Tagesarchiv für 17. April 2017

RT im Kino

Zu guter Letzt

Montag, den 17. April 2017

Wenn wir mal sterben – wie wird eigentlich unser Nachruf aussehen? Wird uns irgendjemand nachtrauern? Wird gut über uns gesprochen?
Diese Fragen stellt sich auch Harriet Lauler (Shirley MacLaine). Die einst erfolgreiche Geschäftsfrau ist in Rente – und sie langweilt sich sehr. Sie hat nichts zu tun, immer motzt sie nur rum.
Sie engagiert die junge Journalistin Anne (Amanda Seyfried), die für sie ihren Nachruf schreiben soll – natürlich noch vor ihrem Tod. Es gibt dabei nur ein Problem: Alle Leute, die Anne anspricht, wollen von Harriet nichts mehr wissen. Alle hassen sie, alle sind sie genervt. So wird das nichts mit dem Nachruf.
Das sieht dann auch Harriet ein, und sie beschließt, dass es zeit wird, ihrem Lebenslauf einige positive Aspekte hinzuzufügen.

Es scheint, als ob Harriet plötzlich nur gutmütig wird, um ihren Lebenslauf frisieren zu können. Die kratzbürstige Alte ändert sich dann aber irgendwie auch wirklich. Davon erzählt “Zu guter Letzt”. Wie die Seniorin neue Aufgaben sucht und neue Freunde. Ihr und den anderen dabei zuzusehen, ist interessant und stellenweise rührend.
Allerdings braucht der Film eine Weile, bis sich die eigentliche Geschichte entfaltet. Das erste Drittel ist merkwürdig langsam erzählt. Irgendwie passt das zwar, weil es auch Harriets Lethargie darstellt, aber ein bisschen weniger behäbig hätte es schon sein können. Später ändert sich das aber – da wandelt sich der Film fast schon zum Buddymovie.
Shirley MacLaine (mit der tollen Synchronstimme von Judy Winter) spielt die zunächst strenge, gemeine Alte mit Hingabe. Schon wegen ihr lohnt sich der Gang ins Kino.

Zu guter Letzt
USA 2016, Regie: Mark Pellington
Tobis, 108 Minuten, ab 0
7/10

Hits: 76

RTZapper

Gaby Köster – Ein Schnupfen hätte auch gereicht

Montag, den 17. April 2017
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FR 14.04.2017 | 20.15 Uhr | RTL

Anfang 2008 ist die Komikerin Gaby Köster von einem Tag auf den anderen von der Bildfläche verschwunden. Ein paar Zeitungen spekulierten über einen Klinikaufenthalt, aber jegliche Berichterstattung ist gerichtlich abgewürgt worden. Die Regenbogenpresse fabuliert immer wieder mal (“Ist sie tot?”), aber im großen und Ganzen wurde es ruhig um sie. Bis sie drei Jahre später plötzlich bei “stern TV” auftauchte und von ihrem schweren Schlaganfall berichtete – und ein Buch darüber veröffentlichte.

“Ein Schnupfen hätte auch gereicht”, sagt sie über den Schicksalsschlag, der sie ereilt hatte. So heißt auch ihr Buch, und so hieß der Film, den RTL am Karfreitagabend zeigte.
Leider wollte man das Thema bei RTL so humorvoll wie möglich, so leicht und locker wie möglich umsetzen, und das war ziemlich schade.

Dabei ist die Geschichte wirklich spannend und interessant. Gaby Köster war eine sehr gefragte Komikerin, sie hatte viel Arbeit, und sie übersah ihre körperlichen Warnsignale. Bis es zum Zusammenbruch kam. Klinik. Geheimhaltung. Die Angst, ob sie es überlebt. Die Zeit der Reha.
Der Bruch zwischen der Anfangskomik und der schwerkranken Frau hätte noch deutlicher hervorgehoben werden können. Der rasende Reporter wurde als ziemlich lustiger Depp dargestellt, dabei hätte man mal ganz ernsthaft zeigen können, wie Paparazzi arbeiten, wie rabiat sie sein können. Auch fehlte eine zeitliche Einordnung.
Der Gaby-Köster-Film war zu sehr Tragikomödie als ein wirkliches Drama. Schade, dass sich der Sender da nicht mehr Ernsthaftigkeit getraut hat.

Die Botschaft aber, die stimmte. Man soll sich im Leben nicht aufgeben, man muss kämpfen. Gaby Köster hat es getan, und dafür muss man ihr Hochachtung zollen.

Hits: 81