Wunderbare Jahre

MO 15.08.2022 | Disney+

Nicht nur das Fernsehen schwimmt auf der Retrowelle mit. Die Streamingdienste mischen da ganz fleißig mit. Wobei: Nicht immer, wenn Retro drauf steht, ist auch Retro drin. Manchmal wird auch einfach nur ein Serientitel geklaut, vielleicht noch das Motiv der früheren Serie, und dann entsteht unter dem alten Etikett was ganz Neues. Was dem ganz Neuen aber nicht immer gut tut, weil es ja ein Label hat, mit dem es dann natürlich auch verglichen wird.
Ein solches Beispiel ist „Wunderbare Jahre“ bei Disney+.

„Wunderbare Jahre“ gehörte in den frühen 90ern zu meinen Lieblingsserien. Sie lief ab 1990 beim damaligen RTL plus, ich konnte sie etwa ab 1991 sehen, als RTL plus in Berlin auf Antenne zu empfangen war.
Es ging um Kevin Arnold, seine Familie und seine Freunde. Kevin erzählte die Storys im Off als Erwachsener. In der Serie stand er am Anfang der Pubertät, irgendwann in den 60ern und 70ern. Kevins bester Freund war Paul Pfeiffer, und dann gab es noch Winnie Cooper, in die Kevin immer ein bisschen verknallt war. Es ging um die erste Liebe, um Familienprobleme und mehr.
Es war großartig, und merkwürdigerweise wird die Serie kaum wiederholt. Prägnant ist bis heute der Titelsong von Joe Cocker, „With a little Help from my Friends“.

Und, klar, „Wunderbare Jahre“ von 2021 muss sich mit „Wunderbare Jahre“ von 1988 messen lassen. Denn immerhin hatte man sich am Titel und auch ein wenig an der Story bedient.
Das kann nur schief gehen.

In der Neuauflage geht es um den 12-jährige Dean Williams aus einer schwarzen Mittelklassefamilie. Denn hier geht es um das Leben einer schwarzen Familie in den späten 60ern. Auch hier wird aus dem Off von einer Erwachsenenstimme alles erzählt, aber natürlich sind die Erinnerungen in diesem Fall viel weiter zurückliegend, der Erzähler müsste ja um die 60 sein.
In den Geschichten, die in Montgomery, Alabama, spielen, geht es dementsprechend auch um die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. Wie sich Rassenhass in den Alltag schlich und wie Dean und seine Leute damit klarkommen.

Das ist an sich eine schöne Idee. Aber letztlich auf eine enttäuschende Art sehr nüchtern. Wo „Wunderbare Jahre“ von damals immer sehr herzlich, ein bisschen gefühlsduselig und lustig war, ist „Wunderbare Jahre“ von heute all das nicht oder nur selten. Die Neuauflage ist nur selten wirklich lustig, die Protangonisten bleiben einem seltsam fern.
Wäre das irgendeine neue Serie mit irgendeinem Namen wäre das noch okay gewesen – aber der Vergleich mit der gleichnamigen Serie von damals, macht es ihr unnötig schwer, und diesen „Kampf“ verliert sie auch ziemlich sang- und klanglos. Das ist wirklich schade.

Einmal übrigens nimmt die Serie auch Bezug auf damals: Eine Band spielt in einer Folge von bekannten Joe-Cocker-Song.

-> Die Serie bei Disney+


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