Monatsarchiv für Juli 1998

RTelenovela

Polen (2): Wo liegt Nassadel?

Freitag, den 31. Juli 1998
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Am zweiten Tag unserer Polen-Reise wollen wir in den kleinen Ort, der zur deutschen Zeit Nassadel hieß. Hier lebte Oma Klara.
Nicht weit von Namyslow entfernt, liegt ein Ort, den man vielleicht mit “Neu Nassadel” übersetzen könnte. Als wir durch das kleine Örtchen fahren, ist Onkel Heinz sehr nachdenklich: “Eigentlich war da hinten mal eine Bahnstrecke, am Ortsausgang der alte Bahnhof. Von der Hauptstraße ging nur eine weitere kleine Straße ab. Aber hier? Das sieht hier vollkommen anders aus…” Vati meint, dass sich vielleicht hier ja in den letzten 25 Jahren ein bisschen was verändert hat.
Aber nein, das ist nicht Nassadel!

An einem kleinen Bauernhof stehen ein paar Leute und beladen einen Hänger. Wir stoppen. Vati und Onkel Heinz steigen aus, um nach dem Weg zu fragen. Sie haben die Polen-Straßenkarte ausgebreitet und zeigen mit dem Finger auf das Papier und fagen nach Nassadel.
Eine der Frauen scheint Bescheid zu wissen.
Eine halbe Stunde später fahren wir durch einen Ort, der Jastrczebie heißt. Wir scheinen hier richtig zu sein. Alle sind hin und weg. Da! Die kleine Dorfstraße! Und da hinten! Die Bahnstrecke nach Namslau! Hier! Seht! Die Kirche! Sie sind kaum noch zu bremsen.
Wenig später bleiben wir vor einem Haus stehen, von dem Heinz sagt, dass hier Oma gewohnt hat. Ein Einfamilienhaus, leider ein wenig runtergekommen. Dahinter befindet sich ein noch heruntergekommenerer Schuppen. Im Garten liegt allerlei Bauschutt, der Rasen ist ziemlich breit getreten.
Während die anderen aufs Grundstück laufen, warte ich am Auto.

Pure Begeisterung. Mit lauter Eindrücken von der alten Heimat machen wir uns langsam auf den Weg in die neue Heimat.

RTelenovela

Rügen 1998 (3): Modern Blödsinn auf dem Zeltplatz in Baabe

Donnerstag, den 30. Juli 1998
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Urlaub auf Rügen! Was die Musik dort betrifft, habe ich einiges zu erzählen.
Übernachtet haben wir nämlich auf dem Zeltplatz in Baabe. Da ist es naturlich klar, daß man hört, was die anderen Zeltplatzbewbhner so für schöne Musik hören. Oft kann man aber NICHT von schöner Musik sprechen.
Ich jedenfalls finde es gar nicht schön, von Modern Talking geweckt zu werden! Und wenn dann jemand sogar das ganze Album über den ganzen Zeltplatz erschallen läßt, könnte ich zur Furie werden! Die vier Minuten „You’re My Heart, You’re My Soul” hätte ich ja vielleicht gerade noch so überstanden, aber „Modern Talking” im Dauerprogramm?!
Es ist mir sowieso ziemlich schleierhaft, warum die Musik so bejubelt wird. Noch vor einem guten Jahr konnte man völlig ungestraft wilde
Scherze über Bohlen, Anders und deren „Musik” machen. Heute scheint ja fast eine kleine Hysterie auszubrechen, wenn es um die modernen Talker geht. Die Singles und das Album standen ganz oben in den Charts. Ihr Deutschen, was ist mit euch geschehen?

RTelenovela

Polen: Zurück zu den Wurzeln

Donnerstag, den 30. Juli 1998
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Die Wurzeln unserer Familie liegen im heutigen Polen, in der Gegend um Breslau und Namslau. Opa Max und Oma Klara haben wir gelebt.
Schon vor mehr als 20 Jahren sind Teile unserer Familie ein paar Tage dort gewesen. Seitdem ist viel Zeit vergangen, vieles hat sich verändert. Jetzt machten wir uns erneut auf den Weg.
Nach über dreistündiger Fahrt wurde es Zeit für eine kleine Pause. Zwar war das Warten am Grenzübergang bei Forst auch eine Art Pause, aber leider werden da ja keine Schnittchen gereicht. Das ist zwar bei der spartanischen Raststätte, an der wir angehalten haben, auch nicht zu erwarten gewesen, aber immerhin konnten wir uns wenigstens so von der holprigen Autobahn erholen…

Zwei weitere Stunden später erreichen wir vier Wroclaw, auf Deutsch Breslau. Sie sitzen in einem Cafe und haben uns auf umständliche Art und Weise Kaffee und Kuchen bestellt. Ichj habe dankend verzichtet, denn ich habe gerade festgestellt, dass es McDonald’s auch im befreundeten Nachbarland gibt.
Alles in allem könnte diese Schnellimbiss-Filiale auch in Berlin oder Sachsenhausen stehen, so groß ist die Ähnlichkeit der Einrichtung des Lokals. Aber hier ist er nun mal in Wroclaw, da, wo der “Royal TS” nicht “Royal TS”, sondern “MacRoyal” heißt.

Über Schnellstraßen, Alleen und Holperpisten gelangen wir schließlich nach Namyslow (Namslau). Nachdem wir uns in einem Hotel zwei Zimmer genommen haben, begeben wir uns auf Spurensuche.
Bei genauerem Hinsehen entdeckt man tatsächlich viele Relikte aus der Vergangenheit. Die Gullydeckel auf den Straßen und Wegen haben oftmals noch eine deutsche Beschriftung. Auch an den Hauswänden findet man an einigen Stellen kleine Tafeln, auf denen ein deutscher Text steht. Auch viele Grabsteine auf dem Friedhof lassen die vergangenen Zeiten erahnen.

Zwischen dem Marktplatz und der Stadtmauer von Namyslow erstreckt sich ein größerer Kreisverkehr, der, wenn es anfängt zu dämmern, ein beliebter Treffpunkt für die örtliche Jugend ist. Mit ihren kleinen Fiats donnern sie die Straßen entlang und liefern sich große Verfolgungsjagden.
Kleinstadtrowdys…

RTZapper

Störenfriede

Mittwoch, den 29. Juli 1998
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Fast alle Fernsehmenschen machen jetzt Sommerpause. Da haben wir von den Zeitungen natürlich ein Problem, Stellt euch mal vor, heute hieße es, wir machen jetzt alle Mann drei Wochen Urlaub, in der Zeit erscheinen wir nicht. Wäre doch ärgerlich für euch Leser, oder?! Wobei ich die Idee nicht schlecht finde…
Worauf ich eigentlich hinaus will, ist, daß ich im Urlaub war und ihr habt’s nicht bemerkt…
Aber tröstet euch, während ihr hier mächtig geschwitzt habt, hatten wir auf Rügen scheiß Wetter! Und nicht mal dort läßt einen das Fernsehen in Ruhe!
Wir waren zu viert, als wir den „Dorfkrug” des Ortes betraten. Außer uns war niemand weiter da. Das heißt, an der Theke saß einer, den wir einfach mal als „Penner” bezeichneten. Dahinter saß die Kellnerin, wie gebannt auf einen Fernseher starrend, auf dem gerade ein Herz-Schmerz-Fernsehfilm auf RTL lief. Und wir hatten echt das Gefühl, wir kämen sehr ungelegen. Aber glücklicherweise kam ja dann eine Werbepause, so daß wir dann auch bedient wurden.
Nach unserer Bestellung stellte sich der Penner dann übrigens als der werte Koch des Hauses heraus, was von uns verständlicherweise mit großem „ Hallo” registriert wurde.
Na ja, letztendlich war das Essen okay, der Film war dann wohl doch eher langweilig, denn der Fernseher wurde schließlich abgeschaltet. Ich denke, die Kneipentester der Jugendredaktion hätten hier ihre wahre Freude gehabt…

RTZapper

RTL-Zuschauer sind blöd

Montag, den 27. Juli 1998
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Ich gebe es ja zu: Fernsehen ist eine höchst komplizierte und schwer zu verstehende Angelegenheit. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die geneigten Zuschauer hin und wieder auch mal arg verwirrt sind.
Ein gutes Beispiel dafür lieferten die Zuseher von RTL im Mai. In der Live-Show „Millionär gesucht! – Die SKL-Show” konnte man sich telefonisch beteiligen. Klingt ja relativ einfach. Einige der Leute in ihren gemütlichen Fernsehsesseln waren damit aber schon überfordert. Für die Teilnahme war das Wählen einer 0137-Num-mer die Voraussetzung. Der Rest der Nummer begann mit 1122… Wenn man nun allerdings vergaß, die „0137″ vorzuwählen, landete der Telefonkunde direkt bei der Feuerwehr, Und vergeßlich waren wohl viele. Die Live-Sendung mußte fast abgebrochen werden, weil besagte Notruf-Nummer ständig hoffnungslos blockiert war – nur weil einige Zuschauer offensichtlich nicht richtig lesen konnten!
In einem Leserbrief beschwerte sich eine Frau darüber, daß Hans Meiser seine Sendung ständig um fast fünf Minuten überzieht. So hätten die Kandidaten der nachfolgenden Spielshow „Jeapardy!” doch viel weniger Zeit, die Ratewand zu „bearbeiten”. Aber RTL wird schon wissen, warum das so ist. Denn meistens ist „Hans Meiser” vorproduziert und „Jeopardy!” sowieso. So kommt also jeder zum Zuge. Aber das weiß die Zuschauerin ja nicht. Und die anderen lachen drüber …

RTelenovela

Rügen 1998 (2)

Samstag, den 25. Juli 1998
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Am dritten Tag unseres Rügen-Urlaubs fahren wir ein wenig auf der insel herum.
In Neuensien, einem Ort zwischen Binz und Sellin, haben wir eine Pferdekoppel gefunden. Die anderen sind begeistert. Kurz darauf reiten sie auch schon los, ich verzichte. Das ist nun wirklich nicht mein Ding.
Am nächsten Vormittag packen wir schon wieder unsere Zelte in Baabe ein und machen uns auf den Heimweg.

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Rügen 1998 (1)

Mittwoch, den 22. Juli 1998
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Dreieinhalb Stunden waren wir unterwegs und jetzt ist es endlich so weit. P und C im einen und M und ich in meinem Auto befahren den Rügendamm, die einzige Straßenverbindung von Stralsund aus auf die Insel Rügen.
Viele Erinnerungen an meine Kindheit werden bei mir wach, als ich die Alleen der Insel Rügen befahre. Schließlich waren wir bis 1989 jedes Jahr hier. So wird quasi jede Kurve, jede Kreuzung, jeder Bahnübergang kommentiert. Als dann auch noch kurz vor Binz die Schienen des Rasenden Rolands auftauchen, kennt meine Begeisterung keine Grenzen mehr.
Wenig später befahren wir den Zeltplatz des Ostseebads Baabe. Ziemlich schnell finden wir einen Platz auf einem kleinen Berg, wo die zwei Zelte stehen können. Kleine Wäscheleinen werden an Baum-Ästen festgeknotet, vor die Zelte werden Isomatten als Abstellgelegenheit für Schuhe und Müll platziert.

Es ist heiß. Die Sonne knallt. Der Strand ist nah. Mit Decken, Handtüchern und Rucksäcken laufen wir durch den heißen Sand Richtung Ostsee. Als das Wasser in Sicht ist, bleibe ich kurz stehen und atme tief ein. Die Ostsee!
Es dauert aber nicht lange und es fängt an, zu regnen.
Und hört auch nicht mehr auf. Stundenlang sitzen wir alle in unserem Zelt und spielen eine Romeé-Runde nach der anderen.
Als dann doch eine Regenpause eintritt, beschließen die anderen, an den Strand zurück zu gehen und noch ein bisschen zu spielen. Nur ich habe keine Lust drauf. Ich erkundel mit meinem Golf ein wenig die Gegend.
Diese Erkundungsfahrt wird zu einer Regenschlacht. Heftige Gewitter krachen über dem Auto und Blitze zucken auf, als ich in Groß Zicker anhalte und auf den Bodden hinaus blicke. Der Regen trommelt gegen die Autoscheiben. Als ich in Richtung Baabe zurück fahre, sind die Straßen voller Pfützen.

Zurück am Zeltplatz beschließen wir, zu viert mit meinem Auto ins Dorf zu fahren.
Mir wird ein wenig mulmig zumute, als alle im Auto sitzen. Die Wegfahrsperre funktioniert nicht mehr. Durch den Regen muss irgendwas nass geworden sein. Das Auto macht definitiv keinen Mucks mehr. Der Regen von oben und die Pfützen von unten, waren wohl zu viel für das arme Gefährt. Nun hätten wir ja auch mit Patricks Auto fahren können, dummerweise hat er aber nur einen Zweisitzer, so dass das von vornherein flach fällt. Und während wir nun auf dem Zeltplatz eine Gaststätte suchen, mache ich ebenfalls keinen Mucks mehr.

Wir landen schließlich in einer Fischkneipe auf dem Zeltplatz.