Tagesarchiv für 4. Juli 2004

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ZAPPER VOR ORT: Wetten, dass…?

Sonntag, den 4. Juli 2004
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SA 03.07.2004, Berlin, Waldbühne

Regen. Den ganzen Sonnabend. Das kann uns doch der Wettergott nicht antun! Monatelang haben wir uns auf die Open-Air-Ausgabe von „Wetten, dass…?“ in der Waldbühne gefreut (war ja auch teuer genug) – und nun? Regen? Nein, natürlich nicht. Pünktlich am späten Nachmittag klart der Himmel auf und beschert uns sogar noch ein wenig Sonne. Dann kann es ja losgehen.
Und irgendwie ist das alles ja schon ein bisschen aufregend. So live beim Fernsehen dabei zu sein. Die Promis mal hautnah miterleben. Nun gut, hautnah: Das Privileg hatten dann doch nur wenige der 19000 Besucher in der Waldbühne. So musste unsereins eben das Fernglas zücken, um nach Promis Ausschau zu halten. Und, ja mein Gott, ist das da nicht Jack White mit seiner Frau? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wahnsinn! Aber, Moment mal, wer ist denn Jack White? Verständnislose Blicke für den Unwissenden. Der total berühmte Musikproduzent sollte uns allen schließlich bekannt sein! Und die beiden jungen Männer da vorne, warum werden die bloß ständig fotografiert? Was, das sind die Söhne vom Gottschalk? Wahnsinn! Der Bruder vom Thommy ist auch da! Na Mensch, da hat sich der Abend ja schon gelohnt – bevor es überhaupt anfing.
Es ist kurz vor acht, als der, ja, der Thomas Gottschalk auf der Bühne erscheint. Wieder: Wahnsinn! Das sehen nur wir, während die zu Hause noch „Unser Charly“ im ZDF sehen! Unfassbar! Über seinem Anzug trägt er noch eine orange ZDF-Team-Jacke, die ihn wie ein Mitarbeiter der Müllabfuhr aussehen lässt. Und: Schwarze Schuhe – zum weißen Anzug. Die Weißen seien ihm während der regnerischen Probe, nun ja… Er braucht jedenfalls neue. Von jemandem aus dem Publikum lässt er sich weiße Schuhe geben. Ja, so isser, unser Thommy! Schnell noch ein paar Fotos und Autogramme für Fans. Fix noch das Lied für Rudi geprobt (tja, nicht alles ist spontan) und schon sind es nur noch drei Minuten bis zum Showbeginn. Augen rechts! Da läuft Klaus Wowereit mit seinem Liebsten die lange Treppe runter zur Bühne. Ganz nah zu sehen – ohne Fernglas! Schon wieder: Wahnsinn! Und Neid bei den Frauen: Wowis Freund sehe ja wirklich sehr gut aus. Logisch, sonst wäre es nicht sein Liebster.
Eurovisionsfanfare, „Wetten, dass…?“-Titelmelodie – und los geht’s! Aus den Bäumen hoch über der Arena kommt eine Kamera angesaust, irgendwie muss das ZDF ja die super Atmo rüberbringen!
Ganz klar: Für 19000 Zuschauer ist selbst Europas größte Fernsehshow zu klein. Wer ganz oben sitzt, kann nur noch einige winzige Punkte untern auf der Bühne erkennen. Den armen Bully Herbig zum Beispiel, der eine halbe Ewigkeit ganz alleine auf der Gästebank vor der großen Bühne rumsitzen muss. Als die Alanis Morissette oben singt. Sehr perfekt übrigens. Playback? Das können sich die 19000 beim besten Willen nicht vorstellen. Dass die gute Nadja Auermann angesichts ihres luftigen Kleides aber ganz schön gefroren haben muss, schon. In der Zwischenzeit wurde im Publikum zwar nicht die umsonst mitgebrachte Regenausstattung ausgepackt, dafür aber ein zweiter Pullover zum Anziehen. Gott sei Dank, das Wetter hält, auch wenn es eben inzwischen ein wenig kühl ist.
Als aber unser aller Ruuudi auf der Bühne erscheint, hält es die meisten nicht mehr auf den Sitzen: Ungeprobte Standing Ovations mit geprobtem „Es gibt nur ein’ Rudi Völler“-Song. Nur einmal gerät die Situation fast außer Kontrolle, als 19000 Fans von Mike Krüger eine Zugabe verlangen – sein Eichel-Song hat deren Nerv getroffen.
Ja, es war nicht immer spannend während der 160 Minuten. Glücklicherweise bietet ja die Waldbühne ein breites Imbiss- und Getränkeangebot. Wie es sich für ein Open-Air-Fest gehört, kommt auch hin und wieder eine mobile Bier- oder Brezel-Station vorbei.
Nach mehr als zweieinhalb Stunden war die Arena vor lauter Konfetti nicht mehr wiederzuerkennen. Mit O-Zone und „Dragostea din tei“ endet dieser Abend, auf den wir schon so lange gewartet hatten.
Und, ja, irgendwie hat es sich doch gelohnt. „So was muss man einfach mal erlebt haben“, war die überwiegende Meinung. Schließlich kann man dem Gottschalk vorm Fernseher nicht dabei zusehen, wie er sich während der Musiknummern die Nase pudern lässt. Auch wenn das hier nur mit dem Fernglas zu erkennen war. Aber trotzdem: Wahnsinn!

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