Tagesarchiv für 26. Mai 2011

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Donnerstag, den 26. Mai 2011
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MI 25.05.2011 | 21.45 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Ein Film wie ein Trip. Ein Lärmtrip.
Marthe lebt mit ihrer Familie an einer nie fertiggestellten Autobahn. Aber eines Tages wird die Strecke dann doch eröffnet. Und die Autos und Lkws donnern am Haus vorbei. Die Leitplanke ist der Gartenzaun.
Im Haus ist’s laut, eine permanente Lärmkulisse. Im Garten verstehen sie ihr eigene Wort nicht. Eine Straße haben sie nicht, nur das Feld drumherum. Das Auto parkt auf der anderen Seite der Autobahn, da ist ein Sandweg. Sie müssen rüberrennen.

Das ist nicht nur für die Familie im Film ein Höllentrip. Sondern auch für die Zuschauer. “Home” lief am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen, und permant war nur das Autorauschen. Das Heulen der Motoren. Eine üble Kulisse. Ein Geräusch, dass einen ganz wuschig macht.
Deutlich wird das, als die Familie ihr Haus abschottet und plötzlich ist es – still. Total. Auch im Film. Plötzlich hört man nichts mehr. Da ist nur dieses Rauschen in den Ohren.

Ein sehr krasser Film über das Leben mit dem Lärm. Und ein Hörerlebnis für den Zuschauer.

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RT im Kino

Four Lions

Donnerstag, den 26. Mai 2011

Vor Hohn und Spott sind auch islamistische Terroristen nicht sicher. Christopher Morris hat mit “Four Lions” nun eine Satire über eben jene Leute ins Kino gebracht. Aber – um das vorweg zu nehmen – an vielen Stellen ist er über slapstickhaften, dümmlichen Humor nicht hinausgekommen. Leider.

London droht ein verheerender Terroranschlag. Zumindest, wenn die jungen Briten Omar (Riz Ahmed), Waj (Kayvan Novak), Faisal (Adeel Akhtar) sowie der zum Islam übergetretene Barry (Nigel Lindsay) ihren Plan durchziehen. Denn die Männer wollen in den Heiligen Krieg ziehen und in London Bomben zünden. Dummerweise fliegen sie aber aus dem pakistanischen Trainingslager – sie stellen sich einfach zu dämlich an. Der Londoner Anschlag soll trotzdem durchgezogen werden – passieren soll es während eines Marathonlaufes, unter den sie sich mischen wollen.

Sagen wir es mal ganz einfach: Die meisten der Männer sind strunzdumm. Sie sind doof. Abgrundtief. So richtig bekloppt. Das aber so sehr, dass es nicht sehr lustig ist. Statt auf politisch-satirischen Spott setzt Morris auf relativ plumpe Gags und Charaktere. Dass “Four Lions” am Ende doch nicht die völlige Katastrophe ist, verdankt er dem Umstand, dass Morris den Wahnsinn bis zum bitteren Ende durchzieht, dass es kurz vor Schluss bei allen Witzeleien doch noch recht ernst zur Sache geht.
Sicherlich, einen ernsten Film hat niemand erwartet. Es ist auch völlig richtig, dass sich jemand dieses Themas humoristisch annimmt. Ein bisschen mehr Niveau hätte aber schon sein können. Sich einfach nur platt drüber lustig machen, ist billig. Das war dann doch alles recht enttäuschend – und, ja, auch langweilig.

3/10

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RTelenovela

Die Berliner haben viel mehr Geduld als man denkt

Donnerstag, den 26. Mai 2011
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Die Berliner sind aufbrausend? Mitnichten. Stoisch fügen sie sich in ihre Situation und ertragen sie nahezu kommentarlos. Zumindest in Charlottenburg.

In der Uhlandstraße versperrt ein Laster die komplette Fahrbahn. Der Lieferant lässt sich Zeit, viel Zeit.
Dahinter bildet sich ein Stau. Hupt jemand? Schreit jemand? Nein, nichts. Es ist ein ruhiger Stau, der sich da gebildet hat. Alle haben ihre Motoren abgestellt. Eine Frau steht neben ihrem Auto und raucht.
Minuten später fährt der Laster los, und es dauert eine Weile, bis auch die anderen wieder den Motor starten und hinterher fahren.

Eine Querstraße weiter, in der Fasanenstraße. Vor einem Currywurst-Imbissladen läuft ein Mann zu seinem Auto. Der Parkplatz ist durch einen Lieferwagen blockiert. Der Mann kommt nicht weg.
Er steht kurz an seinem Auto, steigt ein. Er telefoniert. Oder er tut so, als ob er telefoniert. Dann ist er fertig. Kurz blickt er sich um. Macht aber nichts. Er bleibt einfach sitzen. Hupt nicht. Schreit nicht.
Gut fünf Minuten harrt er so aus. Und das hätte er wohl auch noch länger getan. Wenn nicht eine Gruppe Männer auf ihn aufmerksam geworden wären. Sie sitzen an jenem Currywurst-Imbiss. Sie winken dem Mann im Auto zu. Ihnen gehört der Lieferwagen, der den Parkplatz blockiert.
Einer der Männer steht auf und fährt den Wagen ein Stück zurück. Und die anderen wundern sich, dass der Autofahrer so gar keine Anstalten gemacht hat, sich bemerkbar zu machen. Vielleicht hatte er auch einfach ganz viel Zeit.

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