Tagesarchiv für 12. April 1999

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ZAPPER VOR ORT: Mary im Theater am Kurfürstendamm

Montag, den 12. April 1999
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SO 11.04.1999, Berlin, Theater am Kurfürstendamm

Eigentlich wußten wir schon vorher, daß dieser Abend ein ganz besonderer sein wird. Nicht umsonst haben wir uns schon vorher Gedanken darüber gemacht, was wir denn wohl anziehen werden. Es war schließlich auch nicht irgendein Kino oder Theater, das wir besucht haben, sondern DAS „Theater am Kurfürstendamm” in Berlin. Ein Ort, an dem die Reichen und die Schönen verkehren. Und wir an diesem Abend eben auch. Denn wir wollten einmal im Leben den Travestiestar Mary live erleben.
Schon als wir vor dem Theater standen, kamen wir uns vor wie in einer völlig anderen Welt. Überall um uns herum standen (vorwiegend ältere) aufgestylte Damen und Herren und überlegten, ob sie sich ein Glas des völlig überteuerten Sektes kaufen sollten und ärgerten sich darüber, daß im Foyer des Theaters nicht gequalmt werden durfte.
Im Theater selbst saßen auf relativ engem Raum 800 Leute und warteten gespannt auf die Vorstellung. Und ganz ehrlich: Selbst wenn die Veranstaltung total doof gewesen wäre, schon allein wegen der Leute hätte sich der Abend gelohnt.
Eine interessante Frage war zum Beispiel, wieviel Friseur-Arbeitsstunden in diesem Saal saßen. Dutzende mehr oder weniger ansehnliche Haarkreationen konnten wir betrachten. Wobei wir uns hin und wieder fragten, ob die Haare eigentlich echt sind oder ob da ein paar Herren ein wenig „geschummelt” haben.
In einer Loge beispielsweise saß eine Frau (glaubt mir, ihr Alter ist unschätzbar gewesen!), die durch ihre Frisur ihr ganzes Gesicht verdeckte. Nun gut, als sie ihr Haar einmal zur Seite schob, sahen wir
auch den schlimmen Grund! Toll waren nicht nur die Frisuren, sondern auch die Gerüche. Wie in einer Parfümerie. Da waren süße Gerüche, penetrante (aber wahrscheinlich teure) oder auch die unangenehmen Düfte (Ihr könnt euch denken, was ich meine?).
Und auch das Thema muß ich ansprechen, denn eigentlich können einem die Frauen ja leid tun. So wenig Toiletten im Theater – und so viele Damen, die sie benutzen wollten (oder mußten). Mit gequälten Blicken standen sie in einer langen Schlange bis auf den Flur, während die Männer mit glücklichen Gesichtern an ihnen vorbeiliefen.
Daß Marys Vorstellung richtig klasse war, will ich an dieser Stelle aber auch nicht unerwähnt lassen. Und auch sonst war es ein toller und interessanter Abend. Ohne Abstriche.

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