Monatsarchiv für Mai 2000

RTZapper

Tic Tac Toe – Comeback?

Dienstag, den 30. Mai 2000
Tags: , ,

Die Angst geht um in Deutschland. Niemand hat das geahnt, geschweige denn gewollt: Tic Tac Toe hat ein Comeback angedroht! Und die Welt fragt sich: Muss das denn sein? Ist die Welt nicht schon böse und schlecht genug? Und nun auch das noch! Können die denn nix anderes außer blöde Sätze ins Mikro zu brüllen, als ob sie die ganze Welt hassen unirden? Gab es keinen anderen Job für Lee und Jazzy? Wahrscheinlich nicht, ansonsten wäre uns das ja auch erspart geblieben.
Dabei waren wir doch alle so froh, als die drei Mädels Ende 1997 nach einem offenen Streit beschlossen, eigene Wege zu gehen. Ricky wurde rausgemobbt und hatte Erfolge mit ihren Solo-Singles. Tic Tac Two hingegen wollte niemand mehr sehen.
Doch dann kam Sara. Das schüchtern wirkende Mädchen sang als „Sara @ Tic Tac Two” mit den beiden übriggeblieben Fräuleins „Nie wieder”. Schon damals mutmaßte ich, dass sie wohl irgendwann gezwungen wird, sich der Band anzuschließen. Und nun ist es soweit. Dabei passt sie so gar nicht zu den anderen beiden. Viel zu lieb und schüchtern sieht sie aus, auf Bildern macht sie oft den Eindruck, als ob ihr das alles selbst nicht gefällt.
„Ist der Ruf erst ruininiert” heißt ihr neues Album, von dem ich nur hoffen kann, dass es wie Blei in den Läden herumliegen wird. Lee und Jazzy haben sich nicht geändert. Die Siegerinnen im „Miss-Voll-auf-Hass-Wettbewerb” machen weiter ihre Musik zum Weghören. Hektisch sucht man nach der rettenden Fernbedienung, wenn das Video irrtümlicherweise doch auf MTV oder VIVA gespielt wird.
Man darf echt gespannt sein, wie das Trio bei den Leuten ankommt. Bisher ist die Stimmung eher negativ, hoffentlich bleibt das auch so. Denn nicht jeder hat Erfolg verdient.

RTZapper

Phoenix vor Ort

Dienstag, den 23. Mai 2000
Tags: , ,

05/2000, Phoenix

Wer denkt, dass auf dem Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix nix los ist, der irrt. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Entertainment vom Feinsten! So gesehen vor Kurzem bei einer Live-Übertragung einer spannenden SPD-Wahlkampfveranstaltung in Dortmund. Ein Hauch von VIVA wehte auf Phoenix, denn der (mehr oder weniger) bekannte Sänger Wolf Maahn hat sich von der SPD einkaufen lassen und einen tollen Schlager über Deutschlands Power-Region Nummer Eins verfasst: „Nordrhein-Westfalen – Im Herzen Europas. In Nordrhein-Westfalen bin ich zu Haus!”
Aber wenn es nur das gewesen wäre! Hinter Wolf Maahn stand die Politiker-Riege der SPD und klatschte und wippte fleißig mit. Wolfgang Clement muss das Lied besonders gut gefallen haben (oder vielleicht tat er auch nur so), jedenfalls gesellte er sich zu dem Schlager-Wolf und schmetterte mit ihm gemeinsam das NRW-Lied. Auch Gerhard Schröder und Franz Müntefering winkten, klatschten, sangen – alle waren supercrazy drauf!!
Na, wenn da mal keine Drogen im Spiel waren! Mal ganz abgesehen davon, dass es schon merkwürdig ist, wenn sich ein Sänger wie Wolf Maahn in die Wahlkampfmaschinerie einbinden lässt. Aber vielleicht hat er ja sonst nicht viel zu tun.
Auf alle Fälle hatte Phoenix den seltenen Fall einer Live-Musikshow. Aber ob das bei dem Wahlvolk auch ankommt? Gut, die SPD hat erneut einen Wahlsieg einfahren können, hat sich aber nicht mit Ruhm bekleckert.
In den nachfolgenden Interviews mit den „Leuten von der Straße” war die Begeisterung über die SPD-Mega-Sause auch nicht sehr überschwenglich. Das Volk lässt sich eben nicht für dumm verkaufen!

RTZapper

Grand Prix Eurovision de la Chanson 2000

Sonntag, den 14. Mai 2000
Tags: , , ,

SA 13.05.2000, 21.00 Uhr, ARD

Durchschnittsware war wieder Trumpf beim diesjährigen Grand Prix Eurovision de la Chanson. Nur weniges hob sich aus dem Schlager-Einheitsbrei ab. Mit seinem “Wadde hadde dudde da” gehörte Stefan Raab zu den Paradiesvögeln und erreichte damit einen guten fünften Platz, obwohl sein Auftritt eher enttäuschend war, fast lustlos. Das Lied war ein einziges Gejaule.
Aber es gab ja noch viel mehr zu sehen und zu hören. So war der Mantel der Niederländerin Linda Wagenmakers fast so breit wie die Bühne. Dieses Wohnzelt-ähnliche Gebilde barg ein Geheimnis in sich: Gegen Ende des Auftritts kamen zwei Typen zum Vorschein, die unter dem Kleid gehockt haben und dort mit wer weiß was beschäftigt waren. Das Kleid der drallen Desire aus Malta dagegen drohte jeden Moment zu platzen.
Dass Alsou aus Russland dabei war, dafür hat ihr Produzenten-Papa gesorgt. Dass sein Töchterchen aber überhaupt keinen Ton trifft, hat er dabei wohl nicht bemerkt.
August und Tellma kamen aus Island. In ihren Sachen sahen sie aus, als ob August Koch in einem Edelschuppen ist und Teüma im Selbigen alle fünf Stunden den Müll raus bringt.
Was die junge Frau aus der Schweiz zum Besten gab, war dagegen völlig uninteressant Viel wichtiger war: Warum wurde Albano (der Albano von „Albano & Romina Power”) zum Backgroundsänger degradiert? Warum hat er sich diese Schmach nur angetan? Hat er das nötig?
Die vier Mädchen aus Mazedonien nannten sich „XXL”. Was bitte schön, war an den Schnitten aber bloß XXL ? Figürlich waren sie eher unauffällig, stimmlich dagegen unterste Schublade. Aber gut, auch hier war eine Produzententochter dabei. Der Ruf von Mazedonien wurde beschädigt!
Einen Paukenschlag gab es aber aus Österreich! Ist das eigentlich noch erlaubt? Dunkelhäutige singen für Österreich? Hat das der Haider Jörg gestattet? Bestimmt nicht, er wird getobt haben. Zumal die „Rounder Girls” soweso nur eine Light-Variante der „Weather Girls” waren.
Übrigens: Das ganze Elend ist jetzt auch auf CD zu haben.
Spannend war wie immer die Punktevergabe, trotz der grässlichen Grafiken des schwedischen Fernsehens. Das sah aus, als ob der Computer in Schweden noch in der Anfangsphase steckt.
Beim Voting gab es echte Überraschungen. Nach langer Zeit gab keine 12 Punkte am Deutschland für die Türkei! In den letzten Jahren konnten die türkischen Beiträge noch so grottenschlecht sein. Deutschland blieb eisern und gab die volle Punktzahl. Diesmal konnten sich unsere TRT-sehenden türkischen Mitbürger nicht durchsetzen.
Und wer hat eigentlich die Schlaftablette Peter Urbans an Mikro gelassen? Mensch, Peter das war keine Bundestagssitzung! Eine echte Alternative war hier wieder das Programm von Radio Eins. Die beiden Wiener Grissemann und Stermann kommentierten bissig den Grand Prix. Ein Ohrenschmaus!

RTZapper

You Drive Me Crazy

Montag, den 8. Mai 2000
Tags: , ,

SO 07.05.2000, RTL II

Na, seid ihr auch gerade dabei, euren Führerschein zu machen? Sitzt ihr auch noch mit schweißnassen Händen hinterm Lenkrad und hofft, dass ihr nichts falsch macht? Dann seid ihr bei RTL II gerade richtig. Dort lief am Sonntag die erste folge von „Yog Drive Me Cräzy”: Normale Leute werden dabei gefilmt, wie sie versuchen, erste Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln.
Nun muss man aber erst einmal genau nachfragen, was man bei RTL II als normal ansieht. Ist es etwa die dicke Puffmutter, bei der der Hintern so breit ist, dass die Handbremse glatt darunter verschwindet? Oder ist es die Hure, die keinen Hehl daraus macht, dass sie einfach nur totalen Schiss vorm Fahren hat? Vielleicht ist es aber auch die Drag Queen, ein Typ, der abends als Frau verkleidet auf Partys geht und dort wilde Shows abzieht? Es könnte aber auch die 75-jährige Oma sein, die sich nun doch noch entschlossen hat, sich hinters Steuer zu klemmen. Oder vielleicht der junge Fuzzi, der sein Geld mit Aktien verdient und so schon mal 250 000 Mark am Tag macht und dessen A-Klasse schon bereitsteht?
Schon beeindruckend, die Normalos von RTL II. Ebenso beeindruckend wie die Tatsache, dass der Sender es schafft, in jedes seiner Formate das Thema Sex und Erotik reinzupacken. Wieso habe ich nur das Gegenteil erwartet?
Die dicke Puffmutter darf zwar (noch?) nicht sagen, in welcher Berliner Gegend sich ihr Etablissement befindet, trotzdem durften wir schon mal einige anregende Bilder genießen. Auch bei der Drag-Queen-Party durften wir dabei sein. Welche Fähigkeiten sie im Verkehr (im Straßenverkehr natürlich) haben, wird sich zeigen.

RTZapper

“Supapa Troupapa”

Dienstag, den 2. Mai 2000
Tags: , ,

Ein neuer Stern am Pophimmel tut sich auf: Leandro, gerade mal 13 Jahre jung, war am Freilag zu Gast in der „Harald Schmidt Show”. Wahnsinn! Erst 13 und schon ein großer Star! Erst 13 und schon pappt sich die „Bravo-lesende Jungmädelgeneration seine Poster an die Wand, um dann in der Nacht schöne Träume zu haben. Und Leandro gibt sich ganz cool. Frech gab er Harald Schmidt contra.
Was aber auffällt: Warumsehen diese trällernden Teeniestars bloß immer wie kleine Mädchen, die sich für die Schuldisko ausbräzeln, aus? Da dürfte der gute Gil für Leandro wohl das große Vorbild sein. Wenn Gil nicht schon „oben ohne” in den einschlägigen Jugendzeitschriften zu sehen gewesen wäre, müsste man glatt auf die Idee kommen, dass er eine weibliche Sängerin mit Hormonproblemen ist.
Auf VIVA lief am Sonnabend eine hochinteressante und äußerst packende Reportage über die „A*Teens”. Ihr wisst schon: die ABBA-Kopierer. Habt ihr euch eigentlich schon malgefragt, welche Aufgabe die männlichen Gruppenmitglieder haben? Meistens haben sie nämlich gar nichts zu tun! Na gut, sie dürfen ab und zu mal „Supapa Troupapa” in ihr Mikro brummen. Das war’s dann aber auch schon.
Ansonsten dürfen die beiden armen Jungs nur noch gut aussehend und dümmlich grinsend neben den Mädels herum stehen. Bekommt man da nicht Mindentfertigkeitskomplexe? Andererseits, wenn ich ordentlich Kohle dafür kriegen würde, mich an ein Mikro zu stellen, um nichts zu tun, würde ich mir die Sache auch sehr gut überlegen! Leichter kann man doch nun wirklich nicht an das große Geld kommen!
Ein weiterer Sänger tourt zurzeit als der „King” durch die Welt. Und er hatte die wohl genialste Idee: Er imitiert einfach Elvis Presley und singt bekannte Songs von anderen Gruppen. Großartig! Jetzt warte ich nur noch auf den Tag, an dem „Elvis” ein Hit von den Backstreet Boys nachträllert. Heutzutage ist schließlich alles möglich!