Tagesarchiv für 6. März 2018

RTZapper

Bad Banks

Dienstag, den 6. März 2018
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SO 04.03.2018 | 22.10 Uhr | ZDF

Die Medienkritik hat diese Serie mal wieder als Meilenstein gefeiert, als das ganz große Ding. Besoffen von den guten Kritiken hat das ZDF eine zweite Staffel in Aussicht gestellt, bevor die erste überhaupt mal ganz gelaufen ist.
Als “Bad Banks” dann aber erst bei arte und dann im ZDF gesendet worden ist, kam die große Ernüchterung. Von Anfangs fast vier Millionen Zuschauern blieben am Ende nicht mal zwei übrig. Die Zuschauer hat also scheinbar nicht besonders interessiert, was bei den Banken so abgeht.

In “Bad Banks” geht es um eine junge Frau, die in eine Intrige verstrickt wird. Sie wird gewungen, ihrer eigenen Bank zu schaden. Daraus erwächst eine Krise, die die Finanzen des Landes ruinieren könnte.

Eigentlich ein interessantes Thema. Immerhin beschäftigt uns eine drohende Banken- und Finanzkrise nicht erst seit Ende der 2000er, wo es schon mal ganz düster aussah. “Bad Banks” zeigt, dass die Bedrohung keineswegs gesunken ist.
Gut gemacht ist die Serie deshalb aber nicht. Der Anfang – und leider nur der Anfang – ist elektrisierend. Da sieht man nämlich viele Menschen auf den Straßen in langen Schlangen um ihr Geld zittern.
Doch die kleinen Leute scheinen bis Folge 3 keine Rolle in dieser Serie zu spielen, und das ist ein gewaltiger Fehler. Stattdessen geht es wieder nur um die großen Player, um Machtspiele. Die sind bisweilen kompliziert und für den Otto-Normal-Zuschauer leider auch nicht sonderlich durchschaubar oder gar spannend.

Wenn es nun wieder heißt, die deutschen Zuschauer können einer über sechs Folgen gestreckten Handlung nicht folgen, dann stimmt das nicht. Aber diese Handlung muss die Menschen auch packen. Und “Bad Banks” ist leider viel zu oft nicht packend.
Vermutlich hätte die Serie ansonsten auch keinen Sendeplatz am späten Abend bekommen, sondern wäre prominenter ausgestrahlt worden.

RTZapper

Lindenstraße: DuRöhre

Dienstag, den 6. März 2018
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SO 04.03.2018 | 18.50 Uhr | Das Erste

Diese DuRöhrer! Die halten sich alle für was besseres! Wobei man natürlich aber sagen muss, dass man auf DuRöhre auch sehr viel Informatives finden kann.
DuRöhre? Kennst du nicht?

Schleichwerbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist eher nicht so gern gesehen. Andererseits gibt es Unternehmen, die inzwischen schlicht zur Lebenswirklichkeit der Menschen gehören.
Seit 1985 will die “Lindenstraße” im Ersten diese Lebenswirklichkeit der Menschen abbilden. Und dazu gehört heute auch das Internet. Wir schreiben kaum noch SMS, tickern dafür aber auf WhatsApp. Wir twittern und verbinden uns auf Facebook. wir sehen uns Videos auf YouTube an.
Dabei handelt es sich um kommerzielle Unternehmen, und die gehören natürlich nicht in eine öffentlich-rechtliche Fernsehserie. Das aber führt zu durchaus absurden Momenten.

So schreiben die Bewohner der Lindenstraße auch 2018 noch eine SMS. Sie posten Fotos auf Spacehorst und schauen Videos auf DuRöhre.
Die Frage ist, ob die Macher nun für diese Plattform besonders bescheuerte Namen etablieren wollten. Andererseits ist “DuRöhre” ja die genaue Übersetzung von YouTube. Denn ist es schwierig, in einer Serie, die das wahre Leben zeigen will, so einen Quatsch zu erzählen, weil an diesem Punkt die Glaubwürdigkeit so ziemlich bei Null liegt.

Am Sonntag kam dann auch noch ein Youtube-Star als Gast in die Serie. In die “Lindenstraße” kam er natürlich als bekannter DuRöhrer, und irgendwie schrammt das schon sehr eng an der Peinlichkeit vorbei. Andererseits: Vielleicht wird ja ein Trend draus, und YouTube benennt sich in Deutschland in DuRöhre um.

RT im Kino

Call me by your Name

Dienstag, den 6. März 2018

Die erste Liebe. Wunderschön kann sie sein. Aufwühlend. Vielleicht auch erschreckend. Und niemals enden soll sie.
1983 in Norditalien. Der 17-jährige Elio (Timothée Chalamet) lebt mit seiner Familie über den Sommer in einer alten Villa. Es herrscht viel Liebe und Verständnis in dieser Familie. Vater (Michael Stuhlbarg) ist ein Forscher, und Elio liebt die Musik. Er transkribiert Noten, liest sehr viel, geht schwimmen und feiern. Mit Marzia (Esther Garrel) scheint sich etwas zu entwickeln.
Elios Vater lädt sich immer wieder studentische Praktikanten ein. Der 24-jährige Oliver (Arnie Hammer) übt recht schnell eine Faszination auf Elio aus. Aber so richtig kann er nicht deuten, was er für den Studenten empfindet. Und wie er überhaupt empfindet. Liebt er seine Freundin Marcia? Oder ist da mit Oliver doch mehr?

In “Call me by your Name” erzählt Luca Guadagnino nicht nur die Geschichte eines Sommers. Es geht um das Erwachsenwerden, um das Entdecken der Liebe, um die Frage: Wer bin ich eigentlich?
Das ist genauso poetisch wie rührend. Denn Elio macht einiges mit. Mal ist er erstaunlich forsch, mal zweifelt er – zwei Schritte vor, einen zurück. So mutig wie manchmal auch ängstlich.
Timothée Chalamet ist vollkommen zurecht für seine Hauptrolle für einen Oscar nominiert worden. denn er spielt diese verschiedenen Gefühlslagen ganz hinreißend. Allein für die Schlussszene, die voll von seiner Mimik ist, hat er Preise verdient.
Es gibt geradezu magische Moment in diesem Film. Als der völlig niedergeschlagene Elio ein Gespräch mit dem Vater sucht, nimmt das eine überraschende Wendung, und man hängt quasi an den Lippen der beiden.
“Call me by your Name” ist – das kann man am Ende sagen – zwar ein weiterer Coming-of-Age- oder Coming-out-Film. Und doch irgendwie anders. So wie das Leben eben spielen kann.

Call me by your Name
USA / Italien 2017, Regie: Luca Guadagnino
Sony, 133 Minuten, ab 12
8/10

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Tagesschau: Das Votum der SPD

Dienstag, den 6. März 2018
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SO 04.03.2018 | 8.50 Uhr | Das Erste

Olaf Scholz steht ziemlich ungerührt da. Keine Freude, sondern die pure Nüchternheit. Das Ende einer Hängepartie, die Verkündung eines Ergebnisses, der Rückkehr in die Regierung – und alle bleiben sie ganz nüchtern.

66 Prozent für die GroKo. Die SPD-Mitglieder haben entschieden, doch noch mal gemeinsam mit CDU und CSU in eine Regierung zu gehen. Nach nur gut einem halben Jahr endet also eine Hängepartie.
Am Sonntagvormittag übertrug die “Tagesschau” im Ersten die Entscheidung.

Dass ein Riss durch die Partei geht, trotz der nun getroffenen Entscheidung, hat man bei der Live-Übertragung aus Berlin sehr deutlich gesehen. Als das Ergebnis verkündet wird, bleibt es still. Kein Applaus, gar nichts. es fühlte sich an wie: “Oh, mein Gott, die machen das wirklich!”
Der kommissarische SPD-Chef spricht, als stünde er auf einer Beerdigung – eine wahrhaft denkwürdige Fernsehübertragung. “Wir haben jetzt Klarheit, die Sozialdemokratische Partei wird in die nächste Regierung eintreten!” Und wieder: Stille. Und Scholz guckt eher bedröppelt als erfreut. Und man fragt sich: Freut sich keiner? Wollte nicht der gesamte Parteivorstand unbedingt diese positive Entscheidung?
Und was gibt das eigentlich für ein Bild ab, wenn so ein Ergebnis wie eine Traueranzeige verkündet wird? Es ist das Bild einer Partei, von der ja viele in der Tat befürchten, dass dieses Ergebnis in Wirklichkeit schon die Grabschaufelei ist.
Ob sich die SPD mit der GroKo einen Gefallen tut, werden wir 2021 erfahren. Spätestens.