den Räubern zu sprechen. Dutzende Reporter stehen um das Fluchtauto und quatschen Ewigkeiten mit den Entführern und den Opfern. Kleine Plauderstunde. Der “Tagesschau”-Reporter hält ganz selbstverständlich sein Mikro hin. Sabine Christiansen kündigt einen “Tagesthemen”-Beitrag an und sagt, man habe lange diskutiert, die Bilder zu zeigen, aber sie seien ein Dokument.
Oh Gott.

Dieser Film zeigt ein Komplettversagen. Die untätige Polizei und Reporter, die alle Jobregeln vergessen haben.
Die Polizei sagt, sie habe daraus gelernt.
Die Medienleute sagen, sie haben auch daraus gelernt.
Man kann das nur hoffen.