Monatsarchiv für September 1997

RTZapper

Nur VH-1 auf Astra

Montag, den 29. September 1997
Tags: , , , , ,

Ich habe zwar das dumme Gefühl, daß die betreffenden Leute diese Zeilen nicht lesen werden, aber ich rege mich trotzdem auf: Denn ich werde wohl ab 1998 die Musikkrise bekommen, wenn sich nichts ändert! Ich empfange nämlich meine Fernsehprogramme über den ASTRA-Satelliten (Schüssel also). Das Problem dabei: Es gibt nicht einen der zig Musiksender zu empfangen. Kein VIVA, kein VIVA Zwei und MTV, im Gegensatz zum Kabel, nur verschlüsselt. Es gibt nur eine Ausnahme: VH:1 (Wißt ihr noch? Wie Ätsch Wann!). Ganze poplige vier Stunden am Tag gönnt man uns (auf der Nickelodeon-Frequenz). Mit diversen Decodern könnte ich VH-1 zwar rund um die Uhr sehen, aber wer bezahlt schon extra?! Tja, und diese vier Stunden fallen nun zum Jahresende auch noch weg! So beschlossen es zumindest die VH-1-Bosse. Na vielen Dank!! Jetzt is’ nix mehr mit Musik!
Ich könnte jetzt die Pipifax-Sendung „Hit Clip” im WDR sehen. Aber die kommt nur nachmittags. Oder die Videoclip-Show „Extraspät” auf Südwest 3. Aber die kommt sogar nur alle vier Wochen! Totaler Musiknotstand!
Ich fordere: VIVA auf ASTRA!

RTelenovela

Beim Bund gemustert

Freitag, den 26. September 1997
Tags: , ,

“Sehr geehrter Herr Tiesler, ich bitte Sie, sich am 26.09.97 um 07.00 Uhr in 16816 Neuruppin, Rosa-Luxemburg-Str. 26c zur Musterung vorzustellen.”
Heute ist Freitag. Aber kein normaler Freitag, sondern ein ganz besonderer Freitag. An einem normalen Freitag wäre ich nicht um 5.30 Uhr aufgestanden. Aber wie gesagt, es ist KEIN normaler Freitag. Heute ist Musterung – Mein erster Kontakt mit der Bundeswehr.
Voraussetzung ist natürlich erst mal eine etwa einstündige Fahrt nach Neuruppin, dem Sitz des Kreiswehrersatzamtes. Bei Nacht und Nebel…
Und fast ohne Suchen erreiche ihr nur zwei Stunden nach Fahrtantritt das Kreiswehrersatzamtsgebäude.
Im folgenden habe ich mehrere Stationen zu durchlaufen. Zuerst die Voruntersuchung. Dazu gehe ich in einen Umkleide- und Warteraum.

Mir kommt die Zeit ewig vor. Ich sitze in einer kleinen, verdreckten Kabine. Mir wurde ein Kopfhörer über die Ohren gestülpt und ein Drücker in die Hand gegeben. Und immer, wenn ich einen Ton höre, muss ich drücken. Nun ist das aber nicht so einfach: Die ganze Prozedur dauert nämlich mehrere Minuten, die Töne sind allesamt sehr, sehr, also wirklich sehr leise, und die Kabine nicht schalldicht. Und Arzt und Schwester haben sich einiges zu erzählen…

Ich bin ein T3er. ich muss also hin. Mist.
In einem Nebengebäude findet dann der Eignungstest statt.
“Zunächst haben Sie hier einen kleinen Zettel. Bitte beantworten Sie die Fragen!” Ich gehe in den Eignungstestwarteraum.
“Fühlen Sie sich reif für den Wehrdienst?” “Wie ist Ihre Einstellung zur Bundeswehr?” “Befürworten Sie Auslandseinsätze der Bundeswehr?” Diese und weitere lustigen Fragen werden von mir mit wahrer Freude beantwortet.
Mit dem Zettel gehts nun zum richtigen Eignungstest. Der nette Mann am Tisch (alle Menschen, die mit der Bundeswehr zu tun haben, sind nett!) überfliegt meine Antworten und bewegt keine Miene. “So, Sie haben jetzt, hoffentlich erfolgreich, die ärztliche Untersuchung überstanden… Jetzt kommen wir zum Eignungstest, damit wir auch wissen, wo wir sie einsetzen können. Haben Sie denn schon eine Vorstellung darüber, was Sie bei uns machen wollen?” Nein… keine Ahnung… was gibt’s denn da so…? Heer zum Beispiel. Da soll ich hin.

Bei den Bundeswehr-Eignungstests sitzt man vor einem Computer und bekommt erneut Kopfhörer aufgesetzt. Die Tests gehen über Rechtschreibung, Mathematik, Physik, Logik. Die Kopfhörer sind eigentlich überflüssig, denn was man da hört, ist das gleiche, was der angehende Bundeswehr-Soldat auch auf dem Bildschirm lesen kann. Aber egal… Ich arbeitee jedenfalls “oben ohne” (Kopfhörer natürlich).
Am Ende bin ich tatsächlich bundeswehrtauglich. Aber erst ab 30. Juni 1998. Bis dahin bin ich noch freigestellt. Wegen der Schule. Danke, liebe Bundeswehr!

RTZapper

Heinos braune Brille

Montag, den 22. September 1997
Tags: ,

Mir wird plötzlich so braun vor den Augen! Soll ich euch erzählen, warum? Also: Der Männerchor aus Falkensee sollte eigentlich bei einem Auftritt des beliebten Volksmusik-Stars Heino mitwirken. Aber der Chor hat sich dann doch anders entschieden. Ansonsten hätten sie nämlich mit dem Sonnenbrillen-Mann das Lied „Kehr’ ich einst zur Heimat wieder” singen müssen. Der Chor sang nicht, weil dieses Lied einen Affront gegen den polnischen Nachbarn darstelle. Das hat Old-Blondie offenbar wahnsinnig irritiert.
Denn am Telefon soll er (laut einer Berliner Tageszeitung) zum Chorleiter gesagt haben: „Ja, wollt ihr denn Schlesien nicht zurück?” – Tja, ich fürchte, der heiße August war wohl zuviel für den Schlagerbarden. Was ist passiert? Hat sich die Brille von Heino verfärbt (so ins Bräunliche)? Oder hat er seit 55 Jahren seinen Kalender nicht abgerissen? Oder hat er etwa vergessen, seine Pillen zu nehmen? Kann ja schließlich jedem mal passieren, stimmt’s?! Auf jeden Fall: Gute Besserung, Heino!

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: IFA 1997

Sonntag, den 7. September 1997
Tags: , , , ,

Auch ich habe sie überstanden! Denn als vernünftiger Fernsehkieker MUSS man einfach alle 2 Jahre zur IFA! Wo sonst kann man auch so viele Stars auf einmal sehen ?
Der erste Mega-Star, den ich gesehen habe, war Joachim Pukaß. Was, ihr kennt Joachim Pukaß nicht? Das ist doch der Mann, der in der ARD jeden Vormittag die „Presseschau” liest. Also, ich jedenfalls bin fast in Ohnmacht gefallen vor Begeisterung!
Eine Pflicht ist auch der Besuch des Sommergartens. Bei 3sat habe ich fast ein Eis gewonnen, beim ORB habe ich mich um Aufkleber gekloppt, und beim ZDF habe ich eine langweilige Show mit Kai Bocking gesehen: die ZDF-„Sommerparty”. Aber es war sooo schei… Musik, die keiner hören wollte, Gäste, die man entweder nicht kannte, oder die völlig uninteressant sind. Der Applaus des Publikums war dementsprechend … Fast wäre ich bei ProSieben hängengeblieben. Der Auftritt von Caught In The Act stand kurz bevor. Und ich sah sie alle: Mädchen mit sooo ‘nen Augen und ‘nem Fotoapparat in der Hand. Um mich und die anderen Nicht-CITA-Fans aus der Halle zu lassen, mußten die Mädels ein Spalier bilden. Und ich muß sagen: Ich kam mir irgendwie ein bißchen wichtig vor…

RTZapper

Der Tod der Lady Di

Montag, den 1. September 1997
Tags:

Das Faß ist übergelaufen: Da rasen einige wildgewordene geldgierige Paparazzi auf Motorrädern einem dunklen Mercedes hinterher. Mitten hinein in einen Pariser Autobahntunnel. Was das soll? In dem Auto, das mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Nacht jagt, sitzt Diana, frisch geschiedene Princess of Wales, mit ihrem Freund, dem ägyptischen Millionärssohn Dodi al-Fayed. Und die beiden sind Personen des „öffentlichen Interesses”. Die breite Masse hat doch ein Recht darauf, den neuesten Urlaubsklatsch des Skandalpärchens Di und Dodi zu erfahren, oder?!
Während dieser „Hetzjagd” verliert der Fahrer des Wagens die Kontrolle über selbiges und fährt gegen einen Brückenpfeiler. Diana, Dodi, der Chauffeur und ein Bodyguard sterben.
Die Welt ist geschockt. Tod durch Paparazzi? Sind sie schuld? Oder sind wir vielleicht irgendwo alle mitschuldig? Eine Frage, die sich im ersten Taumel des Schocks wohl kaum einer stellt. Doch jeden von uns (und fast niemand kann sich ausschließen!) trifft eine gewisse Mitschuld. Wir alle lesen begeistert die neuesten Klatschgeschichten von allen möglichen Prominenten. Mit der Gier nach Sensationen, der Lust, sich am Leid anderer zu weiden, schrumpft die individuelle Freiheit jeder berühmten Person. Die Auflagen einschlägig bekannter Gazetten werden heillos in die Höhe getrieben – doch kaum jemand ist jetzt bereit, sich dies einzugestehen.
Die Di-Dodi-Story war ohnehin gerade ein Hauptthema der Medien in aller Welt. Ist es wirklich von „öffentlichem Interesse”, daß die Prinzessin gerade Urlaub macht – mit wem und wo auch immer?
Und noch eine Frage: Wird die Presse daraus etwas lernen? Wird in Zukunft auch mal darüber nachgedacht, die Rechte des Promis auf ein unberührtes Privatleben zu schützen? Ich glaube nein! Denn Geld regiert die Welt – und nichts anderes.