Tagesarchiv für 3. März 2018

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maischberger: Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?

Samstag, den 3. März 2018
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MI 28.02.2018 | 22.45 Uhr | Das Erste

Am Sonntag stimmen die Schweizer darüber ab, ob sie weiterhin Fernsehgebühren bezahlen sollen. Gewinnt das Nein-Lager droht das Aus für die SRG.
Und in Deutschland? Brauchen wir ARD und ZDF? Und sollen wir wirklich alle dafür zahlen – auch wenn wir (angeblich) nie nie nie öffentlich-rechtliche Angebote nutzen?
Darüber ist am Mittwochabend im Ersten bei Sandra Maischberger diskutiert worden.

Wozu brauchen wir denn nun die öffentlich-rechtlichen Sender?
Vielleicht, weil es nur bei den Öffentlich-Rechtlichen Diskussionssendungen darüber gibt, ob man ARD und ZDF abschaffen sollte. Vielleicht, weil es fast nur bei ARD und ZDF überhaupt Sendungen gibt, in denen politische Gedankenaustausche stattfinden. Wie gut oder wie schlecht diese Sendungen sind, steht auf einem anderen Blatt.
Vielleicht, weil es dort noch Magazine gibt, die Skandale aufdecken. Journalisten, die recherchieren und Dinge ans Licht bringen, die auch mal weh tun. Und die sich übrigens auch gegen die regierende Politik richten.
Vielleicht, weil ARD und ZDF nicht dem Kommerz dienen. Weil keine Unternehmen dahinter stecken, die Profit machen müssen. Die sagen, bestimmte Themen könne man wegen der Quote oder wegen Werbeeinnahmen nicht mehr bringen.

Ganz sicher wird man darüber reden müssen, wie die Programme von ARD und ZDF aussehen sollten. Warum Dokus oder Politsendungen meistens im Spätprogramm oder in Spartensendern laufen. Warum Live-Unterhaltungsshows bei ARD und ZDF konkurrieren. Und ganz sicher müssen sich auch Journalisten immer hinterfragen, wie neutral sie in den Nachrichten berichten.

Bei “maischberger” diskutierte Ex-ProSieben-Gründer Georg Kofler darüber, dass ja ARD und ZDF zu viele Sender hätten und zählte auch die vielen Dritten auf. Dabei gab es diese Dritten ja schon vor 30 Jahren, nur eben nicht alle durch Satelliten und Kabel-Digitalisierung bundesweit empfangbar. 3sat und arte sind Kooperationen, die über Deutschland hinaus gehen, der Spartensender one kostet wohl kaum was, tagesschau24 ist das Backup für die eigentliche Tagesschau. Auch zdf info kann mit den vielen Doku-Wiederholungen nicht viel kosten, bietet aber dennoch einen Mehrwert. Auch zdf neo lebt vor allem von (zu vielen) krimi-Wiederholungen.

Beatrix von Storch von der AfD möchte die Rundfunkgebühr abschaffen und meint, alternativ könnte sie doch als Steuer erhoben werden. Was dann aber staatlich wäre – was sie einerseits kritisiert. Aber andererseits – falls die AfD mal an der Macht sein sollte – natürlich gut wäre für die AfD, denn dann könnte sie den Einfluss nehmen, wie ähnliche Parteien das zum Beispiel in Polen schon machen. Einerseits wird eine angebliche Regierungsnähe der Sender kritisiert – andererseits würde es die AfD vermutlich super finden, wenn sie als Regierung viel Einfluss hätte. Siehe Polen.
Auch hinkt der Vergleich, dass ja im Pressewesen die freiwillige Zahlung auch funktioniere. Kaum noch jemand zahlt freiwillig für Nachrichten, wie lange es noch gedruckte Zeitungen gibt, weiß keiner. Und eine Tagesschau sei finanziell vermutlich kaum zu stemmen, wenn nicht alle dafür zahlen müssten. Ebenso Kultursender, die weniger Zuschauer haben, aber teurer sind. Und wie sähe überhaupt das Fernsehen aus, wenn wir für alles ein Abo abschließen müssten? Wie viel würden wir dann für alles mögliche zahlen?

Wir brauchen ARD und ZDF, aber natürlich müssen wir weiter über das Wie reden. Über Dudelfunk-Popwellen. Über den 236. Krimi. Über die 12. Soap. Über Kleinstsender wie Radio Bremen oder den SR. Sparen und optimieren kann man nämlich immer.
Aber abschaffen? Und dann so tun, als würde man bei RTL oder ProSieben informiert werden? Bitte nicht.