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Christa Bernuth: Innere Sicherheit

Freitag, den 15. November 2013
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War es Mord? Oder eine gescheiterte Republikflucht? Als am Strand von Prora auf Rügen eine weibliche Leiche am Ostseeufer liegt, beginnen die Ermittlungen.
Martin Beck arbeitet als ABV, Abschnittsbevollmächtigter, in Binz. Er will wissen, warum Hanna Schön gestorben ist. Sie lebte mit ihrem Mann und ihrer Tochter im unweit entfernten Zirkow. Als sich aber ihr Mann erhängt und Martin erkennen muss, dass der Selbstmord nur vorgetäuscht ist, beginnt der Fall, mysteriös zu werden.
Bald wird er von den Ermittlungen abgezogen, und so ist bald klar: An diesem Fall ist etwas gehörig faul. Aber die DDR-Behörden verhindern, dass er weiter daran arbeitet. Aber Martin lässt sich nicht beirren.

Wir befinden uns in der Mitte der 80er-Jahre auf Rügen. Was relativ beschaulich, aber dennoch sehr spannend beginnt, entpuppt sich als deutsch-deutscher Kriminal- und Spionagefall. Christa Bernuth verbindet in ihrem Krimi die ruhige, fast schon triste Herbst- und Winterwelt der Insel Rügen mit der großen Politik der DDR und der Bundesrepublik. Die Autorin zeigt auf, mit welchen Mitteln der Staat arbeitete, um bestimmte Vorgänge zu vertuschen. Aber auch, wie viele Leute außerdem noch im Untergrund arbeiteten, und dass die Feindschaft der beiden deutschen Staaten fast schon präkere Züge annahm.
Insbesondere die erste Hälfte des Romans ist unfassbar fesselnd. Fast schon schade ist es, dass die Autorin die Insel zu klein für ihre Geschichte war und daraus die ganz große Spionagestory macht. Den Namen der Insel, Rügen, nämlich erwähnt sie seltsamerweise nie. Auch nicht, dass das kleine Städtchen, in dem Martin arbeitet und wohnt, Binz ist. Das ist umso seltsamer, weil sie alle anderen Orte in der Gegend recht detailiert nennt und beschreibt.
Gerade gegen Ende verliert sie sich in ewigen Erklärungen irgendwelcher Vorgänge, was dann leider doch eher ermüdend ist. Dann lässt leider auch die Spannung nach.

Christa Bernuth: Innere Sicherheit
Piper, 412 Seiten
7/10

RTelenovela

Rügen 2013 (10): Karls Minilümmel

Sonntag, den 3. November 2013
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(9) -> 2.11.2013

Karl ist mir schon lange aufgefallen. Karl verkauft Erdbeeren. Aber auch Sanddorn. Und Wurst. Und was weiß ich noch alles. Schon bei diversen Besuchen auf Rügen ist mir dieser Karl auf Werbeschildern immer wieder begegnet.
In Zirkow, direkt an der B196, befindet sich sein Erlebnishof. Und da der Sonnabend eher regnerisch und ungemütlich war, wurde es höchste Zeit, diesen Karl mal zu besuchen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe Karl nicht getroffen. Dennoch war ich über seinen Hof positiv überrascht. Wegen des Regens war draußen nicht viel los. Aber dort befinden sich diverse Stände, bis kurzem ein riesiger Kürbismarkt, außerdem ist dort ein Spielplatz und viele andere Dinge, die zu einem guten Bauernmarkt gehören.
Das Herzstück des Hofes ist jedoch eine riesige Halle. Drinnen befindet sich ein Markt, dort gibt es nicht nur Karls Erdbeeren in gefühlt 29 verschiedenen Variationen (Saft, Likör, Brause etc.), auch Sanddorn, Klamotten, Lotions, Spielzeug, pipapo. Viele Lebensmittel aus eigener oder regionaler Herstellung.
Manchmal wirkt es allerdings ein bisschen albern, dass so viele Lebensmittel den Zusatz “Karls…” tragen. Karls Erdbeersaft. Karls Sanddornwein. So gibt es auch Wurst wie zum Beispiel “Karls Minilümmel”. Ähm, ja.

Die Kinder amüsieren sich im Tobeland, es gibt ein Minikino – und einen großen Gastronomiebereich, der wie eine recht niveauvolle Kantine wirkt. Das Interessante: Sämtliche Speisen kosten 1,75 Euro pro 100 Gramm, egal, was man sich auf den Teller knallt. Das klingt preiswert, aber 100 Gramm sind nicht sehr viel. So kostet dann ein Jägerschnitzel (Ost), ein paar Makkaroni, ein Klecks Soße und bisschen Mischgemüse schon mal 4,60 Euro. Ist nicht übermäßig teuer, billig aber auch nicht, denn die Portion war nicht wirklich groß. Aber die Auswahl war groß und ansprechend. Auch Kuchen, Salate, belegte Brot und vieles anderes konnte man dort kaufen.

Karl kommt bald nach Wustermark ins Havelland. Und stand ich dem immer ein bisschen skeptisch gegenüber, kann ich nun sagen, dass sich die Havelländer darauf durchaus freuen können.
Eine große Scheibe abschneiden kann sich übrigens auch der Oberhavel-Bauernmarkt in Schmachtenhagen. Wenn Karl nach Wustermark kommt, wird es eng für die Schmachtenhagener. Offiziell heißt es, sie scheuen die Konkurrenz nicht, auch weil die Distanz doch recht groß ist. Aber die Zielgruppe – die Berliner nämlich – schauen genau hin. Und der Oberhavel-Bauernmarkt kann beim Essen, beim Sortiment und beim Ambiente keineswegs mithalten. Ein moderner, ländlicher Bauernmarkt muss dennoch modern sein. Aber die Schmachtenhagener werden Karl sicherlich schon mal besucht haben. Und wenn nicht: selbst schuld.

RTelenovela

Rügen 2010 (1): Der Binzer Neujahrskrieg

Sonntag, den 3. Januar 2010
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2009 -> 1.1.2010

Null. Und der Krieg begann.
Binz, am 1. Januar 2010 um 0 Uhr. Am Strand brach der Neujahrskrieg aus. Und sorgte wieder einmal für ein Superlativ.
Kaum war der Countdown runtergezählt, das Jahr da, begann das große Zischen, Knallen und Krachen. Wie war das mit der Wirtschaftskrise?
Ein Strand voller Menschen. Hunderte Menschen. Und überall Raketen und Böller. Wir fühlten uns schrecklich unsicher. Überall hätte es uns treffen können. Selbst den Rückzug konnten wir nicht antreten, wohin hätten wir gehen sollen? Um Haaresbreite gingen einige Böller an uns vorbei.
Irgendwann gab ich es auf. Ich stellte mich hin, wir unterhielten uns und sahen nicht mehr genau hin. Einfach ignorieren. So übersteht man den schwersten Neujahrskrieg. Und das Kalkül ging auf.
Eine halbe Stunden nach Mitternacht traten wir dann den Rückweg an. Die Knallerei war da nicht nicht zu Ende.
Aber: Wahnsinn. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Und der Strand war übersäht mit Dreck.

Ich hätte wetten können: Gleich am Neujahrsmorgen ist der Strand wieder sauber. Ich hätte die Wette verloren. Noch am Sonnabend lag der ganze Dreck noch überall am Strand rum.
Vielleicht hat aber den Saubermännern der Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Neujahrsmorgen begann es zu schneien. Binz und der Rest der Insel bekamen ein weißes Kleid angezogen.
So einen richtigen Winterdienst scheint es in Binz allerdings nicht zu geben. Die Hauptstraße: eine glatte Strecke. Viele andere Wege: auch nicht geräumt oder Matsch.
Andererseits: Binz. Ein Wintertraum. Der Schmachter See ist zugefroren und weiß. Auf der Seebrücke ist es zwar glatt, aber der Anblick des winterlichen Ortes entschädigt für alles.

Rückweg. Der war ein Problem. Es war Sonnabend, alle wollten nach Hause, und die Straßen waren glatt.
Im Verkehrsfunk hieß es schon: Von Bergen bis Stralsund ist alles dicht. Und auch per Telefon kamen die ersten Botschaften. Stau schon in Zirkow, noch vor Bergen. Zwei Stunden von Binz bis Bergen.
Nächster Anruf von anderen bekannten: Stau auch auf der anderen Strecke schon ab Karow. Auch noch lange vor Bergen.
Wir warteten ab. Liefen noch mal durch Binz, auf die Seebrücke, gingen was Essen, fuhren zum Tanken.
Nächster Anruf: Die Nebenstrecke über Putbus und Garz ist frei.
Wir machten uns also auf den Weg. Die herrliche Allee vor Garz war zwar nicht grün wie im Sommer, weckte aber Erinnerungen an die Fahrt im Sommer. Und ich lernte ganz neue Orte kennen: Poseritz beispielsweise. Der Ort, wo dann auch unser Stau in Richtung Altefähr/Stralsund begann. Doch im Gegensatz zu den Leuten auf der Hauptstrecke auf der B96 brauchten wir trotzdem nur gute 75 Minuten von Binz bis Altefähr, auf dem Rügendamm rollte der Verkehr wieder.
Radiomeldungen, dass inzwischen auch auf der A20 zwischen Stralsund und Neubrandenburg Stau sei, bewahrheiteten sich nicht. Dafür aber der Stau auf der A11. Die Ostseewelle stimmte uns optimistisch. Aus den anfänglich 15 Kilometer wurden 12. Doch später, bei radioeins waren es plötzlich sogar 20 Kilometer. Unsere Sofortmaßnahme: Wir verließen die A20 bei Prenzlau. Ich rollte noch mal durch meine Bundeswehrheimat und weiter die B109 Richtung Berlin., Und es war erstaunlich: Die Strecke war zwar stellenweise schneebedeckt, aber völlig frei. 20 Kilometer Stau auf der A11 interessierten uns nicht mehr.
Freunde von uns nahmen alle Staus mit und brauchten fast acht Stunden. Wir nur fünf. So muss es laufen.

Unser neues Jahrzehnt begann also auf meiner Lieblingsinsel. Und vielleicht führt mich mein Weg Ende April wieder dorthin. Wir planen einen Kollegenausflug.