Tagesarchiv für 10. September 2008

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Kondome für die Erstwähler

Mittwoch, den 10. September 2008
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Jungpolitiker: Sebastian Kullack (25) und Lukas Lüdtke (19) aus Bergfelde wollen Stadtverordnete werden

MAZ Oranienburg, 10.9.2008

Zur Kommunalwahl am 28. September stellen sich auch junge Leute dem Votum der Menschen in Oberhavel. In der Stadt Hohen Neuendorf treten Sebastian Kullack (25) und Lukas Lüdtke (19) an.

BERGFELDE
Das Interesse von Jugendlichen an der Kommunalwahl hält sich in Grenzen. Diese Erfahrung haben die Bergfelder Sebastian Kullack und Lukas Lüdtke gemacht. Deshalb ließen sie sich etwas Besonderes einfallen: Am Marie-Curie-Gymnasium in Hohen Neuendorf verteilten sie in der vergangenen Woche mehr als 60 Kondome für die Erstwähler.
Für die Linkspartei treten die beiden zur Wahl der Hohen Neuendorfer Stadtverordnetenversammlung an. „Wir verstehen es auch nicht, dass sich so wenige Jugendliche für die Wahl interessieren“, sagt der 19-jährige Lukas Lüdtke. „Dabei könnten die Jungwähler die Richtung der zukünftigen Politik mitbestimmen.“ Der Abiturient und zukünftige BWL-Student will Ansprechpartner sein. „Ich meckere gerne, war in der Schule schon Klassensprecher“, erzählt er. „Es war immer klar, dass ich mich in einer Partei engagieren will. Beim Bundestagswahlkampf 2005 wurde ich aktiver, habe mich eingemischt.“
Der 25-jährige Sebastian Kullack studiert in Berlin öffentliche Verwaltungswirtschaft. „Ich bin noch relativ frisch dabei“, sagt er. Ihn treibt das allgemeine Unverständnis über die Politik um. „Alle fragen sich, warum die Politiker so handeln. Die Leute werden verprellt, deshalb gehen sie nicht zur Wahl. Es muss mehr Feingefühl entwickelt werden.“
Sebastian Kullack und Lukas Lüdtke wollen sich für ein besseres, zentral gelegeneres Jugendklub-Angebot in Hohen Neuendorf einsetzen, ebenso dafür, dass die S-Bahn-Linie 8 wieder öfter verkehrt, so dass die jungen Leute abends aus Berlin auch wieder nach Hause fahren können. Ein Ziel ist auch die Schaffung eines Jugendparlaments in der Stadt.
Und wenn sie gewählt werden? „Dann kommt mehr Arbeit auf uns zu“, sagt Sebastian Kullack. Lukas Lüdtke und er wollen dann voll und ganz in die kommunale Politik einsteigen. Und vielleicht sind die dann ja auch ein Vorbild für andere Jugendliche, die ihnen in die Politik folgen wollen.

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Emmas Glück

Mittwoch, den 10. September 2008
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DI 09.09.2008 | 22.30 Uhr | SWR-Fernsehen

Plötzlich war er da. Einfach so. Auf ihrem Hof gab es einen lauten Knall. Seitdem ist Emma (Jördis Triebel) nicht mehr allein. Zumindest für eine gewisse Zeit.
Der todkranke Autohändler Max (Jürgen Vogel) rast mit seinem Auto einen Abhang hinunter. Auf dem abgelegenen Bauernhof von Schweinezüchterin Emma kommt das Auto zum Stehen. Schwer verletzt wird er von der jungen Bäuerin geborgen. Als sie entdeckt, dass Max haufenweise Geld dabei hat, fackelt sie den Wagen ab – und erzählt Max am nächsten Tag, das sei ganz von allein passiert, im Zuge des Unfalls. Emma kann das Geld sehr gut gebrauchen. Sie ist dermaßen verschuldet, dass auf ihrem Hof bereits der Strom abgedreht wurde. Allein und abgeschieden lebt sie weit außerhalb des Dorfes, wo man sich schon das Maul über sie zerreißt.
Es ist „Emmas Glück“, dass Max bei ihr auftaucht. Nicht nur wegen des Geldes. Im Film von Sven Taddicken päppelt sie den jungen Mann wieder auf. So weit sie das kann: Denn seine Krankheit, Krebs im Endstadium, scheint unaufhaltsam fortzuschreiten.
„Emmas Glück“ ist eine sehr warmherzige, liebevolle Geschichte voller Poesie. Scheinbar ganz einfach verkraften sie das Schicksal, genießen ihre gemeinsame Zeit. Ganz zart, leise, aber hier und da sehr skurril kommt der Film daher.
Jürgen Vogel, der momentan in diversen Filmen zu sehen ist, und Jördis Triebel geben ein gegensätzliches, tragisches und doch harmonisches Paar ab. Triebel, bisher nur als Theaterschauspielerin bekannt, gibt mit „Emmas Glück“ eine Visitenkarte ab.

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Flug 93

Mittwoch, den 10. September 2008
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DI 09.09.2008 | 20.15 Uhr | ZDF

Jeder erinnert sich ganz sicher noch an den 11.September 2001. Ein Flugzeug rast in das New Yorker World Trade Center. Minuten später ein zweites. Und kurz danach ein weiteres Flugzeug in das Pentagon in Washington.
Fast wäre es zu einem vierten Einschlag gekommen. Flug 93 hebt mit mehr als 40 Passagieren und Crewmitgliedern an Bord verspätet ab. Vier Terroristen bringen die Maschine kurz darauf in ihre Gewalt. Sie wollen sie ins Weiße Haus steuern. Als unter den Passagieren bekannt wird, dass es bereits Anschläge gegeben hat, entschließen sie sich, zu handeln.
„Flug 93“ ist ein reißerischer Actionfilm. Gestern lief er im ZDF. Paul Greengrass zeigt schon fast im dokumentarischen Stil, was über die Flugzeugentführung bekannt wurde. Der Überfall. Passagiere in Panik. Letzte Anrufe nach Hause, zu den Lieben, bevor es definitiv zu Ende geht. Und am Ende das entschlossene Eingreifen.
Der Film zeigt aber auch die Hilflosigkeit der überforderten Mitarbeiter in der Flugzeugleitstelle, das Entsetzen, die Trauer, als auf den Großbildschirmen das Grauen zu sehen ist. „Flug 93“ gilt als der erste Kinofilm, der sich mit dem Terroranschlag beschäftigt, „World Trade Center“ lief fast vier Monate später in Deutschland an. „Flug 93“ wagt den bloßen Versuch, zu zeigen, was geschehen ist. Eine Aussage oder eine Botschaft gibt es nicht. Außer vielleicht: Es gab Menschen am 11.September 2001, die hatten den Mut zur Courage. „Flug 93“ ist unbedingt sehenswert, wenn auch erschütternd und sehr traurig.