RTelenovela

Aufm Darß (2)

Montag, den 25. August 2008
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(1) -> 23.8.2008

Plötzlich stand er vor mir, in der Hand ein Glas Cola, und fragte mich, ob er bei mir einen Antrag stellen dürfe. Einen Antrag worauf, fragte ich zurück. Der ältere Mann lächelte und meinte, ich säße auf seinem Stammplatz, und ob ich nicht auf den Platz links neben mir rücken könne.
Sonntagnachmittag an der Seebrücke in Zingst. Die Sonne scheint, der Wind weht, die Wellen der Ostsee sind hoch und rauschen bis zum Strand.
Der Mann erklärt weiter, er komme seit zwölf Jahren immer wieder hierher, an diesen Platz, direkt neben dem Münzprägeautomaten an der Zingster Seebrücke. Glücklicherweise ist neben mir ja frei, so dass ich weiterrücke.
Ich hatte gerade eine Familie beobachtet. Oma, Opa, Enkel, Enkelin. Die Kinder wollten unbedingt eine der Münzen haben, was die Großeltern aber so doof fanden, dass sie bestimmten, dass die Kinder das Ding selbst bezahlen müssten: 1 Euro plus 5 Cent für die Prägung.
Der Mann, der nun neben mir saß, gab wertvolle Tipps: Wie man denn das Ding bedient und so weiter. Fast hätte man ihm unterstellen können, dass er Provision bekommt, denn immer, wenn sich jemand dem Automaten näherte, ermutigte er die Leute, das Ding doch zu probieren.
Der Mann hatte seinen Spaß und ich gleich mit, denn seine kecke Art war sehr lustig mitanzuhören.
Dann stand seine Frau vor uns, die gerade am Strand spazieren war. Ich sei sein Aufpasser, sagte ihr der Mann. Ich rückte noch einen Platz weiter, damit sich seine Frau neben ihn setzen konnte.

Das Wetter am Wochenende zeigte sich wechselhaft. In Prerow tröpfelte es am Sonnabend immer wieder mal. Besonders am Abend wurde es eher ungemütlich, so dass wir uns ein Plätzchen beim Italiener suchten. Dabei ist es interessant zu sehen, wie verwöhnt man eigentlich ist, wenn man in der Berliner Umgebung wohnt. Oder vielleicht ist es ja woanders auch so: Vorher gibts Schnittchen, zur Hauptspeise wird eine Salatbeilage gereicht, zur Bezahlung gibts ein Schnäppschen aufs Haus. Beim Italiener in Prerow gibts Schnittchen nur, wenn man sie bezahlt, den Salat nur wenn man ihn bezahlt und den Schnaps am Ende nur wenn man ihn bezahlt. Das wird teuer. Diese Knauser!!

Der Sonntag in Zingst. Nach einem verregneten Vormittag am Hafen zeigte sich das Wetter am Nachmittag an der Ostseeseite des Ortes von seiner recht guten Seite. Auf der Seebrücke nahm ich ein Sonnenbad. Die hohen Wellen sogten bei allen Leuten für große Faszination.

Auf der Rückfahrt wagten wir ein Experiment. Statt über die B105 zur Autobahn nach Rostock zu fahren, fuhren wir über Barth zur A20. Über viele kleine nordvorpommersche Käffer, in den gut und gerne noch ein paar DDR-Filme gedreht werden könnten, ohne dass etwas umgebaut werden müsste, erreichte wir nach einer Stunde die Autobahn Richtung Uckermark. Hätten wir vielleicht schneller haben können, wenn wir die B105 Richtung Stralsund genutzt hätten, die wird die Stecke irgendwann vierspurig. Na ja, nächstes Mal. Wenn es eines geben sollte.
An Rürgen kommt der Darß jedenfalls nicht heran.

RTelenovela

Die Nationalen vom Darß

Sonntag, den 24. August 2008
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-> 20.10.2007

Dass die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzt, ist bekannt. Wie normal aber sind die Rechten in dem Bundesland?
Auf dem Darß scheint es stellenweise jedenfalls ganz normal zu sein, dass die “National Zeitung” groß und breit im Zeitungsständer am Kiosk hängt. Da wird über das “deutsche Goldmädchen” Britta Steffen gejubelt, die Gold gewann. Und die Worte “deutsche Goldmädchen” bekommt bei der Schlagzeile einen sehr faden Beigeschmack.
Am Zeitungskiosk von Prerow jedenfalls scheint sich niemand dran zu stören. Wenn man das Schundblatt dann doch mal versteckt, kommt auch gleich der junge Verkäufer (der Ladenbesitzer?) und sortiert die Zeitung gleich wieder so, wie er sie haben will. Und so wie der Typ aussieht, steht ihm die NPD vielleicht auch gar nicht so fern. Na ja, Klischee, aber so wie den stelle ich mir den braven Nazi vor.
Doch der Laden in Prerow ist kein Einzelfall. Das rechte Parolenblatt liegt auch in Zingst bereit. Pikanterweise auch noch in direkter Nachbarschaft zur Jüdischen Allgemeine, die ich gleich mal, wie auch die Junge Welt, darüber platziert habe.
In Zeitungskiosken und -läden, die die National Zeitung verkaufen, sollte man am besten gar nichts kaufen. Das ist dann wenigstens ein minimaler Protest.