Tagesarchiv für 19. Juli 2006

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“Musiker, das ist mein weg”

Mittwoch, den 19. Juli 2006
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Michael Semper aus Lehnitz ist Bassist bei der Berliner Band Mariannenplatz


MAZ Oranienburg, 19.7.2006

LEHNITZ

Für seine eigene Abiturfeier im Juni 1998 hatte Michael Semper schon gar keine Zeit mehr. Direkt nach den bestandenen Abschlussprüfungen am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium ging er gemeinsam mit einer Straßentheatergruppe auf Reisen. „Wir spielten in Thüringen den ,Faust’“, erzählt der 27-Jährige. Er selbst spielte Bass. „Damit sind wir herumgetingelt: Schlösser, Burgen und Marktplätze.“
Heute spielt Semper, der lange Zeit in Lehnitz wohnte, in der Berliner Band Mariannenplatz („Nicht wichtig“) Bass. Seit Januar 2006 ist er dabei. Am 7.Juli erschien das zweite Album „Besser als“.
Damals, 1998, hatte Michael Semper „noch keinen richtigen Plan“, wie es nach dem Abi weitergehen sollte. Nach seiner Theatertournee absolvierte er an der Asklepios-Klinik in Birkenwerder seinen Zivildienst. „Fieber messen, Wunden wickeln, Essen bringen“, erinnert er sich.
Inzwischen war er aus Lehnitz in den Prenzlauer Berg nach Berlin gezogen. „Für 130 Mark Miete im Monat, Klo auf der halben Treppe“, schmunzelt er. Mit den Musikern vom Straßentheater reiste er dann mehrere Wochen durch Kuba. „Die Zeit dort brachte für mich die Entscheidung: Musiker, das ist mein Weg.“
Michael Semper spielte in mehreren Bands Punkrock und Freejazz. „Seit April 2000 verdiene ich damit mein Geld“, erzählt er. „Aber reich wird man nicht davon.“
Pete Schulz, den heutigen Sänger und Produzenten von Mariannenplatz, kennt Michael Semper schon sehr lange. Er hatte ihn angesprochen, ob er nicht bei der Band mitmachen wolle.
Am 26.Mai stand Michas bisher größter Auftritt auf dem Plan. Mariannenplatz spielte auf der großen Bühne vor dem Berliner Hauptbahnhof. Zur Eröffnung kamen Hunderttausende Menschen. „Das ist eine wahnsinnige Energie, wenn diese Masse da steht“, sagt er. „Man spielt mit ganz anderer Kraft. Wobei eine solche Masse auch sehr unpersönlich sein kann. Man erkennt ja kaum die zweite Reihe.“ Zumal neben dem Bassisten ständig ein Kameramann des rbb stand. Sein Lieblingslied vom neuen Mariannenplatz-Album ist „Komm“. Michael Semper: „Ich mag die Stimmung in diesem Song.“
Zu seinen Eltern, die noch immer in Lehnitz wohnen, hat er eine sehr gute Beziehung. „Ich bin noch regelmäßg dort“, erzählt er. Inzwischen wohnt Michael Semper mit acht Leuten in einer Kommune auf einem Hof in einem Dorf. „Wo genau, ist geheim.“
Am 1.September wird Michael Semper mit Mariannenplatz in der alten Heimat sein: Die Band wird einen Auftritt im Schlosshof in Oranienburg haben.

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