Monatsarchiv für Mai 2001

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Sportschau live: Fußball

Donnerstag, den 24. Mai 2001
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DO 24.05.2001, ARD

War ja dann doch recht spannend, das Elfmeterschießen beim Champions-League-Finale. RTL bekam die große Einschaltquote. Und die wollte die ARD einen Tag später auch. Für den Empfang des FC Bayern München räumte man Himmelfahrt das gesamte Nachmittagsprogramm für dieses große Großereignis frei.
Wahnsinn: Waldi Hartmann, der ansagen durfte, dass die Bayern jetzt mit dem Flieger auf München zusteuern. Dass sie jetzt gelandet sind. Natürlich gab es dahin eine Liveschaltung. Minutenlang eine Großaufnahme der Luke, wo „jeden Augenblick” die Helden rauskommen.
Ein Highlight jagte das nächste. Die Rechte an der Siegesfahrt der Mannschaft vom Flughafen in die Münchner Innenstadt müssen die ARD ganz schön was gekostet haben. Nicht umsonst haben wir die ganze Fahrt live (per Hubschrauber und Motorrädern) genießen dürfen. Nur die Tour de France wird aufwändiger übertragen. Und die Kommentare erst: „Am Straßenrand stehen sie alle. Väter, Mütter, Väter mit ihren Kindern auf der Schulter, zukünftige Väter…” Oder: „Oh, jetzt geht hier gar nichts mehr!” Dafür sollte es umgehend den Deutschen Fernsehpreis geben. Ein Fernsehreporter, der uns vermeldet, dass er jetzt im Stau steht. Wann hat es das schon mal gegeben? Na ja, irgendwann ist die Mannschaft (mit gut zweistündiger Verspätung) doch auf dem Rathausplatz angekommen. Was ich allerdings dann nicht mehr verfolgt habe, der Strand rief. Fast vier Stunden Jubel-TV ohne Inhalt – das muss der ARD erst mal jemand nachmachen!

aRTikel

Die zwanzig Geschworenen

Mittwoch, den 23. Mai 2001
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Kurs Darstellendes Spiel des Veltener Gymnasiums zeigte ungewöhnliches Stück

MAZ Oranienburg, 23.5.2001

VELTEN
„Meine Herren Geschworenen … Dieser Fall ist das schwerste Delikt, das unsere Rechtsprechung kennt. Mord ersten Grades …vorsätzliche Tötung … und jetzt, meine Herren, ist es Ihre Pflicht, sich eine Meinung zu bilden. Ein Mensch ist tot. Das Leben eines anderen liegt in Ihrer Hand. Sie stehen vor einer großen Verantwortung.” Diese Worte werden gesprochen, als die zwölf Geschworenen den Raum betreten. Schuldig oder nicht schuldig? Todesstrafe ja oder nein?
Mit „Die zwölf Geschworenen” hat sich der Kurs Darstellendes Spiel der 12. Klasse des Gymnasiums Velten am Montagabend der Öffentlichkeit präsentiert. Im Laufe von knapp zwei Stunden zeigten sie, welche Diskussionen die Geschworenen austrugen, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Kein leichtes Unterfangen für die jungen Schauspieler, lebt das Stück doch in erster Stelle von dem, was gesprochen wird. Außerdem zeigte sich, dass sich für diesen Kurs ruhig ein paar Jungs mehr hätten melden können, die zwölf [männlichen] Geschworenen wurden fast durchweg von Mädchen gespielt. Was an sich okay ist, bei einigen Rollen allerdings passte die hohe Stimmlage
nicht ganz zur Rolle.
Der zweite Akt begann mit einer kleinen Irritation: Plötzlich hatten acht der Geschworenen ein neues Gesicht. Der Kurs brachte somit insgesamt 20 Geschworene auf die Bühne. Und, ohne die anderen herabwürdigen zu wollen: Der zweite Akt war schauspielerisch besser als der erste. Hin und wieder mangelte es an der Betonung, wirkten die Dialoge zu sehr einstudiert. Die Eindringlichkeit einiger Passagen ging so ein wenig verloren. Auch auf Kleinigkeiten, auf die es im Theater ankommt,
hätte der Kurs etwas mehr achten können: Die Geschworenen wurden in den Beratungsraum eingeschlossen. Wenn der Gerichtsdiener etwas holte, war die Tür plötzlich wieder sperrangelweit offen.
Im Großen und Ganzen ist es aber schon eine Leistung, dieses Stück zu stemmen. Allein das Lernen der umfangreichen Texte ist eine gewaltige Arbeit.
Und: Das Thema Todesstrafe bleibt weiter sehr aktuell, in den USA steht die Vollstreckung eines Todesurteils wieder einmal kurz bevor.

RTZapper

Bundesliga-Konferenz

Samstag, den 19. Mai 2001
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SA 19.05.2001, 15.20 Uhr, Premiere Sport 1

Am Anfang schien es, als ob der Sonnabendnachmittag, was die Bundesliga angeht, nicht sehr spannend würde. Dass Bayern München die Meisterschale holt, schien sicher. Aber dann das…
Das Spiel Hamburg gegen Bayern plätscherte so vor sich hin, wir ärgerten uns schon, dass auf Premiere nur dieses Spiel lief, während auf Schalke ein Tor nach dem anderem fiel. Am Ende siegte Schalke über Unterhaching, die nun auch ganz weg vom Fenster sind, Hamburg schoss ein Tor. Deutschland wähnte Schalke als Meister, die Welt war in
Ordnung, der Sonnabend gerettet. Bis zu diesem Freistoß. Bis zu diesem Tor.
Nun ist eins klar: Es gibt einen Gott. Und er ist Bayern-Fan. Fassungslos sahen wir die Bilder der jubelnden Bajuwaren. Selbst Kommentator Marcel Reif konnte nix mehr sagen, verstand die Welt nicht mehr. Und dann quälte man uns noch wieder und wieder mit dem Siegertor.
Aber spannend war es allemal. Und das bleibt es auch: Mittwoch darf Bayern ruhig die Champions League gewinnen und nächsten Sonnabend Union Berlin den DFB-Pokal.

aRTikel

Bei einer Tasse Kaffee einen Blumenstrauß zusammenstellen

Donnerstag, den 17. Mai 2001
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Stephanie Scharein und Sybille Büttner eröffneten in Zehlendorf den Blumenladen “Tulipa” / Service ist ihnen wichtig

MAZ Oranienburg, 17.5.2001

RT/FLORIAN MORITZ

ZEHLENDORF
Es gab viel zu tun in der vergangenen Woche. Für den Muttertag stellten Stephanie Scharein (21) und Sybille Büttner (34) viele Sträuße zusammen. Seit Anfang April leiten die beiden den „Tulipa”-Blumenladen in der Zehlendorfer Dorfstraße 53. „Wir dachten uns, es wäre schön, sein eigener Chef zu sein”, meint Sybille Büttner. „Den Laden hier habe ich schon immer im Auge gehabt, weil er zentral liegt. Und im Moment sieht es so aus, dass es ein Erfolg wird.”
Wer den Laden betritt, dem fallen neben den vielen Blumen auch antike helle Holzmöbel auf, die ebenfalls zum Verkauf stehen. Ein Glastisch mit Holzstühlen lädt zum Verweilen. „Unsere Kunden kommen hauptsächlich aus Zehlendorf und Umgebung, aber am Wochenende halten auch schon mal Berliner auf der Durchreise”, erzählt Stephanie Scharein, die wie ihre Kollegin gelernte Floristin ist.
Bei „Tulipa” wird alles rund um Floristik angeboten: Braut- oder Geburtstagssträuße, Trauerkränze, aber auch Grabpflegen könnten übernommen werden. „Wir bieten auch viel Trockenfloristik an”, sagt die gebürtige Zehlendorferin Stephanie Scharein. Diese Sträuße werden im kleinen Hinterzimmer selbst hergestellt. Aber auch Dekorationen, Kerzen, Vasen und Servietten können die Kunden bei „Tulipa” kaufen. Die Zehlendorfer äußern sich positiv zum neuen Angebot. „Die Leute sollen auch ein bisschen bleiben können, deshalb haben wir auch einen Tisch und Stühle, wir bieten ihnen auch mal einen Kaffee an”, meint Sybille Büttner. „Wir zwei sind ein gutes Team, die eine kann das, was die andere nicht gut kann.”
„Der Service ist uns wichtig. Wir wollen die Leute lange im Laden behalten”, meint Stephanie. „Manchmal wollen sie einfach nur einen Strauß für zehn Mark, manchmal haben sie spezielle Wünsche.”
Der Blumenladen ist Teil eines kleinen Geschäftszentrums in der Dorfstraße.

aRTikel

Die Idee Rio Reisers (b)rennt weiter

Mittwoch, den 16. Mai 2001
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Kurs Darstellendes Spiel der 13. Kalsse des Runge-Gymnasiums beeindruckte

MAZ Oranienburg, 16.5.2001

ORANIENBURG
„AKW ist nicht okay”, skandiert eine Gruppe Jugendlicher, als sie am Donnerstagabend die Aula des Oranienburger Runge-Gymnasiums betritt. Von der anderen Seite kommen noch mehr Leute, die andere, wegen des Durcheinanders nicht verständliche Parolen rufen. Am Ende einigen sie sich auf einen Spruch, den sie gemeinsam dem Publikum zurufen: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!”
Ein Ausspruch von Rio Reiser. Um den Musiker ging es in dem Programm „Rio (b)rennt”, das der Kurs „Darstellendes Spiel” der 13. Klasse des Runge-Gymnasiums unter der Leitung seiner Lehrerin Heidrun Baumgardt darbrachte. In dem einstündigen Stück wurden Szenen aus dem Leben von Rio Reiser gezeigt. Passend dazu wurde hin und wieder Originalmusik von ihm eingespielt, einige Stücke spielte eine Live-Band.
Das „normale” Leben war Rio ganz schnell viel zu öde. Die Leute um ihn herum nerven ihn.
In dem Stück heißt es: „Holt euer Naschen aus den Taschen! – Mit Alkohol, Zigaretten und Drogen wurde so manche Party zum Rausch.” Eindrucksvoll wurde das vom DS-Kurs vorgeführt – aber nur die Zigaretten waren echt.
„Komm, schlaf bei mir” – zu den Zeilen dieses Reiser-Liedes bildeten sich aus einer anonymen Masse, die sich im Raum bewegte, viele Paare. Frauen und Männer, Frauen und Frauen, Männer und Männer. Zwei blieben übrig. Rio und ein Fremder. Für diese Szene gab es vom Publikum Szenenapplaus.
Das selbige blieb nicht unverschont. Besonders für die in der ersten Reihe sitzenden war Einsatz gefragt. Sei es bei der ersten Hilfe bei einer Katastrophenübung, bei der einigen überraschten Besuchern eine Binde in die Hand gedrückt wurde mit der Bitte, zu helfen. An anderer Stelle wurden die Gäste aufgefordert, bei der Aerobic mitzumachen. Später drückte eine der Schauspielerinnen einer Frau eine Zigarette in die Hand mit den Worten „Halt mal!”.
Im Sommer jährt sich Rio Reisers Todestag zum fünften Mal. „Der Mensch Rio Reiser ist von uns gegangen, nicht die Idee Rio Reiser – sie wird immer weiterleben”, hieß es am Ende. „Seine Texte waren mystisch, voller Andeutungen und Bilder.”
Zu den Klängen von „Junimond” bewegte sich ein Trauerzug für Rio durch die Aula.
Es ist erstaunlich, was die jungen Leute da auf die Beine gestellt haben. Sie haben es geschafft, das Publikum zum Lachen, Staunen, Nachdenken, ja sogar zum Mitmachen zu bewegen. Am Ende gab es Standing Ovations. „Rio (b)rennt” wirkte noch lange nach.

aRTikel

Ein Kaktus für den Liedermacher

Montag, den 14. Mai 2001
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Gerhard Schöne in Grüneberg

MAZ Gransee, 14.5.2001

GRÜNEBERG
Mit der Frage, ob er jetzt noch einmal „das Gleiche wie heute Morgen” erzählen soll, beschäftigte sich der Liedermacher Gerhard Schöne am Freitagabend in der Kirche von Grüneberg. Denn bereits am Vormittag hatte er ein Konzert im Granseer Gymnasium gegeben.
Die Kirche war fast gefüllt, als Schöne mit seinem Konzert begann. Bei dem Programm handelte es sich allerdings nicht um sein Reguläres. Für „Das Perlhuhn im Schnee”, ein Märchenabend für Erwachsene, sei die Kirche nicht so geeignet gewesen, meinte Gerhard Schöne. So bot er an diesem Abend eine Mischung aus neueren und älteren Programmen dar. Die jüngeren Zuschauer vertröstete er, dass seine Kinderlieder, für die er ebenfalls bekannt ist, später singen würde. „Bis dahin könnt ihr ja abschalten”, sagte er scherzhaft.
Stattdessen trug er zunächst vier Lieder aus seinem Zyklus „Seltsame Heilige” vor. In einem der Lieder erzählte er die Geschichte von einer Fahrt mit der Berliner S-Bahn, an deren Fenster sich Schmierereien befinden. Die Passagiere diskutieren darüber, ob sie diese nun beseitigen sollen oder nicht. Bis eine Lehrerin die Initiative ergreift: „Sie kann nicht kapieren, wie viele das schlucken”, heißt es dazu in dem Text von Gerhard Schöne.
Seit 1979 ist er freiberuflicher Liedermacher. Zu DDR-Zeiten wurden seine Schallplatten millionenfach verkauft. Besonders die jungen Zuhörer werden sein 1982 erschienenes Album „Lieder aus dem Kinderland” kennen. Nach der Wende 1989 brachte Schöne zwölf neue Alben heraus und ging mit diversen Programmen auf Tournee.
Seme letzten Veröffentlichungen „Das Leben der Dinge” und „Alligatoren in der Kanalisation” sind seit 1998 zu kaufen. Des Weiteren engagiert er sich als Botschafter von Unicef für die Armen in der Welt.
Seit Anfang des Jahres probt er an seinem neuen Programm, verriet Gerhard Schöne in der Grüneberger Kirche. Er will Schwarzweiß-Bilder an die Wand projizieren, die er als Anregung für seine Lieder benutzt.
Was ein Spiegel im Badezimmer einer Frau so alles denkt, ließ Schöne seinen Zuhörern in seinem Zyklus „Das Leben der Dinge” wissen. Und schon wenn er dieses Thema nur anspricht, gibt es ein Gelächter in der Kirche.
Der Liedermacher versprach, in zehn Jahren wieder nach Grüneberg zu kommen. Als Geschenk wurde ihm, statt Blumen, ein Kaktus überreicht.

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Eurovision Song Contest 2001

Sonntag, den 13. Mai 2001
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SA 12.05.2001, 21.00 Uhr, ARD/RadioEINS

„Estland gewinnt überraschend den Grand Prix!” So stand es am Montag in den Zeitungen. Was heiß hier überraschend? Ich kann stolz von mir behaupten, dass ich die Esten als Favoriten gesehen und auch für sie gestimmt habe.
Zunächst mal ein großes Dankeschön an „RadioEINS”. Da wurde der Abend ebenfalls live übertragen, allerdings mit den bissigen Kommentaren der beiden Österreicher Grissemann und Stermann. Da machte das aües noch viel mehr Spaß (empfehle ich euch fürs nächste Jahr).
Der diesjährige „Eurovision Song Contest” (den Begriff “Grand Prix Eurovision” gibt’s ja offiziell nicht mehr) fand in einem Fußballstadion auf einer riesigen Bühne statt. Aber was dort geboten wurde, war doch überwiegend traurig. Vorn sang irgend jemand einen bedeutangsschwangeren Song und dahinter wurden junge Damen und Herren zu ziemlich bescheuerten Bewegungen gezwungen. Das sollte gut aussehen. Meinten sie.
Na ja, „unsere Michelle” hat das erst gar nicht zugelassen. Ihre, Hintergrundsänger/innen hat sie in den Schatten verdonnert. Dass ja nur sie zu sehen war. Egoistin! Wegen ihrer übertrieben schleimigen Gesten war ihr Auftritt sowieso unansehnlich.
Schweden versuchte es ihm bewährten „Wir-sehen-zwar-so-aus-wie-ABBA-singen-auch-wie-ABBA-sind-aber-gar-nicht-ABBA-Stil: Und scheiterten kläglich.
Bei der Wertung dann der Schock: Deutschland verschmähte die Türkei! Nur sieben Punkte! Haben unsere türkischen Mitbewohner etwa diesmal nicht mitgewählt?
Schön war auch der blinkende Eiffelturm im Hintergrund der Wertungsfrau aus Paris. Der Turm brennt – und niemanden interessiert’s.
Nächstes Jahr wird’s interessant: Grand Prix aus Tallinn. Wir sind gespannt.