RTelenovela

Zweibrücken – zwei Flüge

Donnerstag, den 25. November 2010
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Ganz sanft sinkt das Flugzeug aus Schönefeld über die rheinland-pfälzsichen Dörfer. Gleich werden wir in Zweibrücken landen. Das Flugzeug setzt auf, bremst – und dreht um. Auf der Landebahn, auf der wir eben angekommen sind, macht der Flieger kehrt und rollt zurück, biegt ab zum Gate.
Wo erlebt man so was schon mal? Das kann nur ein Flughafen sein, auf dem… nun ja, wenig los ist.

Die Ankunftshalle sieht aus wie eine provisorische Halle im Gewerbegebiet. Die Toiletten befinden sich in Containern.
Wir laufen raus und stehen im Nirgendwo. Selbst das Zentrum von Zweibrücken liegt einige Kilometer entfernt – und sonst ist viel freie Erde zu sehen.

Zehn Stunden später. Wir kehren nach Zweibrücken zurück. Wir wollen wieder nach Schönefeld. Die Abflughalle ist noch ziemlich leer.
Auf dem Bildschirm stehen die Flüge des Tages. Um 8.20 Uhr ging ein Flug nach Schönefeld. Um 19.45 Uhr geht ein Flug nach Schönefeld.
Und das war’s.
Klar, dass da noch Platz für den morgigen Flugplan ist. Für 8.20 Uhr ist ein Flug nach Schönefeld angekündigt. Um 19.45 Uhr soll dann ein Flug nach Schönefeld gehen.

Warum ist eigentlich noch keiner auf einen vernünftigen Werbeslogan für den Flughafen Zweibrücken gekommen. Passend wäre: Zweibrücken – zwei Flüge.

Zweimal am Tag ist also was los in der Halle. Hin und wieder startet wohl mal ein Urlauberflieger. Dennoch gibt es eine langgezogene Bar, an der es Getränke und Speise gibt. Verkaufen die den ganzen Tag? Wenn ja: für wen? Es kommt doch niemand!
Durch die Halle schlendert ein schwerbewaffneter Polizist. Seine Maschinenpistole macht keinen besonderen Eindruck. Offenbar glaubt niemand so richtig an einen Anschlag in Zweibrücken. Ein Chaos würde der jedenfalls nicht auslösen. Zwei Flüge würden halt ausfallen.

Eine weibliche Stimme fordert die Passagiere des Fluges nach Schönefeld auf, die Sicherheitsschleuse zu passieren. Das findet sie so aufregend (es passiert ja nur zweimal am Tag), dass sie das alle 10 Minuten wieder macht. Oder ist es doch nur eine Stimme vom Band?

Welchen Sinn hat es, für zwei Flüge einen ganzen Flughafen offen zu halten? Und das, wo Saarbrücken und Hahn nicht all zu weit entfernt sind. War es besonders billig, in Zweibrücken zu investieren? Über Fluglärm regen sich die Dörfler rumherum sicher nicht auf – für die zwei Flüge würde sich eine Demo gar nicht lohnen.

Noch nie bin ich so sanft mit einem Flugzeug gestartet wie in Zweibrücken. Noch nie habe ich so einen niedrigen Steigungswinkel erlebt.
In der Saarbrücker Zeitung steht unterdessen im Wirtschaftsteil die Meldung, dass die Flüge von Schönefeld nach Zweibrücken abgeschafft werden sollen.
Dann kommen die Mitarbeiter wohl nur noch sehr sporadisch zu ihrem Arbeitsplatz…

RTelenovela

Volojahre (70): Kinder, Kinder

Mittwoch, den 24. November 2010
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(69) -> 16.11.2010

4 Uhr am Morgen in Potsdam. Treffunkt für unsere Expedition ins Saarland. Als Volo muss ich die Tour gemeinsam mit dem Veranstalter begleiten. Zehn Kinder aus ganz Brandenburg, 5. bis 7. Klasse, kommen zusammen, um dann gemeinsam einen Tag lang zu verbringen. Wir steigen in den Bus nach Schönefeld, jeder nimmt sich einen eigenen Platz, keiner sagt ein Wort. Es ist ganz still im Bus, nur das Radiio dudelt.

4.55 Uhr auf dem Flughafen in Schönefeld. Die Kinder trotten durch die Halle. Es sind noch fast zwei Stunden bis zum Abflug nach Zweibrücken. Einer braucht noch einen Ausweis, mit den neun anderen stelle ich mich an einen Bistrotisch.
Aber irgendwie müssen sie mal miteinander ins Gespräch kommen. Ich bitte sie, sich alle mal vorzustellen. Ganz schüchtern sagen sie, wer sie sind. Dann sage ich ihn die erste Aufgabe: Sie sollen Zweiergruppen bilden und den jeweils anderen ausfragen, damit sie dann ein richtiges Porträt über ihn/sie schreiben können. Die vier Mädchen stellen sich mit Mädchen zusammen, die Jungs mit Jungs.

5.50 Uhr. Wir warten am Gate auf unseren Abflug. Die Mädchen schnattern schon wie wild miteinander, machen sich Notizen. Sie scheinen schon aufgetaut zu sein.
6.50 Uhr. Das Flugzeug ist gestartet. Der Lärmpegel steigt. In den Reihen sprechen nun auch die Jungs mit.
7.55 Uhr in Zweibrücken. Auf dem kleinen Flughafen scheint die Meute inzwischen zu sich gefunden zu haben. Wir steigen in den Bus, der uns nach Thuley zu den Ausgrabungsstätten bringen soll. Das Bild hat sich gewandelt. Nun schnattern die Jungs miteinander, machen ein Witz nach dem anderen. Die Mädchen sind ruhiger geworden, schauen aus dem Fenster.

So zieht sich das durch den Tag. Selbst ein Junge, der den ganzen Tag geschwiegen hat und total verschüchtert wirkte, drehte spätestens zum Mittagessen auf und erzählte seltsam verschwinte Geschichten aus seiner Schulklasse.
Es scheint, als ob die Kinder am Ende zu besten Freunden zusammengewachsen sind. Viele wollen in E-Mail-Kontakt bleiben oder sich in irgendwelchen Foren zusammenfinden – auch weil sie ja noch ihre Porträts (die ja eigentlich nur die Kennenlernübung sind) schreiben müssen.