Tagesarchiv für 15. Oktober 2013

aRTikel

Das Zuhause ist ihr Arbeitsplatz

Dienstag, den 15. Oktober 2013
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Manuela Ulrich aus Hennigsdorf ist Pflegemutter und Erzieherin: Kimberley (6) und Marcel (7) gehören inzwischen schon zur Familie

HENNIGSDORF
Im Spielzimmer von Marcel und Kimberley spielt sich ein kleiner Schwertkampf ab. Marcel gewinnt und freut sich diebisch. Der Junge ist sieben, seine Schwester ein Jahr jünger. Sie leben in einer Pflegefamilie.
Familie Ulrich aus Hennigsdorf hat den Schritt, die Kinder aufzunehmen, gemeinsam beraten. „Das haben wir nie bereut“, sagt Mutter Manuela. Die 52-Jährige macht das allerdings nicht ehrenamtlich. Sie ist beim Kinder- und Jugendhilfeverband (KJHV) angestellt. Es ist ihr Job, Marcel und Kimberley bei sich zu Hause zu betreuen – rund um die Uhr. Dafür ist eine Ausbildung notwendig.

Manuela Ulrich war in der Wirtschaft tätig, wollte sich aber noch mal verändern. „Was Sinnvolles sollte es sein, und ich hatte schon immer ein Herz für Kinder.“ Es habe dann einfach gepasst, sagt sie. Die Hennigsdorferin begann eine berufsbegleitende dreijährige Ausbildung: Psychologie, Mathematik, Sport, Teddys basteln. „Es war hart, durchaus belastend, aber ich habe mich darauf eingelassen“, sagt sie. Am Ende bekam sie die Betriebserlaubnis vom KJHV. Seit sechs Jahren arbeitet Manuela Ulrich inzwischen als „innewohnende Erzieherin“. Ihr Arbeitsplatz sind ihre eigenen vier Wände. In Oberhavel gibt es derzeit zehn Familien, die über den KJHV zwischen einem und vier Kinder betreuen. „Manchmal dauert die Pflege nur ein Jahr, wenn die leibliche Mutter im Krankenhaus ist oder sich die Eltern in einer Krise befinden“, sagt Anke Horn, Projektleiterin beim KJHV in Hennigsdorf. Andere Kinder bleiben länger. Marcel und Kimberley werden so lange bei den Ulrichs leben, bis sie erwachsen sind. „Das lässt sich vorher nicht planen“, so Anke Horn weiter.

Bevor das Kind in die Familie kommt, überprüft der Verband auch die anderen Mitglieder. Ehemann Rainer brauchte ein erweitertes Führungszeugnis. „Beim Bewerbungsgespräch sollte die ganze Familie dabei sein“, sagt Anke Horn. Alle müssen das Vorhaben mittragen. „Die Kinder machen ja schließlich vor dem Partner nicht Halt.“ Im Fall von Marcel und Kimberley ist Rainer Ulrich nicht nur ehrenamtlicher Mitbetreuer, sondern auch der Vormund der Kinder.
Tochter Sabrina (28) ist ebenfalls ehrenamtlich dabei. „Wenn meine Mutter unterwegs ist, dann übernehme ich“, sagt sie. Für sie gehören die Kleinen ganz selbstverständlich zur Familie.

Die Betreuung der Kinder ist für Manuela Ulrich nicht nur eine Herzensangelegenheit. Sie verdient damit ihr Geld. Das ist der Unterschied zu Familien, in denen die Kinder adoptiert werden. Sie bekommt Bekleidungsgeld, Fahrtkostenpauschalen sowie Mittel für Lebensmittel und Schulsachen. „Das Geld kommt vom Jugendamt, wir geben das weiter“, sagt Anke Horn. „Man wird damit nicht reich, es deckt die Kosten, alles muss abgerechnet werden.“
Manuela Ulrich kann sich sogar Urlaub nehmen. „Das ist uns ganz wichtig“, sagt Anke Horn vom KJHV. In der Regel fällt der Urlaub in die Sommerferien, wenn die Kleinen sowieso alle gemeinsam für drei Wochen ins Ferienlager des Kinder- und Jugendhilfeverbandes fahren. Aber auch während der Schulzeit ist Urlaub für die Ulrichs möglich. „Klar, da ist das für die Kinder härter“, so die Pflegemutter, und Anke Horn ergänzt: „Aber es geht eben auch, wenn es den Familien wichtig ist. Das muss gehen.“ Die Kinder wechseln dann in eine andere Pflegefamilie.

Während Marcel und Kimberley in ihrem Zimmer krakeelen, sitzt Manuela Ulrich in der Küche und lächelt: „Das ist schon mehr als ein Job. Die beiden gehören jetzt einfach dazu, wir haben nun vier Kinder.“

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In Frohnau macht die CDU Lokaljournalismus

Dienstag, den 15. Oktober 2013
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Nr. 70/September 2013 | Unser Frohnau

Lokaljournalismus findet in Berlin so gut wie nicht statt, die großen Tageszeitungen lassen ihn jedenfalls größtenteils weg. Also müssen kleine Lokalblättchen diese Funktion erfüllen.
In Berlin-Frohnau übernehmen das allerdings keine unabhängigen Schreiber, da macht das die CDU. “Unser Frohnau” heißt das Heft. “Zeitschrift der CDU Frohnau” steht recht klein und unauffällig unter dem Logo.

Dass das Blatt reinste CDU-Propaganda ist, merkt man aber auch so. Das Titelmotiv: Wahlplakate mit Frank Steffel, dem Frohnauer CDU-Bundestagskandidaten. Oben rechts in der Ecke steht noch gelb unterlegt: “Am 22.09.: Frank Steffel und die CDU wählen!” Und da nirgendwo etwas von “Anzeige” steht, weiß man auch ohne Hinweis, woher in dieser Zeitschrift der Wind weht.

Natürlich besteht das Heft aus Lokalnachrichten – aus lauter Erfolgsmeldungen. Eichenprozessionsspinner? Tolle Erfolge! Märchenspielplatz? Dank der CDU wird er gebaut. Ein Beitrag über den Reinickendorfer CDU-Kandidaten, der von Frank Steffel unterstützt wird. Der Wahlclip von Frank Steffel, daneben eine Erfolgsbilanz des CDU-Mannes Frank Steffel. Zwischendurch darf auch mal die SPD vorkommen: Ein Zebrastreifen wird rückgebaut. Böse SPD!
Später geht es um Mülltrennung, Schulerfolge – und um die Reinickendorfer Füchse, dessen Präsident CDU-Mann Frank Steffel ist.
Und sonst? Frank Steffel besuchte die Wassersportvereine. Frank Steffel vermittelt eine Spende an die Feuerwehr. Frank Steffel vergibt ein USA-Stipendium. Die Frauenunion machen auch irgendwas. Und natürlich die Termine des kommenden Vierteljahres: die telefonische Seniorensprechstunde mit Frank Steffel und die Skype-Sprechstunde mit Frank Steffel. Außerdem das Frohnauer Frühstück (voraussichtlich ohne Frank Steffel), diverse Klamottenbasare und Kaffeetafeln.

Frank Steffel ist in “Unser Frohnau” genau 14-mal zu sehen. Fast die Hälfte des Magazins dreht sich mehr oder weniger oder gar nicht versteckt um die Aktivitäten der CDU oder der Unterorganisationen in Frohnau.
Herausgeber ist die Frohnauer CDU, Frank Steffel ist Mitglied der Redaktion, steht im Impressum ganz vorn. Und weil “Unser Frohnau” ja ein CDU-Blatt ist, stehen Wahlwerbeanzeigen der CDU auch nicht unter dem Stichwort “Anzeige”, sondern unter “Aktuelles”.

Dass die Frohnauer offenbar nur noch parteilich stark gefärbte Lokalnachrichten bekommen, ist bedauerlich, und die Frohnauer schätzen das Heft vermutlich sogar.
Aber warum muss eine Partei, warum darf die CDU ein regelmäßig erscheinendes Nachrichtenheft herausbringen? Ist es die Aufgabe einer Partei, so ein Magazin herauszubringen?
Verboten ist das nicht. Aber angenommen eine rechtsextreme Partei bringt so ein Magazin in Frohnau heraus: Der Aufschrei wäre groß. Aber klar, bei der CDU ist das ja was ganz anderes. Die SPD hat ja schließlich auch ein Medienbeteiligungsunternehmen, das an der Mediengruppe Madsack beteiligt ist. Allerdings sind das keine reinen SPD-Zeitungen. Aber die CDU darf das, und es hat ja auch was gebracht. 14-Bilder-Mann Frank Steffel ist gewählt worden.
Mehr dazu in einem 28-seitigen Special in der nächsten Ausgabe von “Unser Frohnau”.

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Timo Heinze: Nachspielzeit – Eine unvollendete Karriere

Dienstag, den 15. Oktober 2013
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Timo Heinze wollte Fußballprofi werden, und er hat es tatsächlich geschafft. ER spielte in der Jugendmannschaft des FC Bayern München, er war dort, wo die ganz Großen Fußball spielen.
Doch dann folgt der Absturz: Verletzungspech, Konditionsschwäche, Auswechselung. Heinze sitzt immer öfter nur auf der Bank. Der profis schrammt am Durchbruch vorbei, hängt bald seine Fußballschuhe an den Nagel.
Auf einer Bali-Reise erinnert er sich an das Auf und Ab als Profi.

Joa. Das ist an sich schon ein bisschen interessant, aber sicherlich nichts, was extrem ungewöhnlich wäre. So schade das für Timo Heinze ist: Seine Geschichte hat nicht wirklich das Potenzial für ein ganzes Buch. Es plätschert wie seine Karriere ein wenig dahin. Die Mischung aus Bali-Erlebnissen und Rückblenden funktioniert eher schlecht, da der Bali-Trip und Heinzes Selbstfindung nun wirklich nicht interessant sind. Seine gescheierte Fußballerkarriere ist eine längere Reportage wert, aber dann doch viel zu unspektakulär oder außergewöhnlich, um darüber ein Buch lang zu erzählen. Neue Erkenntnisse bleiben aus.

Timo Heinze: Nachspielzeit – Eine unvollendete Karriere
ro ro ro, 236 Seiten
2/10

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