Tagesarchiv für 4. Mai 2011

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Bahnbekanntschaften (51): Erdnussflips als Mobbingmittel

Mittwoch, den 4. Mai 2011
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(50) -> 4.4.2011

Die letzte Regionalbahn von Berlin-Gesundbrunnen nach Oranienburg. Es ist kurz vor 11. Der überwiegende Teil des Waggons ist leer.
Ich setze mich in den durch Fenster abgetrennten Waggonteil hinter der Fahrerkabine. Mein Viererabteil ist frei, nebenan sitzt eine Frau am Fenster.

Der Zug fährt los, zuckelt über die Gleise. Plötzlich öffnet jemand die Tür, blickt sich kurz um. Er bleibt neben mir stehen und fragt: Ist der Platz noch frei?
Ich sehe ihn irritiert an. Öhm, ja, er ist noch frei. Der da übrigens auch. Und der da. Und der da. Und der da. Und der da. Eigentlich so ziemlich alle.
Aber er musste sich zwingend auf en Sitz direkt neben mir setzen. Ganz toll.

Der Zug rauscht inzwischen an Pankow-Heinersdorf und Blankenburg vorbei. Der Mann neben mir riecht etwas streng. Außerdem packt er eine Tüte Erdnussflips aus und reiß sie auf. Der Geruch schlägt mir entgegen.
Nein, nicht lecker. Erdnussflips stehen bei mir auf dem Index.
Die nächste Geruchsquelle: süßer Wein. Irgend so ein Ekelzeug. Er trinkt einen Schluck, behält die Pulle in der Hand.

Mir wird langsam übel. Er, die Flips und der Wein. Eine üble Mischung im Zugabteil um kurz nach 11 am Abend.
Ich habe das Gefühl, dass er das mit Absicht macht. Er will mich mobben – ganz sicher. Wahrscheinlich sitze ich auf seinem Platz. Auf dem Platz, auf dem er immer sitzt, wenn er abends um 11 mit dem Zug fährt.
Aber ich tue ihm nicht den Gefallen, zu gehen. Ich lese in meinem Buch – so weit ich mich drauf konzentrieren kann – und halte durch.

In Oranienburg verlasse ich ihn aber doch. Er fährt weiter Richtung Templin. Erdnussflips essend und Wein saufend.
Schönen Abend noch.

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