Tagesarchiv für 23. Juni 2012

RTZapper

heute-journal: Politische EM

Samstag, den 23. Juni 2012
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FR 22.06.2012 | 21.35 Uhr | ZDF

Die Leute sind manchmal echt komisch. Da sind Deutschland und Griechenland wegen der Eurokrise im Streit. Dann treten die beiden Länder bei der Fußball-EM gegeneinander an, und niemand sieht darin eine politische Dimension?

In der Halbzeitpause des Viertelfinalspiels schaute sich ein ZDF-Reporter am Freitagabend während des “heute-journals” in München um und fragte Leute in einem Biergarten, ob sie denn in dem Spiel auch etwas Politisches sehen. Und das Unglaubliche geschah: Die Menschen wollten einfach nur Fußball sehen. Nix mit Politik. Nix mit Eurokrise. Da half auch die Nachfrage des Reporters nichts.
Manchmal scheinen die Leute da draußen vielleicht doch schlauer und cooler zu sein, als es Journalisten glauben wollen.

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RTelenovela

Bahnbekanntschaften (65): Die Bekloppten verlassen die Reichshauptstadt

Samstag, den 23. Juni 2012
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(64) -> 28.5.2012

Deutschland steht im Halbfinale der Fußball-EM. Das Team hat die Griechen mit 4:2 Toren geschlagen, und die Leute in der Berliner S-Bahn sind dementsprechend gut drauf.
Am Brandenburger Tor steigt eine ganze Horde junger Männer ein, sie beginnen auch gleich zu singen: Olé, olé, olé! Oder von den Holländern, denen wir jetzt mal gezeigt haben, wie es geht. Oder von einer Allee mit Bäumen.
Eigentlich ist das recht witzig, und die Leute fühlen sich ganz gut unterhalten.

Doch die Gesänge gehen bald in eine andere Richtung. “Wir sind die Jungs aus der Reichshauptstadt. Ficken, oder was? Ficken, oder was?” “Wir sind die Jungs vom nationalen Widerstand.”
Da geht einem das das Herz auf. Das möchte man doch gern in der S-Bahn hören. Es müssen sehr dumme Jungs sein. Die ersten Leute schütteln den Kopf. “Wir danken der Deutschen Bahn, sie hat Robert Enke überfahren.”
Eine Frau sagt: “Das ist aber nicht mehr lustig.” Aber niemand sagt es den bekloppten Typen, ich sage es ihnen auch nicht.

Sie wiederholen dann immer wieder die Sprüche vom nationalen Widerstand, von der Reichshauptstadt und von Robert Enke.
Ich könnte kotzen.
Inzwischen stellt sich heraus, dass die Jungs nicht mal aus der “Reichshauptstadt” kommen, sondern aus dem beschaulichen Hohen Neuendorf. Dort steigen sie aus.
Es herrscht wieder Ruhe in der Bahn.

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