Monatsarchiv für Mai 1998

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Schmuddel-Talk

Montag, den 25. Mai 1998
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Das wollte ich nun wirklich nicht! Als ich Anfang April über den „Sex-Talk” von Arabella schrieb, brach danach (zufällig!) die „Schmuddel-Talk”-Diskussion aus. Auf ProSieben wurde Druck ausgeübt, die Sex-Themen („Ich find’s geil – Ich bin eine Hobbynutte”) zu streichen. Die Themen klingen wirklich oft etwas, na ja, komisch. Aber meistens wird in der Sendung dann doch das Für und Wider diskutiert. Fehler wurden gemacht. Aber was nun passiert, ist das nicht Zensur, dieses Einschreiten von „oben”? Andererseits hätte auch ProSieben selbst ein Machtwort sprechen können. Aber die Quoten!

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Werbung: Telefonsex

Sonntag, den 24. Mai 1998
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Vor ein paar Jahren war es noch angenehm, sich nachts einen Film anzusehen oder per Video aufzunehmen (und ich rede nicht von den billigen Sex-Filmchen!). Es gab beispielsweise die Faustregel, wenn ein Film vom Abend in der Nacht wiederholt wird, sollte man sich ihn dann ansehen. Der Grund: Nachts gab es entweder keine oder nur wenig Werbung.
Wie gesagt: Das war früher. Doch auch diese Marktlücke ist gestopft. Inzwischen sind Werbeblöcke nach Mitternacht fast noch nervtöten-
der als am Tage. Denn dann prasselt ein heißes Telefonsex-Angebot nach dem anderen auf uns ein. Einmal habe ich während dieser Werbeblöcke 27 (!) Spots gezählt. Das bedeutet: 27 verschiedene Damen und Herren, die einfach nur heiß oder geil sind („Wir warten auf dich, stöhn, ächz … “), man hört 27 „0190-Songs” (der bekannteste ist wohl „Nulleinhundertneunzig und sechs mal die …”, ihr wißt Bescheid, irgendwas zwischen eins und drei…), 27 mal der für 1,17 Sekunden eingeblendete Hinweis, daß so’n Anruf bei sexy Natascha ein bißchen mehr kostet als ein einfaches Ortsgespräch, Und wer weiß, vielleicht sitzt am anderen Ende der Leitung nicht sexy Natascha, sondern Hausfrau Uschi und ist am Stricken oder Bügeln, während sie dir sagt, daß … naja, das wäre doch irgendwie abtörnend …

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Einer wird gewinnen

Sonntag, den 17. Mai 1998
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SA 16.05.1998, 20.15 Uhr, ARD

Eine halbe Stunde überzogen. Ganz wie in alten Zeiten. „Einer wird gewinnen” ist wieder da!
Vielleicht erinnern sich ja noch einige von euch an die große Samstagabend-Show mit Hans-Joachim Kulenkampff, die bis 1987 in der ARD lief. Jetzt, elf Jahre später, trat Jörg Kachelmann sein schweres Erbe an. Und er hatte es schwer, im ZDF lief schließlich Fußball, seine Quote war dementsprechend.
Irgendwie war alles so wie früher (soweit ich mich erinnern kann). An den Witz von Kachelmann muß man sich aber noch gewönnen. Den Hustenbonbon aus dem Mund zu pulen, um ihn dem Publikum zu zeigen, ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Auch sollte man dem Publikum nicht Drogen geben, wenn Ricky Martin sein Fußball-WM-Song schmettert. Das Gehampel und Gerudere mit den Armen sah nämlich einfach nur doof aus! Auch bin ich dafür, daß Vicky Leandros ihre deutsche Version von „My Heart Will Go On” nie wieder singen darf! Und, Jörg Kachelmann, die Gäste Wolfgang Fierek und Cherno Jobatey zuerst nach ihren neuen „Projekten” zu fragen, war auch ein bißchen arm („Ja, ich dreh’ gerade eine neue Arzt-Serie …”). Und nächstes Mal pünktlicher, die Leute von den „Tagesthemen” werden es dir danken!

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Grand Prix Eurovision de la Chanson 1998

Sonntag, den 10. Mai 1998
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SA 09.05.1998, 21.00 Uhr, ARD

So langsam fange ich an, an den Deutschen zu zweifeln: Beim diesjährigen Grand Prix Eurovision de la Chanson gaben wir der Türkei die volle Punktzahl! Dabei gehörte Tuzmen mit „Unatamassin” wirklich zu den schlechtesten Nummern im ganzen Wettbewerb! Trotzdem: Es war ein großer Abend! Guildo wurde entgegen allen (auch meinen) Erwartungen mit orthopädischen 86 Punkten siebter und die „Transe” aus Israel gewann. Eine Siegerin, mit der man leben kann. Ich lag auch nicht so falsch, denn meine niederländische Favoritin wurde Zweite,
Der Grand Prix hat Guildo Hörn einiges zu verdanken. Der Schlagerwettbewerb ist bei uns wieder ein Ereignis. Nach 4,48 Millionen Zuschauer waren es nun 12,64. Nicht gerechnet die vielen Guildo-Partys. Und moralisch gesehen hat der „Meisler” natürlich auch gewonnen. Er hatte mit Abstand den spektakulärsten Auftritt! Das einzige Land mit null Punkten war die Schweiz. Und das völlig verdient! -Aber danke für die zwölf Punkte! Ein Dank gilt auch Radio Eins, deren Programm ich während der Übertragung verfolgte. Die bissigen Kommentare der Herren Grissemann und Stermann, die den Grand Prix zu einer Veranstaltung einer psychiatrischen Klinik machten, waren brillant. Spannend wird’s 1999: Wer fährt für uns nach Jerusalem?

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Abi, schriftlich

Freitag, den 8. Mai 1998
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Freitag, 8. Mai 1998. Schicksalstag. Abitur. Die erste von drei Klausuren. Für mich stehen heute vier Stunden Englisch auf dem Plan. Keiner weiß, was rankommt. Theoretisch kann alles passieren. Vom Allerweltsthema “Schule und Alltag”, über die amerikanischen Einsiedler aus England, bis hin zu “Cal” oder der “Animal Farm” (zwei besonders beliebte Bücher, die im Englisch-Unterricht gelesen wurden).
Nun sitzen ungefähr 20 Leute in einem Raum und zittern. Nur noch wenige Minuten, und sie dürfen, müssen loslegen. Überhaupt ist es in der obersten Etage des LHG ziemlich still. Es herrscht eine äußerst angespannte Ruhe. Die Lehrer sind da schon ein wenig relaxter.

8 Uhr. Alle Blätter sind verteilt. “So. Es ist jetzt genau 8 Uhr. Ihr dürft die Blätter jetzt umdrehen. Bis 12 Uhr habt ihr Zeit. Viel Glück!” Die Spannung hat jetzt ihren absoluten Höhepunkt erreicht. Jetzt entscheidet sich alles. Jetzt entscheidet sich, ob man über das Thema gut, einigermaßen oder gar nichts schreiben kann. Ich beginne, mir die beiden Themenvorschläge durchzulesen.
Die Wahl fällt mir nicht allzu schwer. Das eine Thema war, wie man sich die Schule vorstellt. Was besser gemacht werden könnte und so weiter… Das zweite Thema war der Tod von Prinzessin Diana, Ende August letzten Jahres. In dem Text dazu wird erzählt, wie die Menschen geradezu hysterisch auf dieses Ereignis reagierten.
Ich wählte das Diana-Thema aus. Das wichtigste an der ganzen Klausur war erst einmal, dass ich den Text überhaupt richtig verstehe. Und das ist unter Umständen schon problematisch…

Die ersten geben ihre Arbeiten ab. Einige sehen relativ glücklich aus, es scheint ziemlich gut geklappt zu haben. Ich habe noch eine gute dreiviertel Stunde Zeit – und ich muss noch ziemlich viel schreiben…

Und dann ist die erste Abi-Klausur Geschichte. Viele der Schreiberlinge stehen jetzt im Schulflur und beraten die Ergebnisse ihres Denkens. Jetzt kann es eigfentlich nur noch aufwärts gehen…

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Grand Prix Eurovision de la Chanson 1998: Prognose

Freitag, den 8. Mai 1998
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SA 09.05.1998, 21.00 Uhr, ARD

Den „Grand Prix Eurovision de la Chanson” verpasse ich schon mehr als zehn Jahre nicht mehr. Früher mußte man sich dafür noch rechtfertigen. Heute sieht das schon ein wenig anders aus. Sonst gab es nie so ein Brimborium um dieses Ereignis. Aber 1998 ist ja alles anders. Guildo Horns größter Traum ist in Erfüllung gegangen. Am Sonnabend wird er in Birmingham der europäischen Öffentlichkeit mitteilen „Guildo hat euch lieb”. Selten waren die Deutschen so in den Meinungen über den Grand-Prix-Teilnehmer gespalten. Oder besser gesagt: In den letzten Jahren hat’s niemanden interessiert, welche Ralph-Siegel-Retorte welchen Ralph-Siegel-Song schmachten durfte! Oder weiß jemand von euch, daß
Bianca Shomburg mit „Zeit” letztes Jahr kläglich scheiterte (18. Platz)? Und nachdem Leon und sein „Blauer Planet” 1996 erst gar nicht zugelassen wurde, kann man doch getrost sagen: Schlimmer kann’s sowieso nicht werden! Na gut, es wäre wohl ein mittleres Wunder, wenn Guildo siegen würde, noch dazu, weil die englischen Medien über unseren Schlager-Star witzeln (BBC: „Komisch angezogene Peinlichkeit”). Meine Prognose: Hinteres Mittelfeld.
Guildo ist auch nicht die einzige Kuriosität in Birmingham: Israel schickt „Dana International” ins Rennen – einen Transvestiten. Sonnabend heißt es also Daumen drücken für Guildo. Ab 20.15 Uhr in der ARD.