Tagesarchiv für 9. März 2010

aRTikel

Eine schreckliche Vision: Hansi Hinterseer und die Oscars

Dienstag, den 9. März 2010
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Fernsehen: Die Nacht mit Pro Sieben und dem wichtigsten Filmereignis des Jahres / Partys waren Mangelware

MAZ, 9.3.2010

Die Oscar-Nacht beginnt mit einer schrecklichen Vision: Pro Sieben-Moderator Steven Gätjen steht am Roten Teppich in Hollywood und sinniert, dass in diesem Jahr die deutsche und österreichische Beteiligung an den Awards sehr hoch sei. Im kommenden Jahr werde deshalb wohl Volksmusikstar Hansi Hinterseer die Gala moderieren. Ein Alptraum.

Es ist halb zwei in der Nacht, und meine kleine Oscarparty hat begonnen. Ich scheine so ziemlich allein zu sein mit meiner Feierlaune. Oranienburg schläft, die Fenster in den anderen Häusern sind dunkel. Selbst Berliner Kinos verzichteten auf Oscar-Nächte. Kein Interesse?

Unterdessen hat Steven Gätjen Sandra Bullock am Mikrofon. Ihrer in Deutschland lebenden Familie ruft die Schauspielerin zu: „Zähneputzen!“ Was immer sie ihren Lieben damit sagen will.

2.30 Uhr, die eigentliche Gala in Los Angeles beginnt, und ich schlürfe meinen dritten heißen Cappuccino. Ich will die Sache durchstehen. Die Veranstalter wollen Pep in die Show bringen. Steve Martin und Alec Baldwin führen temporeich durch die Nacht. Mit 3-D-Brillen begrüßen sie „Avatar“-Regisseur James Cameron.
2.47 Uhr. Applaus für Christoph Waltz. Völlig zu Recht bekommt er einen Oscar für seine Rolle in „Inglourious Basterds“, und ich bin nun so richtig wach. Auch als Pixars Animationsfilm „Up“/„Oben“ einen Preis gewinnt. Ich erinnere mich noch an meine Gänsehaut damals, als in den ersten 20 Minuten das Leben von Hauptfigur Carl Frede-ricksen im Schnelldurchlauf gezeigt wird. Ein magischer Kinomoment.

Pro Sieben nutzt die gefühlt 95 Werbepausen während der dreieinhalbstündigen Show für Programmtipps. So gut war ich noch nie über das Programm des Senders informiert. Bei „Desperate Housewives“ zum Beispiel kracht am Mittwochabend irgendein Flugzeug irgendwo rein. Sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Pro Sieben nudelte seine Trailer im Laufe der Nacht zigmal durch. Ganz schön traurig, dass der Sender sich nicht besser auf so ein Event vorbereitet und die Lücken mit ein paar Beiträgen über die nominierten Filme füllt. Die Oscars werden unterdessen im Akkord vergeben. Bestes Drehbuch. Beste Kamera. Bestes Make-Up. Zack, zack! Und ich werde müde. Cappuccino reicht nicht mehr zum Wachhalten.

Die Sache mit dem Akkord endet um 5.25 Uhr. Die Ehrung der besten Hauptdarsteller zieht sich in die Länge. Jeder bekommt eine Laudatio. Mach hinne, Hollywood! Aber nur Tom Hanks hört auf mich. Fast im Vorbeigehen verkündet er den Oscar für „Tödliches Kommando“. Danke und auf Wiedersehen.
6.02 Uhr. Im ZDF läuft das Frühstücksfernsehen. Oranienburg erwacht, nur ich gehe ins Bett. Gute Nacht.

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Standesgemäß

Dienstag, den 9. März 2010
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MO 08.03.2010 | 13.30 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Die Adeligen haben es auch nicht leicht. Eine adelige Frau kann jedenfalls nicht irgendeinen dahergelaufenen Schnösel heiraten. Einen Müller, Meier oder Schulze zum Beispiel. Dann kann sie nämlich ihren Adelstitel in die Tonne treten. Selbst wenn Müller, Meier oder Schulze ihren “von”-Namen annimmt, wird die Adelige aus dem erlauchten Kreis ausgeschlossen.

Das sind harte Sitten. Einen Einblick in diese seltsame Welt erlaubte die Doku “Standesgemäß” am Montag im Bayerischen Fernsehen.
Der Film zeigte aber auch, dass wir Menschen dann aber doch alle ziemlich gleich sind. So erzählte eine der Adligen, dass sie sich ganz automatisch nach Männern umsieht, mit denen sie sich in ihren Kreisen zeigen kann und will. Das mag hochnäsig und arrogant klingen – aber letztlich machen wir das doch alle auch so: Auch wir klopfen in den allermeisten Fällen einen potenziellen Partner daraufhin ab, ob wir mit ihm zu den Freunden gehen können, in die Familie oder sonstwohin, ohne dass man sich dafür schämen muss.
Da nehmen sich Adlige nichts mit den Normalbürgern.

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