Tagesarchiv für 16. Januar 2002

aRTikel

Alles wird eben teurer

Mittwoch, den 16. Januar 2002
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Den neuen Euro-Preisen auf den Grund gegangen / Imbiss und Videothek ziehen an

MAZ Oranienburg, 16.1.2002

OBERHAVEL
Der Euro: zurzeit das Top-Thema. Aufmerksam laufen wir durch die Straßen, studieren Preise, rechnen noch in D-Mark um. Und stellen fest: Vieles ist teurer geworden. Jedenfalls im Freizeitbereich. Da uns in den letzten Tagen und Wochen vermehrt Anfragen zu diesem Thema erreichen, wollen wir dem heute in einigen Bereichen auf den Grund gehen.
Imbisse: Ein junges Mädchen beugt sich in einem Bergfelder Döner-Imbiss zum Verkäufer: „Kann ich mal was sagen? Die Döner werden auch immer kleiner.“ Da mag was dran sein, auf alle Fälle sind sie mit der Umstellung auf den Euro auch teurer geworden. Zumindest an den Oranienburger Imbiss-Ständen wurden die Preise recht kräftig erhöht. So hat ein Döner mit Soße letztes Jahr in den meisten Fällen 4Mark gekostet. Jetzt bezahlt man in Oranienburg zwischen 2Euro (3,91Mark) und 2,30Euro (4,50Mark). „Die alten Preise haben uns auch besser gefallen“, meint etwa Monte Carlos, Vorarbeiter bei „Carollis City Snack“ in der Oranienburger Breiten Straße. Die Lieferanten hätten die Preise sehr angezogen. „Wir wollen uns ja auch über Wasser halten“, sagt er. „Unsere Preise liegen unter dem Limit.“ Der City Snack wolle seinen Kunden auch weiterhin Qualität bieten. „Würden die Lieferanten uns Preisnachlässe bieten, könnten wir auch wieder mit den Preisen runtergehen“, erklärt Carlos weiter.
Am Imbiss in Bergfelde hingegen findet man Preise vor, die sogar niedriger sind als vor der Umstellung auf den Euro in Oranienburg. Der Döner mit Soße ist hier für 1,80Euro (3,52Mark) zu haben. Worunter die Qualität des Döners keineswegs leidet.
Discos: Beim „Magic Gate“ in Hennigsdorf waren am Sonnabendabend 12,50Euro (24,45Mark) zu zahlen. Der Preis ist somit ein wenig gefallen. Auf fast gleichem Niveau hält sich auch die „Beat-Fabrik“ Marwitz. 4Euro (7,82Mark) kostet der Eintritt.
Kinos: Auch die Kinos in Oberhavel haben sich mit Preiserhöhungen weitestgehend zurückgehalten. Pro Film zahlt man im Oranienburger „Filmpalast“ am Wochenende 6Euro (11,73Mark), im Hennigsdorfer „Kinocenter im Ziel“ 6,20Euro (12,13Mark). Die Preise sind verhältnismäßig stabil. Im Berliner CinemaxX-Colosseum bezahlt man dagegen 7,50Euro (14,67Mark). Hier wurde noch einmal einiges draufgeschlagen. Im Hennigsdorfer „Ziel“-Kino ist allerdings noch ein weiteres Problem aufgetaucht. So wurde uns berichtet, dass ein Kinobesucher am Sonnabendabend seinen Eintritt nicht mehr in D-Mark bezahlen konnte. Die Kassiererin weigerte sich. Das Kino nehme grundsätzlich keine D-Mark mehr an. Die MAZ fragte daraufhin bei Ewald Barth, Gesellschafter des Kinos, nach. Der war erstaunt. „Das kann eigentlich nicht sein. Die Kassiererin hat andere Anweisungen. Wir haben eine große Kasse mit Wechselgeld.“ Auch weiterhin könne man im „Kinocenter im Ziel“ mit D-Mark bezahlen.
Videotheken: Auch hier gibt es Preissteigerungen. Bei „City Video“ in Oranienburg bezahlt man pro Video 1,35Euro (2,64Mark), über Nacht 2,70Euro (5,28Mark, 28Pfennige mehr). Allerdings gibt es Sonderpreise für Kunden, die sich drei Videos ausborgen.
Ebenfalls tiefer in die Tasche greifen müssen Kunden in der Oranienburger „Video World“. Kostete die Ausleihe pro Geschäftstag vorher 3Mark, sind es nun 1,70Euro (3,32Mark). Ein Verantwortlicher war hier leider nicht zu sprechen. Der Kommentar, den wir am Telefon von einer Angestellten bekommen haben, trifft ja auch so genau den Punkt: „Alles wird eben teurer.“

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aRTikel

Angeeckt: Den Hass im Hirn

Mittwoch, den 16. Januar 2002
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MAZ Oranienburg, 16.1.2002

Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land. Das will es zumindest sein. Dafür wird auch zu jedem erdenklichen Anlass demonstriert. Dann gehen Hunderte, ja oder auch Tausende auf die Straße. Das ist an sich auch eine sehr gute Sache. Zeigt es doch, dass eben nicht so viele Menschen in unserem Land denken, dass Ausländer hier bei uns nichts verloren hätten.
Doch dann, wenn die Demonstrationen vorbei sind, wenn die großen Worte alle gesprochen wurden, dann müssen auch Taten folgen. Denn eines ist klar: Der Kampf gegen den Ausländerhass ist noch lange nicht vorbei. Er beginnt im Kleinen Kreis. Bei jedem von uns. Es gibt jedenfalls keinen Grund, Angst zu haben, wenn ein Dunkelhäutiger die S-Bahn betritt. Oder im Supermarkt hinter uns an der Kasse steht.
Der Hass im Kleinen, im Gehirn, im Denken der Menschen, das ist das eigentliche Problem. Wenn die Eltern mitbekommen, dass ihr Sprössling einen ausländischen Partner hat. Womöglich noch einen Schwarzen. Wer das nicht akzeptieren will, stößt damit auch den eigenen Sohn, die eigene Tochter vor den Kopf. Nur ein Beispiel von sehr vielen.
Überall, ob in Oranienburg, in Liebenwalde, in Berlin oder München, es sollte klar sein: Wir sind nichts Besseres. Aber vor allem: Menschen mit anderer Hautfarbe sind nichts Schlechteres. Legt diese Arroganz, dieses dumme Unwissen, ab.

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