Tagesarchiv für 4. August 2013

RT liest

Stephen King: Puls

Sonntag, den 4. August 2013

Was wären wir heute ohne Handys?
Stephen King dreht die Frage einfach mal um: Was passiert, wenn uns die Handys das große Unglück bringen?

Es geht einfach los, von einer Minute zur anderen: Die Menschen, die ein Handy nutzen, werden irre. Aber so richtig. Sie rasten regelrecht aus, fallen sich gegenseitig an, töten sich gegenseitig, zerstören alles, was ihnen unter die Finger kommt. Flugzeuge stürzen ab, Tankstellen fliegen in die Luft. Über Boston scheint die Apokalypse hereinzubrechen. Der Megaamoklauf.
Clay und ein kleines Mädchen können sich in ein Hotel retten, aber sie merken bald: Auch dort sind sie nicht sicher. Clay will zudem wissen, wie es seiner Familie geht. Die Reise durch die Stadt und das Land wird zu einer grauenvollen, hochgefährlichen Expedition.

Horrorautor Stephen King wendet sich diesmal der modernen Technik und seinen Auswirkungen zu. Ein Puls aus dem Handy sorgt dafür, dass alles den Bach runtergeht. Fast atemlos, aber dennoch in einem bemerkenswert ruhigen, gelassenen Stil, berichtet er von der Katastrophe. Nach und nach entdecken seine Protagonisten und damit auch der Leser, was da eigentlich passiert sein könnte und welche Auswirkungen es gibt.
Die Geschichte steht nie auf der Stelle, King gibt sich mit dem einen Puls nicht zufrieden, er spinnt die Geschichte weiter, lässt nicht nur die Hauptfiguren durchs Land laufen, sondern auch die Zombies, die sich mit der Zeit auf eine interessante und irgendwie schockierende Art weiterentwickeln.
Es ist nicht das, was man von Stephen King erwartet, der feine Horror fehlt in diesem Buch, spannend ist die Story dennoch.
Nur der Schluss – der ist leider extrem enttäuschend. Wenn man da denn überhaupt von einem Schluss sprechen kann.

Stephen King: Puls
Heyne, 531 Seiten
8/10

Hits: 31

RTZapper

25 Jahre Schmidt-Theater

Sonntag, den 4. August 2013
Tags: , ,

SA 03.08.2013 | 22.45 Uhr | NDR fernsehen

Da war zum Beispiel Annie Sprinkle, die live ihre Megatitten rausholte und auf den Kopf von Moderator Herrn Schmidt legte. Oder die Gruppe “Herrchens Frauchen”, die sang: “Sperma ist widerlich! Drum lasst euch nicht verleiten! Sperma ist fürchterlich und sieht auch nicht gut aus!” Oder die beiden Männer, die unter der Dusche der Scharbeutzer Therme fummelten. Oder der Moderator, der Schauspielerin Heidi Kabel nach dem Sex im Alter fragte.

Das waren Zeiten. Anfang der 90er sorgte “Schmidt – Die Mitternachtsshow” im damaligen N3 für Aufsehen. Der NDR übertrug live von der Hamburger Reeperbahn eine Varietéshow mit einem Schuss Frivolität, gern auch und vor allem schwuler Erotik und Themen. Das eine oder andere Skandälchen blieb das nicht aus.
Heute sind das Lappalien, heute blicken wir mit einem Lächeln darauf zurück. Zum 25. Geburtstag des Schmidt-Theaters zeigte das NDR fernsehen in der Nacht zu Sonntag eine mehr als siebenstündige Schmidt-Nacht.

Damals habe ich es geliebt. Es hatte ein wenig den Hauch des Verruchten, und ich wusste: Irgendwann will ich da mal hin. Zur Mitternachtsshow, die es sie damals gab, habe ich es nie geschafft, ich war auch noch zu jung dafür. 2010 erst war ich im “Schmidt” in Hamburg, in den irgendwie ja heiligen Hallen.
Ich liebte die Wortgefechte zwischen Herrn Schmidt, Frau Jaschke und Frau Wanders, ich liebte den Anfangssong über Hamburg und St. Pauli und ich sang mit, wenn am Ende von der Reeperbahn nachts um halb eins sangen.

Schade, dass es so was nicht mehr gibt. Aber andererseits wäre “Schmidt – Die Mitternachtsshow” heute auch nicht besonderes mehr, auch wenn die Kleinkunst heutzutage wieder ein bisschen kurz kommt. Allerdings: Was gibt’s denn heute noch für Tabus?
Aber damals, 1990, da war diese Show ein echter Kracher. Heute, in der Wiederholung, übrigens auch noch.

Hits: 32

RTelenovela

Portugal (11): Sportfreund Atlantik

Sonntag, den 4. August 2013
Tags: , ,

(10) -> 3.8.2013

Die Badekultur am Atlantik unterschiedet sich durchaus erheblich von der zum Beispiel an der Ostsee. Geht man in der Ostsee baden, dann läuft man halt rein, schwimmt ein bisschen oder spielt – wenn man in der Gruppe dort ist – ein bisschen Ball oder lässt sich auf der Luftmatratze treiben.
Am Atlantik geht das nicht. Da sind die wellen zu hoch.

Am Strand von Odeceixe weisen mehrere Schilder darauf hin, dass an diesem Strandabschnitt das Baden verboten sei, dass man vorsichtig sein solle oder dass Baden nur rechts von der Begrenzung möglich sei.
Ein Bademeister steht permanent am Ufer und pfeift vor sich hin, wenn er was sieht, was gefährlich sein könnte.

Nicht nur an der Nordsee gibt es Ebbe und Flut, auch am Atlantik. Deshalb gibt es auch eine recht ausgedehnte flache Zone mit ersten warmen Wasserpfützen. Aber da hinten, da rauscht es gewaltig.
In der Badezone laufen die Leute bis zu den Oberschenkeln ins Wasser und schauen, was da auf sie zukommt. Das ist mitunter ordentlich. Kommt so eine Welle auf mich zu, ist sie schon mal größer als ich. Entweder überschlägt sie sich weit vor mir, direkt vor mir oder live an meiner Brust. Je näher sie es in meine Richtung schafft, umso mehr Wucht hat sie.

Kraft haben die Wellen so oder so. Es ist schwierig, sich gegen sie zu stellen, sie kann einem die Beine wegreißen. Sie wirbelt Sand auf und rollt dann in Richtung Strand aus. Viele schwimmen einfach drunter durch.
Die Atlantikbaderei ist dadurch fast schon echter Sport, denn es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sie zu bewegen.

“Hallo Atlantik!” – mit dem Spruch setzte sich ein Handyfoto auf meine Facebookseite. Mein Handy hat das leider ein bisschen zu wörtlich genommen. Als ich einmal vom Baden wiederkam, bemerkte ich, dass da noch was in meiner Hose war. Mein Handy hat den Atlantik leider nicht überlebt.
Es ist durchaus eine Erfahrung heutzutage: kein Handy und damit kein Internet, keine Anrufe, SMSen und keine Uhr. Außerdem keine Nachrichten, denn wir hatten auch nur vier portugiesische Fernsehsender. Nur eine “Bild”-Zeitung einen Tag nach der Erscheinung in Deutschland.
Irgendjemand muss mitbekommen haben, dass ich nun handylos im Urlaub war. Als ich am Abend vom Dorf den langen Berg hoch in die Siedlung lief (keuchte), kamen mir gleich mehrere Männer entgegen, die bergab schawenzelten und mit dem Handy telefonierten. Wie in einer billigen Schmierenkomödie.

Ist er es? Das fragte mich mich eines Tages an unserem Strand. Der Typ, der da mit mehreren anderen Leuten auf einer Decke lag, sah aus wie Sänger Peter von den Sportfreunden Stillern. Ich war mir ziemlich sicher, dass er es war.
Spätetens als ich bei meiner Rückkehr zu unserem Handtuch voll klischeemäßig auf einem Felsvorsprung saß und gedankenverloren auf seiner Gitarre spielte, war klar: er ist es tatsächlich. Nun hätte ich im Vorbeigehen ja “Applaus, Applaus” sagen können, aber nee: Das wäre mir zu blöd gewesen.

Hits: 35