Tagesarchiv für 9. September 2017

aRTikel

Heimspiel-Konzerte sind schon legendär

Samstag, den 9. September 2017
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J.O.E. & The Booze Machine aus Kremmen spielen Songs von Johnny Cash bis Jimi Hendrix

MAZ Oranienburg, 9.9.2017

Kremmen.
Wenn sie loslegen, dann stellt sich schnell ein Wow-Gefühl ein. Zuerst Jojo und Eric auf der Gitarre und dem Bass, dann setzt Olli mit seiner Stimme ein. Es erklingt „Personal Jesus“ in der Johnny-Cash-Version, und es macht Spaß, den Musikern zuzuhören und zuzusehen. Die Spielfreude scheint riesig zu sein, die Harmonie greifbar.

Es sind vor allem die Hits aus den 70ern, die die Band spielt: „J.O.E. & The Booze Machine“ nennt sie sich. Die Anfangsbuchstaben leiten sich ab aus Jojo, Olli und Eric – und dann gibt es noch Falk, „The Booze Machine“. Jeder hat seine Rolle in der Gruppe. Oliver Rosewald (27) aus Kremmen singt, Johannes Krüger (27) aus Hennigsdorf – kommt aber auch ursprünglich aus Kremmen – spielt Gitarre und Bass, ebenso wie Eric Brämer (27) aus Kremmen. Falk Thoms (29) aus Sommerfeld spielt Cachon, kümmert sich aber vor allem um die Technik und das ganze Drumherum.

„Seitdem wir uns kennen, machen wir Mucke“, sagt Oliver Rosewald. Und das ist schon eine lange Zeit, teilweise kennen sich die Jungs schon seit der Schule. Früher spielten sie eher Metal, also die härteren Sachen. Und jetzt? „Akustikrock bringt es schon auf den Punkt“, findet der Sänger. In ihrem Programm befinden sich Songs von Motörhead, Jimi Hendrix, Johnny Cash, AC/DC oder Neil Young. „Ein Großteil von uns ist mit diesen Songs aufgewachsen“, sagt Eric Brämer. Schon ihre Väter haben sie gehört, „und das sind noch wirklich echte Songs.“ Falk Thoms ergänzt: „Das ist auch das, was wir in der Freizeit hören.“ Besonders ist, dass die Band ohne Schlagzeug auskommt. Was andere eventuell für einen Makel halten, passt in dieser Konstellation sehr gut. „Wir brauchen es eigentlich nicht“, sagt Oliver Rosewald. Und in der Tat: Lauscht man den Songs, fehlt das Schlagzeug nicht – zumal Bass und Gitarre so auf den Punkt gespielt werden, dass sie den Rhythmus komplett angeben. „Ich finde es gut, wie es ist, und ich vermisse da auch nichts.“

23 Lieder umfasst das Repertoire von „J.O.E. & The Booze Machine“ momentan. „Damit haben wir schon öfter ganze Abende bestritten“, so Falk Thoms. Die Band trat schon im Berliner Lido auf, beim Hafenfest in Velten, auf der Fete de la Musique in Hennigsdorf und bei der 775-Jahr-Feier in Sommerfeld. Hin und wieder treten sie bei Privatfeiern auf. Fast schon legendär sind die Heimspiel-Konzerte im Kremmener Scheunenviertel. In der Bikerscheune und in der „Scheune 29″sorgten sie für volle Häuser. Und das, ohne Eintritt zu nehmen. „Wir freuen uns aber über Spenden“, sagt Falk Thoms. Geprobt wird in der Regel dienstags, oft auch ein zweites Mal in der Woche im Hennigsdorfer Bandhaus am „Conny Island“. Wegen der dortigen Umbauarbeiten weichen die Musiker nun wohl auf ihre privaten Räume in Flatow oder Kremmen aus.

Die Musik füllt einen großen Teil ihres Lebens aus, obwohl alle richtige Jobs haben. Falk ist Techniker bei der Bundeswehr, Oliver arbeitet im Telefonvertrieb, Johannes ist Medientechniker für Film und Fernsehen und Eric Erzieher im Hennigsdorfer Hort. Für die Band nehmen sie sich trotzdem sehr viel Zeit. Sie treffen sich auch, wenn sie gerade keine Musik machen. Auch der Rückhalt in den Familien ist groß. „Unsere besten Fans sind unsere Eltern, die trauen sich auch mal, was Negatives zu sagen. Wobei, unsere größten Kritiker sind wir selbst“, erzählt Falk Thoms und schmunzelt. Unterstützt werden die Musiker auch von ihren drei Frauen, wie sie erzählen. „Sie sind Bestandteil der Band und geben auch konstruktive Kritik.“ Gerade arbeiten „J.O.E. & The Booze Machine“ an neuen Songs. „Einer kommt und schlägt was vor, dann schauen wir, ob das funktioniert“, sagt Sänger Oliver. „Jeder bringt bei uns eigentlich etwas ein.“

Im Dezember soll es im Kremmener Scheunenviertel noch mal ein Konzert geben. „Wir sind wirklich stolz darauf, dass die Leute extra wegen uns dorthin kommen“, sagt Oliver Rosewald.

RTelenovela

Frauenparkplatz. Diskriminierung? (2)

Samstag, den 9. September 2017
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(1) -> 11.7.2017

Ich habe ja neulich hier schon über die Frauenparkplätze auf einem Autobahnrastplatz geschrieben, und ich hatte mich gefragt, ob das nicht eigentlich diskriminierend ist, dass Frauen bestimmte Parkplätze bekommen, weil sie näher an bestimmten Orten liegen. Und ob Männer nicht auch das Recht haben, nachts im Dunkeln Angst zu haben.

Neulich in Potsdam. Ich habe eine Verabredung nahe des Hauptbahnhof, und ich hatte den Tipp bekommen, doch das dortige Parkhaus zu benutzen.
Also fuhr ich dort rein. Ich fuhr die Parkebene ab, fand allerdings keinen Parkplatz. Also, jedenfalls keinen für mich geeigneten. So ziemlich die gesamte Etage besteht aus Frauenparkplätzen.
Mal abgesehen davon, dass ich es schon ein bisschen unfair finde, jetzt als Mann dort gar nicht mehr parken zu dürfen. Aber welchen Sinn hat es, so großflächige Zonen nur für Frauen bereit zu stellen? Wenn es um die Angst der Frauen geht – wird das besser in einer Zone, wo nur Frauen parken dürfen. Haben da eventuelle Gewalttäter nicht ein noch leichteres Spiel, weil sie ja Wissen: Da parken ausschließlich Frauen.

Ich fuhr eine Etage tiefer, und freundlicherweise hat man dort ein ein paar Stellflächen zur Verfügung gestellt, die ich auch nutzen durfte. Danke dafür.

RT im Kino

Magical Mystery

Samstag, den 9. September 2017
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Deutschland, Mitte der 90er. Die gute, alte Zeit des Technos. Als in den großen Hallen zum Rave getanzt worden ist, als sich Tausende zu den Beats bewegten.

Karl Schmidt (Charly Hübner) begleitet seine alten Freunde auf einer Deutschland-Tournee. Er war nach einem depressiven Zusammenbruch in der Nervenklinik, und in der Zwischenzeit sind seine Leute zu echten Technogrößen geworden. Ihr Plattenlabel bringt ordentlich Geld ein, nun sind sie auf “Magical Mystery”-Tour.
Karl fährt den Bus und muss sich um die ganze Truppe (u.a. Detlev Buck, Jacob Matschenz, Leon Ullrich, Sarah Bauerett) kümmern. Im ziemlich schlaflosen Alkohol- und Drogenrausch muss schließlich einer nüchtern sein. Dabei hat allerdings auch Karl so seine Schwierigkeiten, mit dem allem klarzukommen.

“Magical Mystery” ist eine musikalische Zeitreise in die 90er. Der Film gibt einen kleinen Einblick in die damalige Technoszene, er zeigt die kaputten und kreativen Typen, die in den Tag hinein gelebt haben, auch mal besoffen und bedröhnt am Pult gestanden haben und mit billig-bekloppten Songs riesigen Erfolg hatten.
Arne Feldhusen, Spezialist für leisen und hintergründigen Humor, sorgt auch bei diesem Film für eine sehr gute Mischung aus Humor und Satire, Emotionen, Gefühlen und einfach schönen Momenten, die man auf der Leinwand einfach gerne verfolgt.
Es ist einfach schön, diese mitunter kaputten Typen auf dieser Reise zu begleiten, auch wenn sie zwischendurch Mist bauen, blöd sind oder Unsinn treiben.
Charly Hübner spielt den unfreiwilligen Gruppenführer mit viel Witz, Jacob Matschenz wirkt zwar manchmal ein wenig überdreht, ist aber einmal mehr der sympathische Chaot. Dazu Detlev Buck als leicht irrer Labelchef.
Insgesamt ein Film, der für Erinnerungen sorgt, mit der einen oder anderen guten 90er-Musik – zwei Stunden weg vom heutigen Alltag.

Magical Mystery
D 2017, Regie: Arne Feldhusen
DCM, 111 Minuten, ab 12
8/10

RTZapper

Wie geht’s, Deutschland?

Samstag, den 9. September 2017
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DI 05.09.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Wie geht’s, Deutschland? Zwar hieß so am Dienstagabend ein weiterer Polittalk zur Bundestagswahl im ZDF. Aber in Wirklichkeit war die interessante Frage, über die die meisten sprachen: Wie geht’s, Alice?
Mittendrin hatte die AfD-Frau Alice Weidel nämlich keinen Bock mehr auf die Sendung. Sie verließ die Arena unter dem johlenden Applaus des Publikums. Sie ging, als CSU-Mann Andreas Scheuer sie auf rechtsextremistische Mitglieder in der AfD ansprach. Schon zuvor gab es immer wieder Streit zwischen Weidel und anderen Gästen der Sendung.

Weidel ging, und sie wusste ganz genau, was sie da tat. Im Moment, als sie ging, war sie mit Vorwürfen konfrontiert, die alles andere als neu waren. Der Abgang war albern, und es schien, als ob dieser Eklat einkalkuliert war.
Immerhin hatte Alice Weidel danach sehr schnell Gelegenheit, auf Twitter wieder mal die Abschaffung des Rundfunkbeitrages zu fordern und der Moderatorin Marietta Slomka vorzuwerfen, sie sei parteiisch. Sie solle ihre persönlichen Animosiäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben, so Weidel weiter.

Weidels Abgang bestärkt die AfD-Fans in ihrem Hass und vor allem in ihrer Ansicht, die Medien seien gesteuert.
Allerdings gibt ihnen Marietta Slomka auch ordentlich Futter. Mal abgesehen davon, dass sie in der Tat eine erstaunlich schlechte Interviewerin ist – sie führte fahrig und unsicher durch die Sendung. Und tatsächlich – Slomka hat sich nicht im Griff, wenn es darum geht, ihre eigenen Meinungen hinterm Berg zu halten. Macht der SPD-Vertreter einen Scherz in die AfD-Richtung lächelt Slomka und zeigt indirekte Zustimmung. Sie zieht Grimassen – und damit wirkt sie unsouverän und tatsächlich nicht unparteiisch.

Wenn Alice Weidel ihren Abgang mit einer Hasstirade gegen die Medien verbindet, dann ist das Unsinn. Aber leider gab ihr Marietta Slomka ordentlich Futter dafür.