Tagesarchiv für 13. Dezember 2014

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Ein Märchenbuch voller Fantasie

Samstag, den 13. Dezember 2014
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Pflegekinder aus Oberhavel haben sich Geschichten ausgedacht. Das Werk gibt der Kinder- und Jugendhilfeverbund heraus.

MAZ Oranienburg, 13.12.2014

HENNIGSDORF
Es sind Märchen, kurze Geschichten und dazu viele wunderschöne, bunte Bilder. Kinder, die in Pflegefamilien in ganz Oberhavel leben, haben in den vergangenen Monaten an einer Sammlung mit Märchen gearbeitet. Nun hat das Hennigsdorfer Regionalbüro des Kinder- und Jugendhilfeverbundes (KJHV) das Buch „Märchen für alle“ herausgegeben. „Es sind Bilder und Geschichten voll von Fantasie“, erzählt Regionalleiterin Anke Horn. „Sie sind gespeist aus den Erfahrungen und der ganz persönlichen Lebenswelt eines jeden Kindes.“
So erzählt die sechsjährige Kimberly in dem Buch über eine Musikerin, die eine afrikanische Trommel spielt und die sich mit einem Fuchs anfreundet. Auf einem fliegenden Teppich reisen sie nach Afrika.

Die Idee für das Buch hatte Hannelore Kletschke aus Germendorf, die selbst drei Pflegekinder betreut. Gemeinsam mit Manuela Ulrich aus Hennigsdorf hat sie die Geschichten gemeinsam mit den Kindern erarbeitet. „Wir haben die Wohngruppen besucht und dort Märchennachmittage veranstaltet“, sagt Anke Horn. Die größeren Kinder haben ihre Geschichten selbst aufgeschrieben, bei den Kleineren haben die Erwachsenen mitgeschrieben, was ihnen die Kinder erzählt haben. „Komplett selbst ausgedacht sind die Geschichten aber nicht“, sagt Anke Horn. Mit Hilfe eines Kartenspiels und bestimmter Stichworte sind die Märchen entstanden. „Alle, die wir gefragt haben, wollten mitmachen, sie hatten unglaublich viel Spaß. Oft kann man auch zwischen den Zeilen lesen, was die Kinder ausdrücken möchten.“

Die Lieblingsgeschichte von Anke Horn heißt „Die Lüge“ und ist von Angelique (11). Da geht es um einen König und eine Königin. Er ist blind und sie muss immer seinen Rollstuhl schieben. Am Ende kommt heraus, dass der König gelogen hat und gar nicht blind ist. Die Königin jagt daraufhin ihren Mann fort. „Wenn man weiß, was im wahren Leben dahintersteckt, ist das sehr berührend“, sagt Anke Horn.

Alle Werke sind für das Buch neu zusammengestellt und editiert, aber inhaltlich nicht verändert worden. Nur Rechtschreibfehler und sprachliche Ungenauigkeiten sind korrigiert. Auch Zeichnungen der Kinder sind in das Buch eingeflossen. Wenn es möglich war, haben die Kinder unter ihre Geschichte auch ihr Autogramm gesetzt.
500 Exemplare des Buches sind gedruckt worden. Es ist sehr schön anzusehen, man sieht gleich, wie viel Herzblut darin steckt. „Als wir es am Mittwoch erstmals in der Hand hatten, waren wir überwältigt“, so Anke Horn weiter. Die Gestaltung des Buches übernahm die Grafikerin Barbara Feis, die Druckerei arbeitete zum Sonderpreis, auch eine Berliner Hotelkette gab etwas dazu. „Wir hatten sehr viele ehrenamtliche Helfer.“ Wer das Buch haben möchte, kann es gegen eine Spende beim KJHV in Hennigsdorf bekommen. „Das Buch ist finanziert“, sagt Anke Horn, „aber wir wollen beispielsweise im Winter mit 16 der Pflegekindern eine Skitour unternehmen.“ Das Büro des KJHV befindet sich in der Parkstraße 56 in Hennigsdorf.

Kontakt: Das Büro ist erreichbar unter Tel. 03302/20 13 60.

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