Tagesarchiv für 26. August 2013

RTZapper

Günther Jauch: Denkzettel statt Stimmzettel – wozu noch wählen?

Montag, den 26. August 2013
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SO 25.08.2013 | 21.45 Uhr | Das Erste

Andrea Hanna Hünniger geht nicht zur Wahl. Die freie Journalistin ist, wie sie sagt, überzeugte Nichtwählerin. Sie war in ihrem Leben noch nie wählen. Sie fühle sich von Politikern belogen und sehe sich durch keine Partei gut vertreten, erzählt sie. Am Sonntagabend war sie zu Gast bei Günther Jauch in “Günther Jauch” im Ersten.
Für eine Journalistin ist das ein erschreckend naiver Standpunkt. Und das gar nicht mal wegen ihrer grundsätzlichen Ansicht. Die kann ihr niemand nehmen, viele Leute fühlen sich von keiner deutschen Partei angesprochen.
Nur: Nichtwählen bringt überhaupt nichts. Null. Und als Journalistin müsste sie das wissen.

Nicht nur Andrea Hanna Hünniger hat es scheinbar nicht begriffen oder ignoriert das. Günther Jauch befragte weitere Leute im Publikum, die nicht (mehr) zu Wahl gehen. Das solle ein Denkzettel für die Politiker sein, heißt es da immer wieder.

In Wirklichkeit jedoch ist Nichtwählen ein Schulterzucken, ein faules Zu-Hause-bleiben und vor allem: ein Hinnehmen der aktuellen Situation. Denn wer gar nicht ins Wahllokal geht, schweigt. Dessen Stimme existiert nicht. Am Ende wird der Kuchen trotzdem unter den dann 100 Prozent aufgeteilt, und den Politikern kann es eigentlich – rein prozentual – völlig egal sein, wie viele Leute nicht zur Wahl gegangen sind.
Würden alle diese Nichtwähler eben doch ins Wahllokal gehen und den Stimmzettel durchstreichen, also ungültig wählen – dann wäre das ein echter Denkzettel. Wäre die Partei der Ungültigwähler 50 Prozent stark, wäre es unmöglich, Mehrheiten zu finden, geschweige denn Koalitionen zu bilden. Dann wäre die Demokratie wirklich gelähmt, und die Politiker müssten sich tatsächlich mal was einfallen lassen.
Aber gar nicht hingehen? Macht alles egal.

Blöd nur: Bei “Günther Jauch” ist dieser Unterschied nicht herausgearbeitet worden. Niemand erklärte den Nichtwählern, was sie da eigentlich für einen überflüssigen Unsinn machen, aber wie sie stattdessen ihren Denkzettel viel wirkungsvoller austeilen könnten.
Denn seien wir mal ehrlich: Selbst wenn die Wahlbeteiligung nur bei 45 Prozent liegt, Wahlgewinner gibt’s trotzdem, und die Nichtwähler fallen unter den Tisch. Dass es auch anders geht, wollen die Politiker ihren Wählern deshalb wohl auch gar nicht verklickern. Denn dann kämen sie ordentlich ins Schwitzen.
Aber es wäre Jauchs Aufgabe gewesen, Licht ins Dunkel zu bringen. Chance vertan.

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RT im Kino

Feuchtgebiete

Montag, den 26. August 2013
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Körperhygiene. Was genau ist das eigentlich? Immer alles rein zu halten, sauber zu machen, klinisch rein zu putzen? Jeden Geruch wegsprayen, jedes Haar wegrasieren, weil es da angeblich nicht hingehört?

Wer Gerüche und Körperflüssigkeiten eklig findet, der sollte am besten auf Sex verzichten, findet Helen Memel (Carla Juri). Sie findet so was toll. Die Muschi muss riechen, Sperma muss auch riechen, so ist der Mensch eben. Sie masturbiert mit Gemüse, um herauszufinden, was geht. Sie wechselt die Tampons mit ihrer besten Freundin. Als sie sich aber bei einer Analrasur schneidet, muss sie in die Klinik, und der Pfleger Robin (Christoph Letkowski) scheint der einzige zu sein, der sie versteht. Ihre Eltern sind es nicht, die sind damit beschäftigt, ihre Scheidung auszuleben.

Charlotte Roches Buch “Feuchtgebiete galt 2008 als Skandal, weil dort gewisse Vorgänge recht drastisch beschrieben sind.
Der Film von David Wnendt ist auch nicht gerade zimperlich. Als Zuschauer muss man sich schon zusammenreißen, wenn Helen auf der dreckigen Klobrille rumreibt oder sich ihre Analfissur wieder aufreißt. Da wird auf der Leinwand geschnüffelt, gerieben, gewichst und geleckt, was das Zeug hält. Muschis, Schwänze – der Film hat einiges zu bieten. So ganz schamhaft darf man wahrscheinlich nicht sein.
Und doch hat auch der Film eine Botschaft: Der Reinlichkeitswahn ist völlig übertrieben. Helen geht’s darüber hinaus darum, geliebt zu werden, mit all ihren Macken und Auffälligkeiten. Sie schreit geradezu nach Liebe: bei ihren Eltern, ihrer Freundin, bei Robin. Einen weichen Kern haben die “Feuchtgebiete” also auch.
Carla Juri, bislang unbekannt, scheint die perfekte Besetzung zu sein, zudem spricht sie, als würde uns Charlotte Roche die Story erzählen. Dazu kommen sympathisch-abgedrehte Szenen u.a. mit Axel Milberg, Meret Becker und Edgar Selge.
Wnendt spielt mit seinen Zuschauern: Immer wieder gibt es Augenblicke, wo man aus verschiedenen Gründen den Atem anhält. Langeweile kommt jedenfalls nie auf.

Feuchtgebiete
D 2013, Regie: David Wnendt
Majestic, 109 Minuten, ab 16
8/10

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RTelenovela

Mein BMW und ich (21): Ein ! – in Rot!!

Montag, den 26. August 2013
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(20) -> 1.6.2012

Wir haben Oranienburg noch nicht ganz verlassen, als an der Stelle, wo sonst Uhrzeit und Temperatur angezeigt werden, plötzlich ein rotes Ausrufezeichen auftaucht. Ein richtig fettes Ausrufezeichen. Darum ein Halbkreis, das ein wenig wie ein Hufeisen aussieht.
Was könnte das sein?
Ich lausche. Am Motor ist nichts. Das Auto fährt normal, das wäre dann auch eine andere Leuchte.
Seit einiger Zeit müsste ich das Scheibenwasser nachfüllen. Ist der Tank dafür so leer, dass nun das fette Ausrufezeichen zu sehen ist? Aber wäre das nicht zu übertrieben?

Ich halte an, laufe einmal ums Auto. Aber es ist nichts zu sehen. Kein Reifen ist platt, auch ist nichts Ungewöhnliches zu hören.
Unser Ziel ist Wensickendorf. Dort angekommen laufe ich nochmal ums Auto, ohne was zu entdecken. Dafür beginne ich, zu googlen. Es könnte was mit der Bremsflüssigkeit zu tun haben, und das wäre nicht so angenehm.
Ich rufe meinen Bruder an, schicke ihm ein Foto vom Ausrufezeichen. Seine recherchen ergeben: Der Reifendruck ist’s. Nicht schön, aber auch erst mal nicht so ganz dramatisch.

Am Tag danach: Ich fahre zur Tankstelle. Da ich vermute, dass der Reifen vorn rechts das Problem ist, fange ich dort an, zu pumpen. Und tatsächlich, der Bedarf ist nicht so ganz klein. Dort waren nur noch etwa 1,5 Bar drauf – 2,0 sind das mindeste. Also pumpe ich auf, und kontrolliere gleich noch die anderen Reifen.
Alles wieder okay.
Nurdas rote Ausrufezeichen – das ist immer noch da. Das muss man wohl extra abstellen (lassen), habe ich mir sagen lassen. Verflixte Technik.

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