Monatsarchiv für Dezember 1999

aRTikel

Das Millennium fällt aus!

Mittwoch, den 29. Dezember 1999
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Das neue Jahrtausend beginnt erst 2001, aber wir feiern trotzdem schon jetzt!

MAZ Oranienburg, 29.12.1999

RT/JENNY UHLIG

Dies ist die letzte Jugendseite in diesem Jahrtausend. Das klingt doch irgendwie toll, oder?! Da gibt es aber einige ganz kluge Leute, die uns die Party gründlich vermasseln wollen. Die sagen nämlich, dass das nächste Jahrtausend, das nächste Jahrhundert, das nächste Jahrzehnt erst 2001 anfängt. Wie kommen die nur darauf? Ganz einfach: Unsere Zeitrechnung ist ja keine natürliche Zeiteinheit, sondern eine von uns Menschen festgelegte. Und blöderweise hat man damals nicht mit dem Jahr „Null”, sondern mit „Eins” begonnen. Und wir müssen das jetzt ausbaden! Also nix is’ mit Millenniumsparty – verschoben aufs nächste Jahr, obwohl das doch sehr langweilig klingt: 2001! Also, ihr Schlaumeier: Lasst uns doch die Freude an der 2000 und uns jetzt das Millennium feiern!
Dennoch ist das Jahr-2000-Problem nicht vom Tisch: die Computer. In den 70-ern programmierten die Techniker nämlich nur die hintere zweistellige Jahreszahl, ohne daran zu denken, dass da irgendwann mal zwei Nullen stehen werden. Und jetzt haben wir den Salat! Die Technik wird uns überrumpeln! Wir werden alle sterben! Na gut, so weit wird’s wohl nicht kommen.
Aber sobald irgendwo auch nur ein Mikrochip zu blöd ist, das mit dem Nicht-so-ganz-Millennium zu kapieren, geht alles den Bach runter: kein Wasser, kein Geld von der Bank, die Atomwaffen könnten „aus Versehen” aktiviert werden und natürlich auch kein Strom (Schluss mit Mikro-welle, Radio, Fernsehen und vor allem Zeitung – JUGENDSEITE!).
Vorbeugende Maßnahmen sind also zu treffen. Besucht nochmal den Supermarkt eures Vertrauens (aber nicht hamstern!), fragt bei der Bundeswehr nach E-Packs, holt euch Geld nebst Kontoauszug von eurer Lieblingsbank, tankt euer geliebtes Auto auf (auch wegen der höheren Preise zum nächsten Jahr), besorgt euch Kerzen, Taschenlampen, Streichhölzer und Feuerzeuge, füllt alle Behältnisse, die ihr so zu Hause rumstehen habt, randvoll mit Wasser oder auch wahlweise mit Champagner, meidet Fahrstühle um Mitternacht und harrt der Dinge, die da kommen oder nicht.
Das Beste ist wahrscheinlich, wenn ihr eure eigene kleine Silvesterparty veranstaltet und euch dazu ein paar nette Freunde einladet. Falls wirklich etwas passieren sollte, habt ihr dann wenigstens noch einen schönen Abend gehabt. Und vielleicht können die euch auch über eure Millenniums-Angst hinweg helfen.
Eine Frage bleibt aber weiterhin offen: Momentan leben wir noch in den Neunzigern. Und dann? Kommen jetzt die Nuller? Heißt es dann im Radio: „Die neuesten Hits aus den 80-ern, 90-ern und den Nullern? Wird mangels Bezeichnung alles unter den” Tisch fallen, was von 2000 bis 2009 passieren wird? Was war denn schon groß los zwischen 1900 und 1909, ha? Alles verschwiegen, selbst die Titanic hat mit ihrem Untergang bis 1912 gewartet!
Lasst euch nicht beirren, feiert in Ruhe schlicht und einfach Silvester, wie jedes Jahr! Und wenn tatsächlich etwas passiert ist, kommt’s ja in den Nachrichten. Wenn Strom da ist.

RTZapper

Das war 1999!

Dienstag, den 28. Dezember 1999
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Ein ereignisreiches Medien-Jahr neigt sich dem Ende zu. Was alles passiert ist?

Susan Stahnke machte von sich reden. Bei der „Tagesschau” gekündigt (oder rausgemobbt), strebte sie nach Höherem. Leider hat’s mit Hollywood nicht ganz so geklappt, wie sie und ihr Manager-Mann sich das vorgestellt haben. Jetzt darf Susan die SAT 1-„Newsmaker” ansagen. Toller Job!

Die „Teletubbies” erfreuen die Kinder und nerven die Erwachsenen. Mit der minimalistischen Sprache (”eh, oh!”) machen sie sich nicht nur Freunde. Das geht dem SAT 1-Talker „Ricky!” aber ähnlich. Seine Talkshow wird demnächst abgesetzt. Was sind wir alle froh! Auch Pro-Sieben versuchte sich an neuen Formaten: Die Daüy-Soap „Mallorca” und die „MorningShow” wurden mangels Zuschauer wieder eingestellt.

Abschied nehmen mussten wir 1999 unter anderen von Günter Strack, John F. Kennedy jr., Georg Thomalla, Willy Millowitsch und Rex Gildo.

tm 3 verunsichert seine weiblichen Zuschauer mit dem Rechtekauf an der Fußball-Champions-League. Sollen jetzt die Kerle auch noch den Frauen-Sender sehen? Wenn sie „Spitzen-Fußball” sehen sollen, bleibt ihnen sowieso nichts anderes übrig. 1999 war für die Ball-Fans (weniger für deren Frauen) allgemein paradiesisch. Fast jeden Tag Fußball live.

Stefan Raab feiert einen Erfolg nach dem anderen. Seine ProSieben-Show „TV Total” hat Mörderquoten, seine musikalische Entdeckung (räus-per), die Ö la Palöma Boys, waren wochenlang ganz oben in den Charts, und nun noch der „Maschen-Draht-Zaun”. Regina Zindler trug ihr Problem mit Nachbars Knallerbsenstrauch in ihrem Maschen-Draht-Zaun in der SAT 1-Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch” vor. Wer das verpasst hat, kann die Folge am Donnerstag, 30. Dezember, um 18 Uhr noch einmal sehen!

Und: Boris Becker macht Werbung fur’s Internet: „Bin ich schon drin?” – eines der Schlagworte des Jahres. Nicht mehr lange und wir sind wirklich drin im neuen Jahrtausend.

RTZapper

Weihnachtspräsente 1999

Dienstag, den 21. Dezember 1999
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Ja, ist denn heut’ scho’ Weihnachten? Das nicht, aber in 3 Tagen ist es wirklich soweit. Habt ihr denn schon alle Geschenke beisammen? Wenn nicht, habe ich hier noch einige Tipps für euch.
Wie wäre es beispielsweise mit dem „Smart Clapper’7 Das ist doch nun wirklich ein wundervolles Weihnachtsgeschenk für die ganze Familie! Dieses Gerät macht jeden Lichtschalter und jedes Ein-Aus-Knöpfchen überflüssig. Wollt ihr den Fernseher einschalten, einfach zweimal in die Patschen klatschen, und schon läuft er. Hat man zuviel davon, klatscht man dreimal, und schon hat man wieder seine Ruhe. Das gleiche geht auch mit der Weihnachtsbaumbeleuchtung, mit der Nachttischlampe und… naja, vielleicht auch mit einem elektrischen Vibra… eh, Massagestab. Auf jeden Fall ist der Clapper ein schönes Spielzeug für die ganze Familie. Natürlich sollte man dabei aber aufpassen, dass man sich beim „Musikantenstadl” zusammenreißt, und nicht ständig mitklatscht – es würde sonst das Chaos zu Hause ausbrechen! Und das wollen wir doch nicht, oder?!
Auf Super RTL ist jede Nacht ein Kaminfeuer zu sehen, welches munter vor sich hin lodert. Wenn es runter gebrannt ist, fängt es wieder von vorne an. Aber jetzt das tolle: Es gibt ein Video davon. Für lumpige 70 Mark kann sich der geneigte Zuschauer die Flammen auch zur Prime-Time reinziehen. In der Werbung für dieses „Video des Jahres” heißt es, dass man von nun an keinen Kamin mehr im Haus braucht, schließlich habe man ja jetzt das Super RTL-Kaminfeuer. Wie traurig ist doch diese Welt…

RTelenovela

Mode im Dunkeln

Dienstag, den 21. Dezember 1999
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Eine Show, über die die Stadt spricht, sollte es werden, eine geheimnisvolle Mega-Sause und überhaupt! Ivonne Trenner wird zum Jahresende ihren Modeladen „Harpyie” schließen. Zum Abschied fand am Montagabend im Hotel „Oranienburger Hof” eine Abschiedveranstaltung statt.
Das „kulturelle Ereignis der besonderen Art” war es jedenfalls nicht. Im oberen Raum des Hotels wurde ein Laufsteg aufgebaut, der von rot-weißen Flatterbändern, bekannt von Baustellen, abgegrenzt wurde. Dazu wurden am Ende des Laufstegs auch noch Stühle zur Hilfe genommen, was schon mal super aussah und in uns eine schlimme Vorahnung weckte.
Mit Beginn des Super-Mega-Events wurde das Licht im Raum abgeschaltet und durch ein Flackerlicht ersetzt. Aber da man ja so vielleicht doch noch etwas von den modischen Kreationen hätte sehen können, wurde auch noch Rauch auf den Steg gepustet.
Nacheinander kamen nun die weiblichen und männlichen Models auf die kleine Fläche und liefen hin und her, um uns zu zeigen, was wir nun bei „Harpyie” nicht mehr kaufen können. Beziehungsweise, wenn wir etwas gesehen hätten! Ein paar Informationen über die Klamotten (oder über die Models) wären vielleicht auch nicht schlecht gewesen, das hätte die Sache vielleicht ein bisschen interessanter gemachit. Aber war nicht.
Geschockt wurden die Zuschauer vielleicht nur durch die freien Oberkörper der jungen Männer in der zweiten Hälfte des Acts, ansonsten was das Ganze eher langweilig.
Irgendwann gingen auch die Lichter wieder an, die ersten gingen. Vielleicht gab es ja noch eine zweite Halbzeit, aber da niemand auch nur ein Sterbenswörtchen verloren hat, hielten wir den Event für beendet und gingen.
Um nicht die ganze Veranstaltung schlecht zu reden: Die DJ-Mucke war toll, die hätten wir noch stundenlang hören können. Den Rest konnte man voll vergessen. Und wenn doch noch was Spektakuläres passiert ist, haben wir eben Pech gehabt.

RTZapper

Radio!

Dienstag, den 14. Dezember 1999
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Zurzeit kann man wohl keinen Radiosender hören, ohne dass wir als Hörer darauf Hingewiesen werden, dass ja im Moment die große Radioum-frage stattfindet, wo telefonisch gefragt wird, welchen Sender wir hören. Mich hat niemand angerufen und gefragt. (Na, wird’s bald?!)
Es gibt doch tatsächlich noch Sender, die sich ein wenig vom Einheitsbrei abheben. Mir ist zum Beispiel völlig unverständlich, dass Radio Eins vom ORB so schlecht weg kommt. Das Programm ist nämlich durchaus hörenswert. Ich stieß bei meinem Bundeswehr-Bürojob auf diesen Kanal. (Aber ehrlich gesagt nur deshalb, weil das Gebäude, in dem ich zu tun hatte, nur diese Frequenz mein kleines Radio erreichte.) Und ich war echt angenehm überrascht! Am Morgen moderiert das von „Fritz” bekannte Duo Volker Wieprecht und Robert Skupin. Hier wird viel gute Laune verbreitet, ohne wirklich niveaulos zu sein. Na gut, manchmal schon, aber auf erträglichem Maß. Neben guter Musik gibt es auch Informationen und Berichte. Ein weiteres Highlight ist die Namensforschung, am Vormittag. Hier sagen die Hörer ihren Nachnamen und ein Forscher erklärt ihnen, woher er kommt. Es lohnt sich echt, öfter Radio Eins (95,8 MHz) einzuschalten!
Eine gute Idee hatte auch der Berliner Rundfunk 91,4. Hier entschloss man sich, nur noch Oldies und sogenannte Evergreens zu spielen. So ein Sender hat bei uns tatsächlich noch gefehlt. Die Welle ist am besten fürs Auto fahren geeignet, wo schon mal ein „Boh!” oder „Geil!” aus dem Mund kommt, wenn mal wieder ein toüer ABBA-Song kommt. Aber wahrscheinlich gehört der Berliner Rundfunk nicht umsonst zu den beliebtesten Radiosendern in Berlin und Brandenburg.
Auf der MAZ-Leserpost-Seite findet gerade eine Diskussion über die ORB-Musikprogramme statt: Man kümmere sich zu wenig um die Alten, was auch summt. Momentan wird über Klassiksender verhandelt, aber ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm für Ältere ist beim ORB nicht zu finden!

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: PK “Muppets aus dem All”

Freitag, den 10. Dezember 1999
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FR 10.12.1999, Berlin, CineStar Tegel

Man kommt sich schon irgendwie wichtig vor, wenn man zwischen den anderen wichtigen Fernseh- und Zeitungstypen in einer richtigen Pressekonferenz sitzt. Zum Start des Muppet-Films fand im großen Kinosaal des Berliner CineStar Tegel ein sogenanntes Presse-Event statt. Und ich mitten drin!
Natürlich beginnt so ein Event nicht pünktlich, schließlich lassen Journalisten gerne ein wenig auf sich warten. Die Fernsehkollegen von ProSieben, VIVA, SFB und SAT 1 mussten ja auch noch ihre Kameras postieren.
Um die Illusion von Kermit nicht zu zerstören, verdunkelte sich der Saal. Als das Licht wieder an ging, saß er, zusammen mit einer Moderatorin, vor einem Vorhang. Kermits Puppenspieler muss schon ganz besondere Fähigkeiten haben, da ja nicht nur der Kopf (Mund) der Puppe bewegt werden muss, sondern auch noch Arme und Beine. Für uns unsichtbar, deshalb der Vorhang direkt dahinter.
Die sonst so abgebrühten Journalisten fielen auch gleich in die Kinderzeit zurück (da nehm’ ich mich gar nicht aus). Keiner fand das irgendwie merkwürdig, mit einer Puppe ein Interview zu führen. Für diverse Fotos dürfte die Moderatorin der Pressekonferenz den süßen, kleinen Kermit auch noch knuddeln und küssen.
Da ich nichts gefrühstückt hatte, kam mir der anschließende Brunch gerade recht. Das muss den anderen genauso gegangen sein, denn das Buffett war |iemlich schnell alle. War ja auch umsonst …
Das ganze Foyer wurde mit viel Liebe mit großen Muppet-Plüschfiguren ausgestattet, die überall herum saßen. Der junge Kollege von der BILD-Zeitung konnte die gute alte Miss Piggy wahrscheinlich nicht so richtig leiden, oder warum riss er die Stoffsau gleich mehrmals auf den Boden? Seine Mühen, sie wieder aufzurichten, waren völlig umsonst.
Medien hautnah miterleben, wie oft hat man das schon im Leben?

RTZapper

Talk, Talk, Talk

Sonntag, den 5. Dezember 1999
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SA 04.12.1999, 19.00 Uhr, ProSieben

Im Fernsehen wird ja bekanntlich getalkt bis zum Abwinken. Da liegt es doch nahe, einmal eine Sendung ins Programm zu hieven, in der ausschließlich die Highlights sämtlicher Gesprächsrunden zusammengefasst werden. ProSieben machte Nägel mit Köpfe und gab dieser Sendung den treffenden Namen „Talk, Talk, Talk”.
Und an sich hätte ja schon längst mal jemand auf diese Idee kommen können! Sämtliche durchgeknallte Typen werden hier noch einmal gezeigt, alle Liebesgeständnisse oder Trennungen, die in den Shows zelebriert wurden, kann man sich jeden Sonnabend um 19 Uhr noch einmal antun.
Moderiert wird diese wichtige Informationssendung von Jessica Stockmann, besser bekannt als „Die-Frau-Von-Michael-Stich-die-ab-und-zu-mal-was-im-Fernsehen-macht”. Und da sind wir eigentlich auch schon beim einzigen Makel dieser wundervollen Show. Jessica ist nämlich der Stimmungskiller schlechthin. Ihre steifen und gestelzten Moderationen kann man voll vergessen. Meistens spricht sie, als ob sie irgend welche Drogen genommen hat und sie deshalb leicht „high” ist. Dieser fast flüsterhafte Tonfall geht mir jedenfalls tierisch auf den Geist. Noch eine Kandidatin für den Preis „Schlechteste Moderatorin 1999″.
Es kann natürlich auch sein, dass es sich hierbei um eine der beiden ABM-Stellen bei ProSieben handelt. Von der zweiten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme profitiert übrigens ihr Mann, Michael Stich. Der wird ab Januar für den Privatsender eine Spielshow moderieren. Da freuen wir uns schon ganz doll drauf!