Tagesarchiv für 10. April 2010

aRTikel

Ausgelesen: Tierbücher

Samstag, den 10. April 2010
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MAZ – Die Märkische, 10.4.2010

Das Frauchen
Manfred Plinke (hg.)
Sie streichelt ihre Katze mehr als mich.
Edition Tieger, 189 Seiten, 14,90 Euro.
Kennen Sie das auch? Wenn sich die Partnerin scheinbar mehr um die Katze kümmert, als um den Partner? Wenn sich der neue Lover zunächst gegen das Haustier durchsetzen muss? Lady Marian ist so ein Exemplar einer Katze, die im Leben ihres Frauchens eine wichtige Rolle spielt. Aufgeregt wie ein Teenie ist der Mann, der erstmals zur Dame seines Herzens nach Hause kommt. Pralinen für die Liebste, Lachs für das Tier. Doch Lady Marian, das Miststück, schnuppert nur einmal am Lachs. Das war’s. Kein guter Beginn der neuen Beziehung. Lauter solche Katzengeschichten hat Manfred Plinke in „Sie streichelt ihre Katze mehr als mich“ zusammengestellt. 21 Texte rund um den Stubentiger.

Das Herrchen
Manfred Plinke (hg.)
Er streichelt seine Katze mehr als mich.
Edition Tieger, 185 Seiten, 14,90 Euro.
Kennen Sie das auch? Wenn sich der Partner scheinbar mehr um die Katze kümmert, als um die Partnerin? Wenn sich die neue Liebste zunächst gegen das Haustier durchsetzen muss? Dann wird Ihnen sicher auch auffallen, dass Sie das gerade so ähnlich schon mal gelesen haben. Manfred Plinke hat nicht nur ein Katzenbuch zusammengestellt, das über Frauchen und ihre Tierliebe erzählt, sondern auch die Männerversion. Da sind zum Beispiel Mark und seine Frau. Beide müssen ihr Kätzchen zum Arzt bringen, und Mark denkt, dass es lieber auf seinem Arm sitzt. Daraus entsteht ein Dialog. Die Männervariante enthält 23 Texte rund um Dreiecksbeziehungen und viele verwöhnte Tierchen.

Katze im Korb
Simon Carmiggelt
Die geschenkte Katze.
Edition Tieger, 92 Seiten, 9,80 Euro.
Schon allein das Tierchen auf dem Cover: So süß. Ein Katzenbaby, zum Verlieben! Darauf setzt die Edition Tieger des Autorenhaus-Verlages in Berlin und bringt immer wieder Geschichten auf den Buchmarkt, die sich um Katzen drehen. Die Liebhaber dieser reizenden, wenn auch immer wieder erschreckend arroganten Tierchen, haben eine breite Auswahl, wie auch schon vier der fünf an dieser Stelle vorgestellten Werke zeigen. Das Buch über „Die geschenkte Katze“ von dem niederländischen Autoren Simon Carmiggelt stammt bereits aus dem Jahr 1952. Aber eine Familie, die vor ihrer Haustür ein Körbchen mit einer Katze findet, ist ja niemals unaktuell. Bei der einen Katze bleibt es jedoch nicht. Der Familie fällt auf, dass das Tier ganz schön dick ist. Und tatsächlich – der Nachwuchs kommt. Vier niedliche kleine Katzenbabys. Die Mama und ein Kind dürfen bleiben. Carmiggelt berichtet nun in Form eines Tagebuches, was die Familie mit den Tieren alles erlebt. Das ist ganz nett, sorgt für Schmunzler, ist jedoch nicht sehr anspruchsvoll. Auch wenn alle Katzenbesitzer diese Szene ganz genauso schon mal erlebt haben: Das Tier schläft und erwacht. Es erhebt sich, gähnt, reckt seinen Körper, schreitet langsam auf den Sessel zu und schlägt völlig ohne Bedenken seine harten Krallen in den Stoffbezug. Die Familie schreit auf, und der Kater duckt sich, als wenn er gerade ertappt wird. Zuckersüß? Ärgerlich? Als Katzenbesitzer wird der Leser nur leicht lächelnd nicken. Ganz schön herzzerreißend, dieses Büchlein.

Machokater
Warren Chetham-Strode
Tootoo. Immer das letzte Wort.
Edition Tieger, 217 Seiten, 14,90 Euro.
War da was? Der Schriftsteller Charles Warren stockt. Er steht in einer Katzenausstellung. Und kann es tatsächlich sein, dass ihn gerade eines der Tiere angesprochen hat? Aber Tootoo spricht wirklich mit ihm und kann ihn dazu überreden, ihn mitzunehmen. Von nun an haben die Warrens vier Katzen zu Hause. Tootoo bringt die Hierarchie ganz schön durcheinander. Er behauptet nämlich, dass er von adligem Geschlecht ist, weshalb er sich auch eher unkonventionell benimmt. Ganz klar: Tootoo ist ein echter Machokater. Der 1974 verstorbene englische Autor Warren Chetham-Strode schrieb seinen Roman im Jahre 1958. In der Geschichte verewigte er seine vier Siamkatzen. Auf sympathische Weise setzt er ihnen ein literarisches Denkmal.

Der Robin und ich
Olaf Graehl
Robin Hund. Vom Glück auf vier Pfoten.
Knaur, 192 S., 12,95 Euro.
Das letzte der fünf Tierbücher ist nicht für Katzen-, sondern für Hundefreunde. Der Autor Olaf Graehl erzählt von seinem besten Freund Robin Hund. Von seinen Lausbubenjahren – also die des Hundes –, die eigentlich Flohbubenjahre heißen müssten. Und wie „dem Robin immer neue Kräfte und Fähigkeiten“ zuwuchsen. Oder wie „der Robin“ immer Probleme hatte, wenn Herrchen mal in den Urlaub wollte. Hundefans werden diese Geschichten alle aus eigener Erfahrung kennen. Der Schreibstil des Lebensberichtes, in dem immer von „dem Robin“ und „der Robin“ die Rede ist, ist jedoch recht anstrengend. Und mal ganz ehrlich: Der Titel „Robin Hund. Vom Glück auf vier Pfoten“ klingt wie ein verunglückter Titel eines Sat-1-Herzschmerzfilmes.

Hits: 116

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: “Let’s Dance”

Samstag, den 10. April 2010
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FR 09.04.2010 | Berlin, Studio Berlin

Festlich wird’s wenn RTL zu “Let’s Dance” einlädt. In festlicher Kleidung solle das Publikum doch bitte im Studo Berlin in Adlershof erscheinen. Und tatsächlich: Das Foyer war am Freitagabend voller Festgäste.

“Let’s Dance” geht in die dritte Staffel. Hape Kerkeling hatte auf die Moderation jedoch keine Lust mehr, deshalb ist Daniel Hartwich an Bord. Mit seiner Lockerheit stellt er Nazan Eckes, die auch schon bei den ersten beiden Staffeln dabei war, jedoch locker in den Schatten. Hartwich plaudert, Eckes liest ab und verhaspelt sich.

Für das Live-Publikum begann das Spektakel übrigens eine Stunde früher als die Übertragung bei RTL. Der Auftritt der Band Culcha Candela war nämlich gar nicht live. Er wurde bereits vor der Live-Show aufgezeichnet. Ebenso die Moderationen vor und nach dem Auftritt. Wir sahen später also nochmal unsere eigene Show, bis wir dann wieder ins Live-Programm einstiegen.

Den härtesten Job hat jedoch der Warm-Upper. “Sie dürfen heute richtig ausrasten!”, sagt er gut gelaunt zum Publikum im Studio. Und wir fragten uns: Dürfen wir oder müssen wir? Wir müssen nicht, aber wir bekommen unauffällig auffällige Klatschhinweise. Wenn der Warm-Upper klatscht, sollen wir doch bitte auch. Steht er auf, stehen wir auch auf. Das hat aber auch sein Gutes: Nach zwei Stunden ist man froh, wenn man sich mal erheben darf. Wir erheben uns: zu Beginn der Show, als die Band spielt, als die Jury kommt, als die Tänzer kommen, nach jeder Tanzdarbietung, am Ende der Show. Aufstehen, setzen, aufstehen, setzen. Der Warm-Up-Mann muss immer dabei sein, darf nicht träumen, muss immer lächeln, volle Pulle dabei sein. Und gute Stimmung in den Werbepausen verbreiten. Ein Knochenjob, um den ihn niemand beneidet.
Bevor Culcha Candela spielten, mussten Daniel Hartwich und Nazan Eckes noch den Teaser in die Kamera sprechen, der wenig später am Ende der “Wer wird Millionär?”-Werbepause zu sehen war. Sie mussten ihn zweimal machen: Beim ersten Mal war er doch glatt vier Sekunden zu lang. “Günther Jauch gibt nichts von seiner Sendezeit ab”, scherzte Hartwich, der nur am Anfang leicht nervös zu sein schien. Auch wenn er vor der Show Hillu Schwetje aus Versehen als Hillu Schröder benamte.

Und dann ging es wirklich los. Live aus Berlin. Zehn Leute, die sich mehr oder weniger als Promi bezeichnen können, wirbelten mehr oder weniger über die Tanzfläche. Brigitte Nielsen eher weniger. Sie ließ eher tanzen, vielleicht auch in der angst, ihre Ersatzteile könnten auseinanderfallen. Auch Boxer Arthur Abraham imitierte eher schlecht als recht einen Tänzer.
Ein Fest dagegen waren die Auftritte von Achim Mentzel, der sichtlich Spaß hatte. Sylvie an der Vaart nahm sich vor ihrem Tanz die blonde Perücke ab, um mit neuer Haarpracht übers Parkett zu schwofen.

Die Jury: Tanzjuror Joachim Llambi spielt zwar den Böse, sagt aber eigentlich immer das Richtige. Auch Tänzerin Isabel Edvardsson konnte durchaus Sinnvolles beisteuern. Musiker Peter Kraus sagt dagegen eigentlich gar nichts, jedenfalls nichts Wichtiges. Und warum Harald Glöööööööckler da war, wusste er wahrscheinlich selber nicht so genau. Er hätte am Ende alle gewählt, als Hartwich ihn nach dem besten Tanz des Abends fragte. Und dabei hatte Glööööööckler vorher sechs Minzten Zeit drüber nachzudenken. Aber vielleicht musste er sich ja auf dem Klo seinen Glitzerschmuck richten. Pompööööööös!

Am Ende zog es sich etwas. Das Publikum ermattete deutlich, selbst der Warm-Upper war sichtlich am Ende. Aber wir alle zogen das ding durch. Dass es langweilig war, kann man jedenfalls nicht behaupten. Live bekommt man eigentlich alles mit, die Akustik im Studio ist hervorragend, anders zum Beispiel als beim rbb. Man sieht alles, in der Studiomitte stehen keine verdeckenden Kameras.
Merkwürdig war nur die Prozedur der Verliererverkündung. Die war ein bisschen lieblos. Und wofür vergibt die Jury eigentlich Punkte? Und wofür werden die Punkte zu einem Ranking von 1-10 gewandelt, wenn das Zuschauervoting danach sowieso nicht aufgelöst und ebenso in Punkte umgewandelt wird? Macht eigentlich keinen Sinn.

Rolfe Scheider (ja, genau der) ist ausgeschieden, obwohl Arthur Abraham und Brigitte Nielsen deutlich schlechter waren.
Ein bisschen sang- und klanglos endete die Show, und wir konnten endlich wieder frische Luft schnappen. Aber es gibt ganz deutlich unangenehmere Live-Shows, bei denen das Publikum sehr viel mehr leiden muss. Alles in allem ein interessanter Abend.
Und: Achim Mentzel! Ich will, dass Achim Mentzel gewinnt!!

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