Monatsarchiv für August 2002

RTelenovela

Ein schönes Wochenende mit dem Schönes-Wochenende-Ticket

Samstag, den 31. August 2002
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„Schluss mit lustig!“ Diese Worte bekam die fünf Monate alte Jenny nach gut zweistündiger Bahnfahrt zu hören. Jenny ist ein Hundebaby. Und Jenny war wahrscheinlich die Tapferste an diesem Sonnabendmorgen im Regionalexpress nach Rostock. Denn wenn man es genau nimmt, gab es eigentlich gerade nichts Lustiges.
Das Wetter ist toll, die Sonne scheint. Warum also nicht mal mit dem Wochenend-Ticket der Bahn nach Rostock? Preiswert, einfach, schnell. Im klimatisierten Großraumwagen noch ein bisschen schlummern. So weit die Vorstellung. Die Realität sah ein wenig anders aus.
Sonnabend, 7.35 Uhr, am Gleis 20 des Oranienburger Bahnhofs. Dicht gedrängt warten die Leute auf den Zug, der eigentlich schon längst da sein müsste. Das mit dem Platz dürfte schwierig werden, das war jetzt schon klar. Wie schwierig, zeigte sich, als der Zug dann endlich einfuhr. Schon jetzt proppenvoll! Ohne Großraumwagen. Das kann ja heiter werden! Schlaf ade! Wie auch, ohne Sitzplatz? Die waren bereits alle besetzt, genau wie auch Gänge und Treppen. Himmel und Menschen, Koffer, Taschen, Fahrräder – der Regionalexpress platzte aus allen Nähten.
Als er den Bahnhof Oranienburg verließ, gab es nur die Möglichkeit, sich irgendwo festzuhalten. Andererseits fuhr der Zug nur im Schneckentempo. Wie lange bis Rostock? Mehr als zwei Stunden. Ohne Sitzplatz, im Stehen. Ich liebe Bahn fahren!
Not macht aber erfinderisch. So musste mein Rucksack als Sitzgelegenheit herhalten. Mitten im Gang saß ich also da und bemitleidete mich. Aber immer nur so lange, bis jemand kam, den ich vorbeilassen musste. Und so schlich unser Zug durch die Gegend: durch Felder und Wälder, an der Großbaustelle des Granseer Bahnhofs vorbei, weiter gen Norden.
Jenny war die Einzige, die uns Freude machte. Obwohl Frauchen der Meinung war, dass sie viel zu unruhig sei. Oder muss sie vielleicht mal? Abhilfe wurde geschaffen: Einfach eine „B.Z.“ auf den Boden gelegt, da könne sie Pipi machen. Aber dafür, ganz tapfer, war selbst Jenny mit ihren fünf Monaten zu stolz. Statt Pipi zerfledderte sie lieber die „B.Z.“ und war damit eine Weile beschäftigt.
Glücklicherweise war die Anteilnahme unter den Sitzenden so groß, dass sie, als sie mal auf den Topf mussten, den Stehenden ihren Platz überließen.
Mit gut 20 Minuten Verspätung rollte der Zug in Rostock ein. Und raus! Endlich!

RTZapper

Das TV-Duell

Montag, den 26. August 2002
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SO 25.08.2002, 20.30 Uhr, RTL/SAT.1

Es war dann doch spannender als erwartet, das erste TV-Duell zwischen Stoiber und Schröder am Sonntag bei RTL und SAT.1. Auch wenn das starre zeitliche Konzept eher störend war. Wen interessiert es, wie viel Sekunden Edi und Gerd mehr geplappert haben als erlaubt? Welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen, dass der Kanzler-Anwärter sechs Sekunden mehr überzogen hat als der momentan auf dem Treppchen stehende? So wurde auch jede Spannung versprechende Diskussion von den beiden Moderatoren abgewürgt. Das ginge alles aufs Zeitkonto. Na und? Wen interessiert das? Ein Duell heißt doch, dass man sich auch ein wenig streitet. Oder irre ich mich da? Vielleicht sollte sowieso Peter Kloeppel Gerhards Job übernehmen. Bei seinen Ausführungen an Gerd hat Edi sowieso lieber den „RTL-Chefmoderator“ angesehen als seinen eigentlichen Gesprächspartner. Danke auch an ARD, ZDF, RTL, SAT.1, n-tv, N24 und Phoenix für die vielen, vielen Analysen. Jetzt wissen wir zwar Bescheid, wie ihr das fandet, aber viel klüger sind wir trotzdem nicht. Friedrich Nowottny hat’s bei RTL versucht: Vor der Werbung meinte er: „Ja, dann können wir ja gehen, es ist alles gesagt.“ Dran gehalten hat er sich nicht.

RTZapper

“Wenn ich Kanzler von Deutschland wär’…”

Mittwoch, den 21. August 2002
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DI 20.08.2002, 22.15 Uhr, ZDF

Geschwafel und Geschwätz: Politiker reden gern um den heißen Brei herum. Am Dienstagabend hatten sie es aber nicht so einfach: Das ZDF lud unter dem Motto „Wenn ich Kanzler von Deutschland wär’…“ Jugendliche und Politiker ein, um über die Themen der Wahl zu diskutieren. Da wurde jedes Blabla gnadenlos aufgedeckt. Bestes Beispiel: Michael Glos (CSU) wurde gefragt, wie man in Deutschland etwas für eine bessere Bildung tun kann. Seine Antwort: Die Pisa-Studie habe ja ergeben, dass in Bayern das beste Bildungsniveau in Deutschland herrsche, was natürlich auch und gerade Edmund Stoiber zu verdanken sei. Ach. Das ist doch mal eine Aussage! Echt passend zur Frage und auch überhaupt nicht wahlkampfmäßig! Deshalb verstand es Herr Glos auch gar nicht, dass das Publikum buhte und eine Jugendliche aus dem Podium meinte, mit so einer Aussage werde die Politikverdrossenheit unter den Jugendlichen nur noch größer! Da war der Herr Glos nicht nur verdammt alt, er sah auch noch so aus! Tja, Pech gehabt. Für Gelaber war da kein Platz! Darüber musste auch Angie Merkel ihre Top-Frisur samt Kopf schütteln. So viel frischen Wind hätte man dem „Kukidentsender“ ZDF gar nicht zugetraut. Auch zeigte Moderator Steffen Seibert, dass er echt was drauf hat. Nur seine Co-Moderatorin (wie hieß die noch gleich?) war irgendwie vollkommen überflüssig. Die stand meistens nur da und… ja, war anwesend.

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48 Stunden Stoiber / Berlin direkt

Montag, den 19. August 2002
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SO 18.08.2002, 19.10 Uhr, RTL
SO 18.08.2002, 19.10 Uhr, ZDF

Beschaulich: Kanzlerkandidat Edmund Stoiber morgens um 8.15Uhr beim Morgenspaziergang. Er muss aber nicht allein in der Gegend rumlatschen, Hans Meiser begleitet ihn. Im Rahmen der RTL-Reportage „48 Stunden Stoiber“ wird gezeigt, was der Edi so den ganzen Tag treibt. Zeitgleich geht er übrigens im ZDF mit Peter Hahne spazieren. Denn auch Hahne will wissen, was der Edi so macht. Und was er in Zukunft machen will. So erfahren wir durch Meiser, dass Stoiber in seiner Schulzeit „Freizeitrülpser“ genannt wurde. Kann er sich heute natürlich nicht mehr leisten. Schade eigentlich. Wäre mal ein Gag! Beim ZDF meint Interviewer Hahne gerade, dass Edi ja wohl Pech gehabt hat: Da ist ein Hochwasser in Deutschland und in seinem Kompetenzteam ist kein Umweltexperte. Doch Edi kontert: Diese Aufgabe ist natürlich durch ihn höchstpersönlich abgedeckt. So, so. Das war uns nun wirklich neu! Schön, dass wir bei RTL auch die Kanzlergattin-Kandidatin Karin „Muschi“ Stoiber kennen lernen durften. Mit der spazierte Meiser auch durch die Gegend. Es wird zurzeit viel spaziert. Also haltet Ausschau nach entgegenkommenden Politikern!

RTZapper

Dresden

Donnerstag, den 15. August 2002
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MI 14.08.2002, Sonnenklar TV

Habe ich irgendwas nicht mitbekommen? „Ach, Dresden ist ja wirklich toll!“ Auf dem Reiseshopping-Sender Sonnenklar TV wurde am Mittwochabend ein Urlaub in Dresden angepriesen. Dazu gab es malerische Bilder aus der Elbstadt. Und: „Wissen Sie schon, wann Sie hinwollen? Dann buchen Sie doch gleich Karten für die Semper-Oper!“ Also, fest steht, dass die Reise so schnell wohl nicht stattfinden wird, denn wie wir alle wissen, steht Dresden momentan unter Wasser. Genau gleichzeitig gibt es auch auf n-tv Bilder aus der Sachsen-Metropole, die alles andere als malerisch sind. Nun gut, die Leute bei Sonnenklar TV scheinen nicht mitbekommen zu haben, dass Dresden gerade von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht wird. Okay, das Leben danach muss weitergehen, doch ein wenig Aktualität kann man wohl auch von einem Reiseshopping-Kanal erwarten.

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live ran: Bundesliga

Samstag, den 10. August 2002
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FR 09.08.2002, 20.15 Uhr, SAT.1

Der Fußball hat uns wieder fest im Griff. Am Freitag begann die 40.Bundesliga-Saison und SAT.1 durfte, Gott sei Dank, wieder einmal ein Spiel live übertragen. Wobei natürlich erwähnt werden sollte, dass alle Spiele nur auf Premiere zu sehen sind. Für nur 5Euro bekommt man die ganze Liga auf Premiere nach Hause! Darauf haben uns die Moderatoren von SAT.1 und Premiere gleich hingewiesen. Auch, dass diese Übertragung erstmals eine Co-Produktion mit Premiere sei! Premiere, wie gesagt, der Sender, der alle Spiele überträgt. Für nur 5 Euro! Dann gab es die üblichen Berichte und Interviews, unter anderem mit dem Premiere-Experten Rudi Völler. Zwischendurch wurde uns gezeigt, wie sich die Spieler warmliefen. Genau vor der Bande mit der Werbung, dass Premiere alle Bundesliga-Spiele überträgt. Und das kostet ja nur 5Euro! Werbespots gab’s natürlich auch. Aber nur bei SAT.1. Bei Premiere gibt es die Übertragung natürlich ohne Werbung. Wenn man 5Euro bezahlen will. Mein Gott, nun kauft doch endlich mal den Mist! Ansonsten haben sich SAT.1 und Premiere völlig umsonst die Mühe gemacht, ihre Werbebotschaft 37-mal rüberzubringen! Es kostet doch bloß 5Euro! Plus Decodermiete.

RTelenovela

Die große Hypnose-Show

Freitag, den 9. August 2002
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„Ich würde das Ganze nie als Hypnoseshow bezeichnen“, stellt Matthias Schubert kurz vor Beginn seiner…, na gut, Vorführung im Oranienburger Schlosshof klar. „Es handelt sich einfach nur um Hypnose.“ Schubert ist Heilpraktiker aus Berlin. Die Show, die keine war, verzögerte sich ein wenig, die wartenden Zuschauer wurden mit Mystery-Musik a la Enya eingelullt. „Hypnose ist nichts, was grenzt an Scharlarlanerie“, rief der Hypnotiseur am Anfang der… (und es war doch eine!) Show ins Mikrophon. „Die Hypnose ist ein Naturheilverfahren. Selbst die Schulmedizin verschließt sich dem Verfahren auch nicht mehr.“ Damit wir Bescheid wissen!
Zehn Freiwillige durften nun auf die Bühne, um die Trance am eigenen Leib zu spüren. Die mussten allerdings kerngesund sein, durften kein Asthma haben, nicht herzkrank sein und sich nicht in psychiatrischer Behandlung befinden. Und natürlich bereit sein für das Unfassbare. Das war nicht jeder von den Zehn.
„Deine Augenlider werden schwer, dein Atmen ist ganz ruhig und gleichmäßig. Mit jedem Ausatmen fällst du immer tiefer und tiefer“, flüsterte Schubert. Doch nicht alle schliefen gleich ein. Für sie war die Show an dieser Stelle bereits zu Ende.
Der 16-jährige Patrick aus Oranienburg stellte sich der Hypnose. „Es hat sich angefühlt, als ob ich kurz vor dem Einschlafen war“, erzählt er nach der Show.
Nach und nach werden die Übriggebliebenen in Trance versetzt. Sie liegen kreuz und quer auf der Bühne und werden nacheinander wieder geweckt, um von Schubert „getestet“ zu werden. Monique, Schülerin aus Oranienburg, hatte plötzlich keine Erinnerung an die Zahl Drei mehr, denn sieben minus vier sind: „Drei!“ Hoppla! Das mit dem Nicht-Erinnern hat da wohl nicht so ganz geklappt. Aber das kann eben immer passieren. Zwischendurch erklärte Matthias Schubert, dass man während der Hypnose den Bewegungsapparat teste, die Augen betrachte und so weiter.
Wenn die Hypnose dafür da sei, dies zu testen, warum macht man dann eine ganze Show draus? Diese Frage wurde nicht beantwortet.
Ines raucht „so zehn Zigaretten am Tag“. Schubert will ihr bewusst machen, dass die Zigarette giftig, der Qualm einfach nur eklig ist. Ines interessiert das herzlich wenig und zieht trotzdem am Glimmstängel. „Sie muss erst die Ursache erkennen, warum sie raucht“, so Schubert daraufhin. Ach so. Klar. Ja, natürlich. Patrick hingegen stinkt die Zigarette ganz schön. Bei ihm hat es geklappt, er hat es verstanden.
Schubert reicht Patrick ein Glas, darin befindet sich eine Giraffe, nur für ihn sichtbar. Sie wird immer größer und schwerer. Er streichelt sie. Winkt ihr nach. Gelächter im Publikum. Das Ganze wird in der Psychotherapie angwandt, „da sieht man, wie es ihm geht, lässt ihn durch Räume gehen“, erklärt der Hypnotiseur. Unklar ist, was die Giraffe damit zu tun hatte.
Überhaupt muss man feststellen, dass Matthias Schubert zwar meinte, dies sei keine Show, die Hypnose habe einen guten Sinn. Mit seiner Vorführung am Freitag bewies er jedoch, dass es sich eben doch um eine Show handelt.
„Als ich da gelegen habe, konnte ich meine Augen nicht mehr öffnen.“ Patrick Neumann erinnert sich genau an alles, was während der gut 75 Minuten passiert ist. Als er aber die Bilder von der Kamera betrachtet, ist er verdutzt. Da lehnt er gemütlich auf der Bühne an seiner unbekannten Sitznachbarin. An diese „Kuschelei“ konnte er sich nicht mehr erinnern.