Tagesarchiv für 19. September 2013

aRTikel

Gerichtsbericht: Verdächtig – der Mann mit dem Fahrrad

Donnerstag, den 19. September 2013
Tags: ,

Tag 1 -> 17.9.2013

Flatower Brandserie: Tag 2 im Prozess gegen Maximilian K.

MAZ Oranienburg, 19.9.2013

FLATOW
Der Prozess gegen Maximilian K. ging gestern vor dem Jugendschöffengericht in Oranienburg in die zweite Runde. Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, im Oktober und November 2012 in Flatow sechs Brände gelegt zu haben.

Vier weitere Zeugen sind vernommen worden, darunter zwei Ermittler. Ein Polizist berichtete von schwierigen Umständen während der Ermittlungsphase, da ein Kollege zwischenzeitlich im Urlaub war und er dessen Aufgaben miterledigen musste. Er berichtete, dass sich im Laufe der Herbst-Wochen der Verdacht gegen den Angeklagten K. erhärtet habe. Zeugen sagten immer wieder, dass sie jemanden mit einem Fahrrad in der Nähe der Brände gesehen haben wollen. An vielen Punkten sei dabei der Name von K. gefallen. „Nie hat jemand einen anderen gesehen, ständig kam dieser Radfahrer ins Spiel“, so der Beamte. Tatsächlich hatte K. schon am Montag vor Gericht ausgesagt, er sei oft in Flatow mit dem Rad unterwegs gewesen. Gegen K. spreche auch, so der Polizist, dass nach dessen Festnahme einen Tag nach dem Großbrand im Kombinat ganz plötzlich Ruhe im Dorf herrschte.

Die Rede kam auch auf zwei Personen, die beim Scheunengroßbrand am 20. November 2012 dabei gesehen wurden, wie sie vom Feuer wegrannten. Polizeiliche Ermittlungen ergaben bereits im November, dass es sich aber um die Besitzer der Tiere handelte, die auf dem Gelände unmittelbar neben der Scheune lebten.
Unklar ist auch, was am 4. November passierte. An diesem Abend brannte ein Schuppen in der Alten Poststraße 10 in Flatow nieder. K. feierte nach seinen Angaben bis 22.30 Uhr in Kremmen seinen Geburtstag und wollte sich danach in Flatow mit einem Freund treffen. Dazu kam es jedoch nicht. Mitte November sagte K. diesem Freund bei einem Treffen, das man ihm was anhängen wolle.

Ein Zeuge ist zur Verhandlung nicht erschienen. Richterin Katrin Arbandt hat die Verhandlung unterbrochen und einen dritten Prozesstag anberaumt.

Hits: 88

RTelenovela

Im Gericht: Mikro offen?

Donnerstag, den 19. September 2013
Tags: ,

Die meisten Gerichtsverhandlungen sind öffentlich, und eigentlich ist es schade, dass nicht mehr Menschen in die Verhandlungen kommen, um dort zuzuhören. Denn dort spielt sich das wahre Leben ab mit seinem ganzen Irrsinn, seinen traurigen, seltsamen, lustigen und irrsinnigen Geschichten.

Gerade erlebe ich im Oranienburger Amtsgericht den Prozess gegen einen 20-Jährigen, der im Herbst 2012 in Flatow sechs Brände gelegt haben soll. Ob er es wirklich, darüber wird das Gricht entscheiden.

Erstaunlich ist die haarsträubende Akustik im Saal. Das Haus des Amtgerichtes ist neu, aber die Planer scheinen nicht bedacht zu haben, dass es vielleicht sinnvoll wäre, wenn alle Leute gut verstehen würden, was denn im Gerichtssaal gesprochen wird.
Da braucht bloß ein nuschelnder Polizist im Zeugenstand zu sitzen, schon ist nichts mehr zu verstehen. Oder wenn die Richterin meint, besonders leise vor sich hinwispern zu müssen. Oder wenn draußen im Flur der Aktenwagen vorbeidonnert, dann ist die Tonstörung für die Zuschauer im Saal perfekt. Aber wenn vorn in den Akten geraschelt wird, das ist einwandfrei zu hören.
Was die Planer da angestellt haben, ist Murks. Oder will Justizia nicht, dass die Leute im Saal der Verhandlung ordentlich folgen können?

Zumindest die Richterin hat auf ihrem Platz ein Mikrofon zu stehen. Als einer der Flatower Zuhörer die Nase voll hatte, fragte er die “nette Frau”, so drückte er sich aus, ob sie denn nicht lauter reden oder das Mikro benutzen könne. Die Richterin stellte daraufhin klar, dass sie nicht die “nette Frau”, sondern die “Frau Vorsitzende” sei, und außerdem sei das Mikro nicht dafür gedacht, um den Saal zu beschallen.
Schade eigentlich.

Hits: 78