Monatsarchiv für November 1999

RTZapper

Musikclips

Dienstag, den 30. November 1999
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Musik an sich ist ja was schönes. Und wenn man sie sich auch noch im Femsehen ansehen und -hören kann, auch. Und wenn es zu diesem Lied auch noch einen schönen Video-Clip gibt, ist es quasi nicht mehr auszuhalten, so toll ist das! Da können sich die geneigten Zuschauer auf VIVA, VIVA Zwei, MTV oder VH-1 dann ansehen, was den Stars zu ihren Liedchen so alles eingefallen ist Bei einigen von denen ist das allerdings erschreckend wenig.
Nehmen wir zum Beispiel den guten alten Guildo Horn. Seine neueste Single trägt den wunderschönen Namen „Berlin”. Hier erzählt der Schlagerbarde, wie schön und nett und super es in unserer Hauptstadt ist. Dazu singt er „Komm wir ziehen nach Berlin … Da kann man was erleben …” In seinem Videoclip ist nur leider nicht sehr viel von Berlin zu sehen. Nur Guildo vor dem Brandenburger Tor. Ansonsten sieht man noch Cildo, wie er Kisten packt, Guildo, wie er seine Musikinstrumente malträtiert, tja, und dann noch Guildo … und in einer weiteren
Einstellung, na, ihr wisst schon. Was ich, sagen will: Man hätte soviel von Berlin zeigen können, aber Horn zeigt lieber nur sich selbst.
Das gilt auch für Alexey. In seinem Clip „Millennium” ist fast ausschließlich nur er selbst zu sehen. Dabei singt er in seinem gar nicht mal schlechten Lied von den Ereignissen, die die Welt in den letzten gut 20 Jahren so bewegten. Da hätte es sich doch wirklich angeboten, diese Sachen, die Alexey dort anspricht (Becker in Wimbledon, Challenger-Explosion, Mauerfall, Kosovo-Krieg usw. ), in Ausschnitten kurz zu zeigen, oder?! Es wäre ein klasse Musikvideo geworden. So aber ist nur der Typ in den verschiedensten Posen zu sehen und eine gute Idee verschenkt worden.
Vielleicht ist ja Whitney Houston ihr großes Vorbild. In ihren Musikclips ist ja meistens auch nur ausschließlich sie zu sehen. Whitney hier, Whitney da und überhaupt.
Aber das sind dann die Clips, wo man so guckt, was auf den anderen Musiksendern so läuft.

RTZapper

7 Tage – 7 Köpfe

Samstag, den 20. November 1999
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FR 19.11.1999, 22.15 Uhr, RTL

Wieder mal erschüttert ein riesiger Skandal unsere betuliche kleine Fernsehwelt. Nadja ab del Farrag, von allen, aber ganz besonders von ihrem Dieter (Bohlen), „Naddel” genannt, ist sauer. Kann denn das sein? Ja, es kann.
Grund für ihre Säuernis ist die böse, böse Gaby Röster, bekannt aus „7 Tage – 7 Köpfe” und „Ritas Welt” bei RTL, Diese Gaby Köster hat nämlich was ganz, ganz Böses, aber vor allem, ganz, ganz Unwahres über Naddel gesagt. NämUch: „Ist sie wirklich eine Frau? Manchmal sieht sie aus wie eine Transe mit Mördertitten und Tipp-Ex auf den Zähnen.” Zitat Ende.
Und damit eigentlich auch dieser Artikel. Denn das einzige, was man dazu sagen könnte, wäre: „Stimmt irgendwie.” Aber dann wäre dieser Text eindeutig zu kurz. Pflücken wir Gabys Naddel-Meinung mal auseinander.
Stichwort Frauenfrage: Kann man wohl bejahen. Gegenteiliges konnte jedenfalls bisher nicht bewiesen werden. Mal Dieter fragen.
Stichwort Transe: Eigentlich eine Beleidigung für jeden (korrekt)
Transsexuellen. Diese Häme haben sie nun wirklich nicht verdient.
Stichwort Mördertitten: Das kommt natürlich darauf an, was Naddel damit vor hat. Wirklich hübsch sehen die (korrekt) Brüste jedenfalls nicht ans. Irgendwie unecht. Angeschraubt.
Stichwort Tipp-Ex auf den Zähnen: Das würde jedenfalls erklären, warum sie die Zähne eher selten auseinander bekommt, beziehungsweise, immer so eine merkwürdige Art hat zu sprechen.
Naddel ist beleidigt, will eine Unterlassungsklage von Gaby Köster. Aber wurde denn hier wirklich nur die Unwahrheit gesagt? Vielleicht hätte sich der rheinische Comedy-Star einfach nur anders ausdrücken sollen.
Aber Fakt ist doch, däss Naddel zu den untalentiertesten Moderatorinnen des deutsches Fernsehens gehört. Auch nach mehreren Ausgaben von „peep!” hat sie den leicht leiernden Tonfall noch immer nicht ablegen können. Glücklicherweise sehen das die Zuschauer ähnlich: Die Quoten sinken.

aRTikel

Die Kleinsten auf dem Feld

Freitag, den 12. November 1999
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Volleyball: Für “Bonsai” zählt nicht nur der Sieg allein

MAZ Oranienburg, 12.11.1999

SACHSENHAUSEN
Er wird gehegt und gepflegt, er ist klein, aber edel und wenn man ihn immer gut behandelt, kann aus ihm später mal ein ganz Wertvoller werden: der Bonsai. Mit Beginn der neuen Spielsaison in der Volleyball-Kreisklasse-Mixed hat sich die Mannschaft „Grundschule Sachsenhausen”‘ in „Bonsai Sachsenhausen” umbenannt. Die Gründe für den neuen Namen liegen für Trainer Ralf Tschammer auf der Hand: „Wir sind die kleinste Mannschaft.” Was nicht unproblematisch ist, denn beim Volleyball ist die Größe der Spieler oft entscheidend. Da fällt bei „Bonsai” der mit 1,89 Metern Größte Marcel Hempel schon auf, denn im Schnitt sind die anderen wesentlich kleiner.
Trotzdem oder gerade deshalb haben die 16 Mitglieder im Alter von 16 bis 60 Jahren große Freude an ihrem Sport. Die meisten von ihnen kommen übrigens gar nicht aus Sachsenhausen. Zum Training, das jeden Dienstag Abend in der Sporthalle neben der Sachsenhausener Grundschule stattfindet, kommen die Spieler aus Oranienburg, Friedrichsthal, Schmachtenhagen oder sogar aus Zühlsdorf.
Üben, üben, üben, heißt die Devise, so können im Laufe der Saison auch Siege, wie zum Beispiel im ersten Spiel gegen Velten, für das Team eingefahren werden. Gleiches soll beim Punktspiel gegen Hennigsdorf heute Abend erreicht werden. „Unser großes Ziel ist, dass wir am Schluss sagen können, wir haben gut gespielt, auch wenn wir vielleicht verloren haben”, so der Trainer. „Mit zwei, drei Siegen in der Vorrunde wären wir bereits glücklich.” In der Tabelle wird ein Platz im Mittelfeld angestrebt. Selbiges gilt auch für Platzierungen bei Turnieren, so auch beim Turnier des Oranienburger Bürgermeisters am Wochenende, an dem „Bonsai” auch teilnimmt.
Der Verein lebt vor allem von seiner Nachwuchsarbeit, hat immer jugendliche Probespieler. Das war nicht immer so. „Als ich 1995 zu dem Verein kam, war die Mannschaft völlig überaltert”, meint Tschammer schmunzelnd.
Wobei man als Neuling Durchhaltemögen haben muss. „Drei Jahre zum Heranziehen von neuen Spielern braucht man schon”, schätzt der Trainer. Die Mannschaft befinde sich in einem ständigen Umbruch, auch deshalb, weil die Männer im Laufe der Zeit vom Bund verpflichtet werden und die Spieler dann für längere Zeit ausfallen oder auch gar nicht mehr wieder kommen. So sucht „Bonsai” zurzeit vor allem junge Männer, vielleicht sogar mit höherklassiger Erfahrung, die im Spiel auch mal angreifen können.
Die Hege und Pflege des Bonsais geschieht in eigener Regie. Der Verein trägt sich selbst, „Bonsai” hat nicht, wie andere Vereine, einen „großen Bruder”, der ihn mitfinanziert. „Das klappt bisher auch ganz gut, darauf ist die Mannschaft besonders stolz”, fasst der zufriedene Trainer zusammen. Vom Oranienburger Computergeschäft Co-Ne-Co werde man schon gesponsert, „dennoch sind wir über jede finanzielle Unterstützung des Teams dankbar”. Damit der „Bonsai” auch weiterhin wächst und gedeiht.

RTZapper

Dritte Halbzeit

Freitag, den 12. November 1999
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DO 11.11.1999, 22.15 Uhr, RTL

Bei RTL fand vor kurzem bestimmt eine große Konferenz statt, auf der der große Boss des Senders forderte, dass neue Sendungen, neue Ideen zu sehen sein müssten. Gesagt, getan. Die RTL-Kreativ-abteilung tüftelte und bastelte an einem völlig neuen Konzept. Es hat viel Mühe gekostet, aber ihnen ist tatsächlich etwas eingefallen.
Man stelle einen großen Tisch in ein nicht allzu großes Studio. In der Mitte sitzt der Moderator. Rechts und links von ihm werden sechs weitere Damen und Herren platziert. Zusammen plaudern sie dann humorvoll über die Ereignisse der vergangenen Woche. Die Texte sind natürlich geplant und einstüdiert. Und das ist dann lustig.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, es handelt sich hierbei NICHT um „7 Tage – 7 Köpfe”, sondern um die Sport-Comedy-Talkshow „Dritte Halbzeit”. Das Konzept der beiden Sendungen ist allerdings fast identisch. Bei der „Dritten Halbzeit” wird eben aus-schließlich über Sport geplaudert. „7-Tage”-Chef Jochen Busse wird hier von Bjöm-Hergen Schimpf dargestellt. Um ihn herum sitzen sechs „Co-medians” die abwechselnd ihren total „luschtigen” Text vorlesen dürfen. Oder auch mal einen noch tolleren, aber vor allem noch „luschtigeren” Sketch vorspielen. Hin und wieder darf auch mal die „BILD”-Zeitung oder die Fußballbibel „Kicker” in die Kamera gehalten werden. Da stehen dann zwar meistens ziemlich „unluschtige” Sachen drin, aber für einen schlechten Scherz reicht’s allemal
Mal im Ernst: Es ist mir unbegreiflich, was da jeden Donnerstag Abend bei RTL über den Bildschirm flimmert. Mal abgesehen davon, dass der Sender nun schon anfängt, sich selbst zu kopieren, muss es auch noch derart grauenhaft sein, dass sich der Zuschauer nur noch die Haare raufen kann? Und wie man Björn-Hergen Schimpf, Guildo Horn oder gar Hella von Sinnen zu so einem Müll überreden konnte, ist mir sowieso völlig schleierhaft. Na ja, vielleicht brauchten sie das Geld! Am Schluss der ersten Sendung verabschiedete sich Schimpf mit den Worten: „Gute Besserung!” Danke, gleichfalls!

RTZapper

Aktuelle Kamera – Vor 10 Jahren

Dienstag, den 9. November 1999
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MO 08.11.1999, ORB

Was hatten wir doch für ein Glück, dass sich West-Berlin mitten auf dem DDR-Gebiet befand und wir so ohne Probleme das „Westfernsehen” empfangen konnten! Denn da man in der „Aktuellen Kamera” nur über die neuesten Sollerfüllungen der Betriebe sowie die Bruderküsse Erich Honeckers berichtet wurde, informierte man sich dann doch lieber über „heute” oder die „Tagesschau”.
Jetzt allerdings sind die Wiederholungen der „Aktuellen Kamera – Vor 10 Jahren” (immer spätabends im ORB) durchaus interessant. Die meisten der Ereignisse der Wendezeit haben nämlich in der Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens nicht stattgefunden.
Damals nahm man sich noch Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens. Da gab es dann schon mal einen Aufmacher über die supertollen Ernte-Erträge in Kleinkleckersdorf im Kreis Karl-Marx-Stadt. An anderen Tagen wurden minutenlang igendwelche Parteibeschlüsse verlesen. Das muss man sich mal vorstellen: Die Sendung beginnt und der/die arme Sprecher(in) muss fast eine Viertelstunde lang die Ergebnisse des x-ten SED-Parteitages vorlesen. Und gegen Ende der 30-minütigen Sendung gab es auch mal ‘nen Filmbericht. Unabhängig davon, dass das, was die Sprecher da vorlasen, meistens brechend langweilig war, sie taten es fast immer fehlerfrei. Respekt! Eine der bekanntesten AK-Sprecherinnen, Angelika Unterlauf, ist jetzt übrigens bei SAT 1.
Die Sendungen rund um den 7. Oktober 1989, dem vierzigsten Republikgeburtstag, waren ganz besonders interessant. Als Michail Gorbatschow beispielsumse in Ost-Berlin ankam, gab es allein darüber, wie er vom Flughafen ins Stadtzentrum fuhr, einen 15-minütigen Beitrag nach dem Motto „Jetzt fährt der Genösse Gorbatschow gerade durch Käpenick. Und jetzt kommen wir nach Treptow…”
Und überall, an den Straßen standen Leute mit diversen Fähnchen und anderen Winkelementen. Das waren noch Zeiten!