Monatsarchiv für April 1999

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Teletubbies

Dienstag, den 27. April 1999
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DI 27.04.1999, Kinderkanal

Der Gedanke, eine Fernsehsendung für Kleinkinder zu produzieren, ist eigentlich gar nicht so falsch, denn schließlich sehen Kinder auch schon während der frühesten Kindheit fern. Nicht immer, aber immer öfter. Da dachten sich englische Fernsehmacher, daß sie eine sendung für diese “Zielgruppe” herstellen wollen. Das Ergebnis können wir seit einiger Zeit auch im deutschen Fernsehen bestaunen: die “Teletubbies” im Kinderkanal. Da tollen jeden Morgen vier bunte Figuren über eine grüne, künstliche Wiese und brabbeln vor sich hin, fahren dreirad, machen Purzelbäume oder fallen ganz einfach hin.
ich wollte wissen, was ich von dieser Sendung zu halten habe und sah sie mir einmal an. Und wirklich, unsereins ist ja wirklich unterfordert, ja sogar leicht genervt. Da wurde beispielsweise in einem Einspielfilm gezeigt, wie ein Mädchen eine Steppschuhe ausprobiert (”Kommt, ich zeig euch meine Steppschuhe!”). Um dann langsam vor sich hin zu steppen. Für die Kleinen vielleicht ganz interessant. Ich “älterer” Kerl fragte mich allerdings, wann es endlich vorbei ist. Und kennt ihr das auch? Wenn ihr mit eurem kleinen Geschwisterchen spielt, udn es dann ständig “Nochmal!” schreit? Das gleiche taten die Teletubbies nach dem Film. Und das Furchtbare: Der Film kam tatsächlich nochmal. In voller Länge!
Überfordert wird hier also niemand. Wenn sich die Eltern diese Sendung allerdings mit ihren Kindern zusammen ansehen wollen, brauchen sie echte Ausdauer und Geduld.
Übrigens verabschieden sich die Teletubbies am schluß natürlich auch mehrmals): “Winke, winke, Lala!” “Winke, winke!” Und ich sag’ jetzt auch: “Winke, winke!”

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Mein Outing

Dienstag, den 20. April 1999
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Tja, wie soll ich das jetzt am besten sagen, ohne daß ihr angewidert weiterklickt und meint, mit dem Typen wollen wir absolut nichts mehr zu tun haben? Aber es wird allerhöchste Zeit, daß ich es euch sage. Ich kann einfach nicht mehr damit leben, es euch zu verschweigen. Zugegeben, ich habe es auch erst vor kurzem entdeckt, daß ich so bin. Und ich war in diesem Moment echt über mich selbst erschrocken. Aber ändern kann ich es nicht. Und ich will es auch gar nicht ändern.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie es dazu kam. War es der schlechte Einfluß gewisser Menschen, die vorgaben, echte Freunde zu sein und somit meinten, mit mir ALLES machen zu können, mir alles zumuten zu können?
Das Schlimme aber ist, daß das alles seine Wirkung bei mir nicht verfehlt hat. Dieser Mensch mit Einfluß hat es tatsächlich geschafft. Und jetzt sage ich es euch endlich auch…
Nein, ich trau’ mich nicht. Die Folgen sind vielleicht unabsehbar. Rausschmiß? Drohbriefe? Mobbing? Enttäuschung bei vielen Menschen? Aber ich muß es riskieren. einmal muß ich mich ja outen: Ich bin Schlager-Fan.
Irgendwie habe ich es ja immer geahnt. Aber dann lief im letzten Sommer im Kino “Caipiranha”. er löste dann endgültig das Schlagerfieber bei mir aus. Der mensch mit Einfluß (auch Schlager-Fan) förderte dieses Fieber ebenfalls. Wenn ihr mir jetzt Hits von Wolfgang Petry vorspielt, macht ihr mir eine wahre Freude. Wobei ich mich weiterhin von Möchtegern-Stars a la “Schlagerclub mit Frank” distanziere. Aber sonst…
Hoffe, ich muß jetzt nicht singen “Warum schickt ihr mich in die Hölle?” Hossa!

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Sara@Tic Tac Two: “Nie wieder”

Dienstag, den 13. April 1999
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Erinnert ihr euch noch an die legendäre Pressekonferenz im November 1997, die ja bekannterweise das endgültige Ende der Band darstellte? Seitdem ist einiges passiert. Lee und Jazzy traten im März 1998 als “Tic Tac Two” bei der Echo-Verleihung auf und sangen dort ein Lied von Falco nach. Das Publikum reagierte äußerst verhalten (um nicht zu sagen angewidert). Der Auftritt war ein großer Flop.
Im Herbst startete die ehemalige Dritte im Bunde, Ricky, ihr Projekt: “Schmerz in mir” war durchaus erfolgreich.
Etwa zur gleichen Zeit gab es ein Mädel namens Sara. Sie wollte unbedingt berühmt werden. Um das zu schaffen, rief sie bei der Ex-Tic-Tac-Toe-Produzentin Claudia Wohlfromm an, und sang ihr “Yesterday” auf den Anrufbeantworter. Das muß ganz gut geklungen haben, denn Sara wurde sofort engageiert und nahm ein erfolgversprechendes Lied auf. Aber da war ja noch das Tic-Tac-Two-Problem. Wie konnte man es schaffen, daß Lee und Jazzy auch wieder Erolg haben? Ganz einfach: Die beiden durften ein paar Zeilen in Saras Song “Nie wieder” singen. Diese tolle Formation nennt sich nun Sara@Tic Tac Two.
Ich muß es ehrlich zugeben: Das Lied ist nicht schlecht. Aber ohne Lee und Jazzy wäre es noch besser. Man bekommt schon einen Schock, wenn die wirklich hübsche Sara im Video singt und plötzlich die beiden völlig häßlichen Fräuleins auftauchen. Das ganz Video wird dadurch verschandelt! Man ganz abgesehen davon, daß das Gesinge von den beiden überhaupt nicht zum Rest des Liedes paßt. In alter Manier singen sie ihre aggressiven Texte (”Du hast nicht gecheckt…”). Ich meine, daß Sara lieber alleine weitermachen sollte. Es wäre wirklich besser so und würde unsere Nerven schonen.

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ZAPPER VOR ORT: Mary im Theater am Kurfürstendamm

Montag, den 12. April 1999
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SO 11.04.1999, Berlin, Theater am Kurfürstendamm

Eigentlich wußten wir schon vorher, daß dieser Abend ein ganz besonderer sein wird. Nicht umsonst haben wir uns schon vorher Gedanken darüber gemacht, was wir denn wohl anziehen werden. Es war schließlich auch nicht irgendein Kino oder Theater, das wir besucht haben, sondern DAS „Theater am Kurfürstendamm” in Berlin. Ein Ort, an dem die Reichen und die Schönen verkehren. Und wir an diesem Abend eben auch. Denn wir wollten einmal im Leben den Travestiestar Mary live erleben.
Schon als wir vor dem Theater standen, kamen wir uns vor wie in einer völlig anderen Welt. Überall um uns herum standen (vorwiegend ältere) aufgestylte Damen und Herren und überlegten, ob sie sich ein Glas des völlig überteuerten Sektes kaufen sollten und ärgerten sich darüber, daß im Foyer des Theaters nicht gequalmt werden durfte.
Im Theater selbst saßen auf relativ engem Raum 800 Leute und warteten gespannt auf die Vorstellung. Und ganz ehrlich: Selbst wenn die Veranstaltung total doof gewesen wäre, schon allein wegen der Leute hätte sich der Abend gelohnt.
Eine interessante Frage war zum Beispiel, wieviel Friseur-Arbeitsstunden in diesem Saal saßen. Dutzende mehr oder weniger ansehnliche Haarkreationen konnten wir betrachten. Wobei wir uns hin und wieder fragten, ob die Haare eigentlich echt sind oder ob da ein paar Herren ein wenig „geschummelt” haben.
In einer Loge beispielsweise saß eine Frau (glaubt mir, ihr Alter ist unschätzbar gewesen!), die durch ihre Frisur ihr ganzes Gesicht verdeckte. Nun gut, als sie ihr Haar einmal zur Seite schob, sahen wir
auch den schlimmen Grund! Toll waren nicht nur die Frisuren, sondern auch die Gerüche. Wie in einer Parfümerie. Da waren süße Gerüche, penetrante (aber wahrscheinlich teure) oder auch die unangenehmen Düfte (Ihr könnt euch denken, was ich meine?).
Und auch das Thema muß ich ansprechen, denn eigentlich können einem die Frauen ja leid tun. So wenig Toiletten im Theater – und so viele Damen, die sie benutzen wollten (oder mußten). Mit gequälten Blicken standen sie in einer langen Schlange bis auf den Flur, während die Männer mit glücklichen Gesichtern an ihnen vorbeiliefen.
Daß Marys Vorstellung richtig klasse war, will ich an dieser Stelle aber auch nicht unerwähnt lassen. Und auch sonst war es ein toller und interessanter Abend. Ohne Abstriche.