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Südwest extra: Stuttgart 21 – Die Schlichtung

FR 22.10.2010 | 10.00 Uhr | SWR-Fernsehen

Ich freue mich schon drauf: Deutscher Fernsehpreis 2011. Der Moderator wandelt durch die Zuschauerreihen. Dann bleibt er neben einem Mann stehen und ruft: “Heiner Geißler! Du bekommt den Newcomerpreis 2011! Herzlichen Glückwuuunsch!!!”

Richtig, Heiner Geißler. Im Fernsehbusiness ist er ein Newcomer. Der 80-Jährige hat seit Freitag seine eigene politische Talkreihe. Sie trägt den philosophisch wertvollen Titel “Stuttgart 21 – Die Schlichtung”. Sie dauert ein bisschen länger als herkömmliche Talkshows, gut und gerne sieben Stunden nämlich. SWR-Fernsehen und phoenix waren live dabei. Und Geißler meisterte seine Premiere im Großen und ganzen meisterlich. Ein Marathon – zwar mit Mittags-, aber ohne Werbepause.

“Stuttgart 21 – Die Schlichtung” live im Fernsehen ist tatsächlich ein Novum. Ewige Stunden lang Demokratie hautnah. Befürworter und Gegener des geplanten neuen Bahnhofs in Stuttgart konnten ihre Tresen und Argumente vorbringen – mitunter in langen Monologen. Endlich wurden mal in aller Ruhe die Probleme benannt, und das ganz ohne Emotionen. was dabei rauskommt, weiß niemand so genau. Klar ist aber: Gut, dass die Leute dabei sein können.

Zwei Dinge muss uns der SWR aber erklären: Der Moderator verprach zu Beginn, man werde die Mittagspause mit einem spannenden Programm füllen. Und dann lief: “Leopard, Seebär und Co.” – eine der zig Zoodokus. Warum der SWR nicht die Zeit nutzte, weitere Hintergrundbeiträge zu senden, ist unklar. Auch, warum dann auch noch Luftbildaufnahmen zu sehen waren. Ein solches Pausenprogramm gab’s vielleicht in den 80ern, aber doch nicht mehr heute. Um 16 Uhr blendete sich der SWR aus, mitten in der Sitzung. Irgendwie blöd, aber wenigstens verwies der Moderator auf die Fortsetzung bei phoenix.

Ob Heiner Geißler auch nächste Woche mit seinem Fernseh- und Sitzungsmarathon im SWR vertreten sein, ist noch offen. Die Schlichtungsgespräche sind bis Anfang Dezember immer freitags angesetzt. Und mal sehen: Vielleicht bekommt er ja auch bald seine eigene richtige Talkshow?

3 Kommentare zu “Südwest extra: Stuttgart 21 – Die Schlichtung”

  1. Felix Staratschek

    Warum nicht Tunnel bauen und Kopfbahnhof erhalten?

    Zentrale Aussage der Schlichtung zu Stuttgart 21 für mich ist:
    In der Schweiz wird ein Fahrplan erstellt und dann der Bahnhof und das Netz dafür entworfen, in Deutschland werden Bahnhöfe und Strecken wahrlos gebaut und dann geschaut, welchen Fahrplan man da rein bekommt. Der Nutzen für die Menschen ist beim Schweizer Vorgehen höher. Eine Verkleinerung von S 21 müsste in den bestehenden Plänen möglich sein und würde Kosten senken. 4 Gleise unter der Erde bei Fortbestand des Kopfbahnhofs wären eine deutliche Erhöhung der Kapazität, während das akut geplante S 21 die Kapazität begrenzt.
    Warum in Stuttgart nicht beides, S21 und K 21! Ein viergleisiger Tunnelbahnhof und ein erhaltener Kopfbahnhof könnte die Vorteile beider Systeme kombinieren. Das machen ja auch die Schweizer! Die ICE könnten zwischen Hauptbahnhof und Flughafen für Verbundfahrkarten frei gegeben werden.
    Es wäre fatal für die Demokratie, wenn die Schlichtung nur ein Verzögerungselement wäre, bis die Demos winterbedingt schrumpfen.

    Wesenlich schneller als Stuttgart 21 vollendet wird könnte die Gäubahn einen Halt in Stuttgart Vaihingen bekommen, so dass man schon dort vom Schwarzwald oder Bodensee kommend in die S- Bahnen zum Flughafen und zur Innenstadt umsteigen kann. Auf diese Maßnahme zu verzichten, um Stuttgart 21 in einem besseren Licht dastehen zu lassen, bringt den Menschen schon seit Jahren Nachteile in Form von unnötig langen Fahrzeiten. Wo werden noch Investitionen unterlassen, um Stuttgart 21 besser dastehen zu lassen?
    http://twitter.com/FJStaratschek

    Abs. Felix Staratschek, Freuligrathstr. 2, 42477 Radevormwald

  2. Felix

    Geht es den Leuten nicht mehr ums Geld als um die geringere Kapazität? Denn so ein Kombinationsmodell kostet doch sicher noch mehr.

  3. RT

    Na ja, es geht irgendwie um alles: Geld, Kapazität, Umwelt, der Bahnhof an sich.

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